Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-11-27 · Heft 94 (27.11.1884) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 94 (27.11.1884)
Date
1884-11-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449494--21213-2510789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1541 Hilfen, Arbeiter oder Dienstboten sein, , welche a. mindestens 55 Jahre alt, erwerbsunfähig und vermögenslos sind, Ir. nach vollendetem 21. Lebensjahre mindestens 15 Jahre lang im Kreise Oels gearbeitet haben und c. im Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte sich befinden und niemals wegen Diebstahls, Unehrlichkeit oder Betrugs bestraft worden sind. Frankfurt a. M. Am 19. Nov. d. I. feierten Herr Wolf Einstein nebst Frau das Fest ihrer goldenen Hochzeit. Dieselben sind 23 Jahre in Offenbach ansässig gewesen, siedelten jedoch vor einigen Jahren nach Frankfurt über. Beide Ehegatten sind noch rüstig und erfrencn sich im Kreise einer zahlreichen Enkelschaar der besten Gesundheit. Möge es denselben auch vergönnt sein, das Fest ihrer diamantnen Hochzeit erleben und feiern zu können. O e st e r r. - U n g a r. M o narchi e. Prag, 27. November. Im hiesigen „Afikc- Jehuda-Vcrein" hat Dr. M. Grünwald aus Pisek gestern die Vorlesungen des diesjährigen Wintersemesters mit einem Vortrage „über die Familiennamen der Juden" eröffnet. Der interessante Vortrag, der von des Vortragenden großer Belesenheit und Sprachkcnntniß Zcugniß ablcgte, wurde von dem zahlreich anwesenden Publikum mit großem Beifall ausgenommen. Ich glaube daher, daß es auch für den geschätzten. Leserkreis des „Israelit" nicht ohne Interesse sein wird, eine kurze Skizze dieses Vortrages zu erhalten. Der Vortragende begann in seiner Einleitung den Nachweis zu führen, daß der Name einer Person bei . den Völkern des Alterthums von großer Bedeutung war. Nomen est onien, sagt der Lateiner, und es ist nicht schwer nachzuwcisen, daß diese Anschauung bei den übrigen Völkern ebenfalls Geltung hatte. Bei einer ganzen Reihe von Namen, die uns aus dem klassischen Altcrthum überliefert sind, läßt sich der Nachweis führen, daß sie von der hervorstechendsten und eigenthüntlichen Thätigkeit der Träger derselben entnommen sind. Andererseits glaubte man, daß der Name das Wesen der Person oder der Sache ansdrückt, weßhalb häufig die Scheu, die einer Sache oder Person anhaftete, auch auf den Namen übertragen wurde. Namentlich scheute man sich den Namen Gottes auszusprechcn und die Fülle, aller Wesenheit, und Kraft in die engen Grenzen eines einzigen Mortes zu. bannen. Daher kommt cs, daß man eine Umlaütung vornahm, um nicht den Namen Gottes durch das öftere Aussprechen zu profanisiren und noch heilte sagt der Deutsche als Ausruf der Verwunderung: „Potz Tausend, Potz Element", was nach Jakob Grimm, dem Väter "der deutschen Sprachwissenschaft, soviel als „Gottes tausend Wetter" oder „Gottes Element" bedeutet? Achnlich sagt der Franzose: „Parbleu“, was eigentlich „Par dieu!“ bedeutet. Bei den Israeliten durfte das Tctragrammaton, der eigentliche Gottesname, nicht ausgesprochen werden und von diesem Verbote will der Vortragende den Ausdruck tmcon Dir erklären, was eigentlich nichts Anderes bedeutet als „der abgesonderte Name" der nur bei besonderen Anlässen ausgesprochen werden durfte. Mit dieser Erklärung können wir uns aber, nicht einverstanden erklären, denn dann müßte cs moicn Dir und nicht umCDn heißen. Wir ziehen die gewöhnliche Erklärung, die diese Benennung von der Mischna in Jöma ableitet, wo es heißt, daß der heilige Gottesname 'iru jnr?dq irTßo, jeder anderen vor. So verhältnismäßig jung auch die Familiennamen bei den heutigen Israeliten sind, da bekanntlich in Oesterreich Kaiser Joseph, in Frankreich Napoleon I. den Befehl erließen, daß die Juden Familiennamen annchmen müßten, wäre cs dennoch verfehlt anzunehmen, 'daß früher keine solche in Gebrauch gewesen seien. Viele alte und berühmte Familien führen schon seit Jahrhunderten ihren Namen. Namentlich die Juden unter der arabischen Herrschaft in Spanien und noch später haben von Altersher Familiennamen. Samuel Hanagid. Iben Gabriol, Juda Halcvi, Maimonides führen neben ihren jüdischen die volltönenden, und langathmigen arabischen Namen. Selbst vollständig fremde Namen wurden von den Gelehrten in der alten Zeit angenommen, was wir aus den griechischen Namen der Talmudlehrer entnehmen. Der erste griechische Name, der uns unter den Tannaün entgcgentritt, ist Antigouus aus Socho, ein Schüler Simon's des Gerechten. Später treffen wir solche Namen häufiger. Besonders hat sich der Name Alexander, den die Juden aus Dankbarkeit gegen den großen Eroberer annahmcn, Im Judenthume Bürgerrecht erworben. Der Name des bekannten Grammatikers Dunasch ben Librat ist auch ganz fremdländisch. Dunasch sollte eigentlich von«, wie der altspanische Nominativ für von lautete, gesprochen werden, wie Librat von Libcratus stammt. Gegen die Aussprache vons glaubt der Referent seine Bedenken äußern zu dürfen. Wir besitzen mehrere akrostichische Gedichte von Dunasch, so z. B. das bekannte, mit *ion vn beginnende, bei Hochzeiten dem Tischgebete vorangehende Gedichtchen, welches als ersten Buchstaben der letzten Zeile ein

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.