Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 94 (27.11.1884)
- Date
- 1884-11-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449494--21216-2510792- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1544 eine Ausweisüngsordre gegen alle Juden, selbst gegen Kaufleüte erster Gilde und Studenten erlassen. Um ihr Grttndeigenthum veräußern zu können, soll ihnen eine Frist von zwölf Monaten gewährt worden sein. Volt dieser harten Maßregel werden Tausende von jüdischen Familien schwer betroffen. Der Senat, vor den diese Angelegenheit gebracht worden ist, hat dieselbe einigermaßen gemildert und decretirt, daß in Attbetracht, daß Sibirien einen Theil des russischen Reiches bildet, denjenigen Juden, denen das Niederlaffnngsrecht überall gestattet ist, der Aufenthalt in dieser Provinz auch nicht verwehrt werden könnte. Diese Entscheidung ist nur für die sogenannte privilegirte Klasse der Jttden maßgebend, aber weitaus die größte Zahl unserer Glaubensgenossen in Sibirien wird gezwungen sein, ihr bisheriges Domicil ztt verlassen. Palästina. In Gemäßheit des Befehls des Gouverneurs, welcher Fremden beu Aufenthalt in Jerusalem nur für einen Monat gestattet, haben die Polizeiorgane Anfangs dieses Monats die Hotels und Mietwohnungen durchsucht. In Folge dieses wurden einige fremde Juden, die jüngst daselbst angekomtttett, aus der Stadt verwiesen. Dein Pascha von Jernsalein ist seitens der Negierung von Constantinopel die Ordre zugegangen, über die Zahl der in den jüdischen Eolonien „Petach Tikfa" und „Rischon le-Zion" errichteten Häuser Bericht zu erstatten und anzugeben, ob diese mit Erlaubniß der Lokalbehörden in Jaffa erbaut worden sind. Wie man vernimmt, hat der Pascha die letzte Frage verneinend beantwortet. Die seitens der Pforte veranlaßte Untersuchung ist zweifelsohne eine Folge von Vorstellungen, welche in Eoustantinopel zu Gunsten der Kolonisten gemacht worden sind. Der König von Portugal hat Herrn Haim Amzalak in Jaffa znm portugiesischen Consnl dieses Hafenplatzes ernannt. Herr Ainzalak, der auch englischer Eousul ist, hat mit Geuehinigung der portugiesischett Negierttng seinen Neffen Herrn Joseph Rabatt znm Viceeonsttl in Jerusalem designirt. Der englische Minister des Aeußern, Graf Granville hat Herrtt Joseph Amzalak, Sohn des britischett Consuls in Jaffa, tu Anerkennung seiner dem britischen Reiche erwiesenen Dienste,, eine goldene- Medaille verliehett. Auf der einen Seite der Medaille sind die Worte eingravirt: Verliehen dem Herrn Joseph Anizalak von der britischen Negierung 1884. Am 27. Oktober wurde der Anfang zur Errichtung von Wohnungen für die jüdischen Flüchtlinge ans Jemen auf dem Olivenberge gemacht. Der Grundsteinlegung wohnten die . Notablen - der jüdischen Gemeinde kn Jerusalem bei.: ,;i. ■ 'j'.i; i, *; ■ w.'l;> •»! i.-si j M.a r o e: c, o/ .. . Aus Fez wird gemeldet, daß der Sttltau beabsichtige die eingebornen Juden znm Militärdienst heranzuziehen. Man glaubt, daß diese Maßregel, weint sie ansgeführt wird, nur eine Jntrigue derjenigett Beamten ist, die es auf den Geldbeutel der wenigen reichen Juden abgesehen haben; denn diese sind sich wohlbewttßt, daß die Juden, solange das maroccanische Militär sich ans dem Abschaum der Bevölkerung recrutirt, keilten ihrer Söhne dienen kaffen werden, weil sie innerhalb desselben nur unmenschlichen Mißhandlungen ausgesetzt sein würden. Die Jttden hattett bisher für die Befreiung vom Militärdiettst jährlich eilte bestimmte Militärtaxe zu zahlen. Der bisherige jüdische Friedhof, welcher bekanntlich vom Sttltan gewaltsamerweife weggenommen wttrde, ist in ein militärisches Lager mnwandelt worden. Man kann sich leicht denken, von welchen Gefühlen die Jttdett bei diesetn Anblicke beseelt find, titbcnt nunmehr da, wo ihre theuren Angehörigen gerttht, die wilde Soldateska herrscht. Außerdem wird das Judeuviertel, welches in unmittelbarer Nähe dieses Platzes liegt, fortwährend von den betrunkenen Soldaten belästigt. - : Der tzöurier. : Historische Erzählung von S. Kohn. :.-i[ ‘cXs> QJ'O l . (Verfasser von „Gabriel.") .*'1* ' '• •' ' •' “ . .5 . (Fortsetzung.) ,. ... Es war Freitag am 27. August, VormittaK. Arnsberg saß in einen bequemen Schlafrock gehüllt, ein Hauskäppchen , am Kopse, eine lange türkische Pfeife im Munde, im Lehnstuhle in seinem Kabinete. Er spielte den. großen Herrn, das Vorzimmer war durch ein ziemlich großes Gemach.von. seinem Kabinete getrennt,., so daß nichts von dem, was m diesem gesprochen wurde, in das Vorzimmex dringen konnte. Dieses war mit Leuten. gefüllt, welche entweder vorgeladen waren, oder sich beim Anümann Gehör erbitten wollten, und sie wurden. Einer nach