Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 92 (20.11.1884)
- Date
- 1884-11-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1517 Unter militärischen Ehrenbezeugungen seitens des hiesigen Kriegcrvereincs wurde Herr Nathan I. Goldschmidt, der die beiden Feldzüge 1866 u. 1870/71 unversehrt mitgemacht, zuerst in die Gruft gesenkt. Beide waren rechtschaffene, brave, allgemein beliebte Charaktere, die die allseitig größte Sympathie mit in's Grab genommen haben. Es wurde lebhaft bedauert, daß unser Provinzialrabbiner Herr Dr. Koref aus Hanau bei der Beerdigung nicht zugegen war, um der tiefen Trauer der nach Tausenden zählenden Menge beredten Ausdruck zu geben. Der Allmächtige möge den Hinterbliebenen den Trost senden, dessen sie so sehr bedürfen! Frankreich. Paris. Dem Berichte der „All. Jsr. Univ." vom 1. Semester 1884 entnehmen wir: (Die Ackerbau-Colonien in Amerika). Ihre Lage fährt fort im allgemeinen eine befriedigende zu sein; die Colonisten sind jetzt schon besser vorbereitet, sie kennen den Boden, den sie bearbeiten, ertragen leichter das Klima und fangen an, die nöthigen Subsistenzmittel der eigenen Arbeit zu verdanken. Das Central-ComitL hat einige dieser Colonicn unterstützen können vermittelst Hülfsmitteln, welche vom dem Board of Delegates bewilligt wurden. (Lehrlingswerk). Die Zahl der Lehrlinge, welche gegenwärtig in den verschiedenen Städten, wo die Alliance Schulen besitzt, untergebracht sind, beträgt 376 (die Lehrlinge Jerusalems nicht mit eingerechnet). Das Central - Comittz hatte sowohl bei den Ettern wie den Aufsichtscomites eine merkliche Bevorzugung derjenigen Handwerke bemerkt, die leicht erlernt werden. Diese Bevorzugung fand ihre Entschuldigung darin, daß das große Elend der Eltern die Kinder dazu antrieb, so schnell wie möglich ein Handwerk zu erlernen, das ihnen einige Hülfsmittel verschaffte. Dank den Maßnahnien, welche jetzt die Local-Comitös getroffen, hat die Zahl der Schneider¬ und Schuhmacher-Lehrlinge abgenvmmen; man unterweist die Lehrlinge in lucrativeren Handwerken, wie das Tischler-, Schmiede-, Schlosser-, Sattlerhandwerk; dies ist eine bedeutende Verbesserung des Werkes. Man beschäftigt sich mit einer noch umfangreicheren Verbesserung. In einigen Ortschaften findet MM keinen guten Lehrmeister, oder auch, es weigern sich die Meister, jüdische Lehrlinge aufzunehmen, oder, wenn sie sie aufnehmen, beschäfttgen sie sie mit Gängen und Besorgungen, anstatt sie im Handwerk zu unterweisen. Einige Local-Comitcs sind der Ansicht, daß, damit das Werk eniftlich gute Früchte trage, Werkstätten gegründet werden müßten, an deren Spitze man gute von Außen kommende Arbeiter als Meister setzt.' Dieses Project bietet, ernstliche Schwierigkeiten und wird genau überlegt nnd studirt werden müssen, ehe man zur Ausführung desselben schreitet. Das Central-Comite hatte mehr Glück mit der Verwirklichung eines Planes, welcher cs schon lange beschäftigte und der darin besteht, die Wohlthat der professionellen Erziehung auf die jungen Mädchen auszudehnen. Herr Baron v. Hirsch hat ihm zu diesem Zweck seinen großmüthigen Beistand geliehene Es war nicht nur möglich, die jungen Mädchen als Lehrlinge zu Meistern zu geben; das Unterbringen derselben in Schneider- oder Putzwerkstätten bietet gleichfalls verschiedene Schattenseiten, man mußte auf eine andere Organisation bedacht sein. Das Central-Comits hat also beschlossen, neben den Mädchenschulen Werkstätten zu gründen für Schneiderei, Wcißnäherci und Plätterei. Diese Werkstätten, welche von besondcren.Lehrerinnen geleitet werden, sollen unter die Aufsicht und Controlle der Schuldirectorin und eines Damcncomittzs gestellt werden. Das Central - Comitö hat solche Werkstätten bereits in Adrianopel, Constantiuopel, Damascus und Smyrna cinrichten können, und beschäftigt sich damit, noch solche in Nnstschuk, Sofia, Salonichi, Tanger und Tunis 31t gründen. Aus dem Anhang, welcher Berichte über die. Zahl und die Lage der Israeliten in verschiedenen Theilen der europäischen nnd asiatischen Türkei enthält, wollen wir aus der Schilderung der isr. Gemeinde Aidin in Amatolien folgendes hervorheben: Die Familie Saragossi aus Aidin feiert am 18. Schebat eines jeden Jahres ein Fest, zur Erinnerung an ein Wunder, welches im Jahre 5140 (1380) zu Gunsten der Israeliten Saragossa's, woher diese Familie stanunt, stattgesunden haben soll.' Die Begebenheit ist in einem Manuscript auf. Per-, gament — Mcgillat Saragossi genannt — niedergeschrieben. Der Styl nnd die Abfassung der Erzählung erinnern sehr an diejenige des BucheS Esther; am 18. Schebat eines jeden Jahres wird , die Megillat Saragossi vorgetragen. Hier folgt in', kurzen Worten'der Inhalt: . . /• „Es gab in Saragossa 5,000 Juden und12' Synagogen. So oft es dem Könige gefiel, durchdas Judenviertel zu kommen, eilten ihm die Juden, von dem Sefarim begleitet, entgegen. Als dieNabbinen nach Uebereinkunst diese Sitte für eine Ent-