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Der Israelit · 1884-11-17 · Heft 91 (17.11.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 91 (17.11.1884)
Date
1884-11-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1501 Wir würden uns deshalb einer Unterlassungssünde schuldig machen, wenn wir nicht eines Mannes gedächten und zwar eines Nichtjnden, der durch seine vielfach bewiesene e ch L e H u m a n i t ä t und religiösc Toleranz cs verdientin diesem Blatte rühmend hcrvorgehoben zn werden und ganz besonders da seine Standesgenossen vorherrschend im Lager unserer Feinde zu finden find. Dieser edle Menschenfreund ist Seine ExceHenz Hofmarsch all Freiherr Röder v. Diersburg. Ein Muster religiöser Duldsamkeit ist es wohl ganz besonders seinem Einflüsse zu verdanke», das; in Diersburg, der Gemeinde seines Wohnsitzes, Katholiken, Protestanten und Israeliten friedlich beisammen wohnen. Sowohl hierdurch als auch durch seine Leutseligkeit und Wohlthätigkeit, die er Armen und Kranken aller Konfessionen in reichlichem Maße angedeihen laßt, gereicht er der Gemeinde zu einem wahren Segen. In dankbarer Anerkennung und gerechter Würdigung der großen Verdienste dieses edlen Mannes um das Wohl gedachter Gemeinde fand am jüngsten Donnerstag anläßiich der goldenen Hochzeit des v. Röder'schcn Ehepaares in den Gotteshäusern der drei Bekenntnisse Festgottesdicnst statt. Rach geschehener Trauung in der protestantischen Kirche begab sich der Jubilar in die katholische Kirche und wohnte hierauf mit seinen hohen Gästen auch dem Festgottesdicnste in der Synagoge bei, wo Herr Lehrer Obstreicher die Festrede hielt. Bei der Verthcilnng reichlicher Geldgeschenke an Ortsarme wurden die Israeliten in gleicher Weise bedacht, wie die Andersgläubigen. Wie für die christlichen Bürger in den verschiedenen Gasthäusern, so war auch für einen großen Theil der isr. Ortseinwohner in der jüdischen Restauration von Herrn v. Röder ein Festmahl veranstaltet. das er ebenfalls mit seiner Gegenwart beehrte und ans das Wohl der israel. Gemeinde toastirte. Alle Hochachtung vor einem solchen Edelmanne, der frei von confessionellem Borurtheile ist, der in die unteren Volksschichten hinabsteigt, Roth und Elend anssucht, um Abhilfe zu treffen. . Ein solcher Mann besitzt den höchsten, den Herzens-Adel. Möge sein herrliches Beispiel allenthalben, besonders aber bei seinen Standesgenoffen Nachahmung finden. ' Gott erhalte den Jubilar und seine verehrnngswürdige Gemahlin noch viele, viele Jahre in kräf-! tiger Gesundheit und gestalte ihren Lebensabend zn einem frohen und glücklichen. . . , -ll Berlin, im November. Etwa 14 Tage sind verstrichen, seitdem in mehreren hiesigen Zeitungen eine Ausbietung der Stelle eines eisten Vorsitzenden und Dircctors der Barnch-Ancrbach'schcn Waisenanstalt zn lesen war. Dabei uiußte einem jeden unwillkürlich einfatleu, daß vor nicht gar langer Zeit ebendieselbe Stelle in den Zeitungen ausgeboten war; imd des weiteren mußte sich jedes auch der Vorgeschichte jener, damaligen Ausschreibung entsinnen. Damals waren nämlich dem ehemaligen Dircctor „unliebsame" Geschichten passirt, mit welchem Euphemismus manchmal Dinge bezeichnet werden, die noch vor ein anderes Forum gehörten, als das der Ocffcntlichkcit. Aber man war milde, bedeckte die Blöße des Nächsten, damit er sich nicht einmal der öffentlichen Meinung gegenüber zu verthcidigen brauchte; der Mann trat ab, und ein Nachfolger wurde gesucht. Suchen und Finden sind aber oft zweierlei Tinge: mau wollte keinen ganz „Linken", weil man-mit einem solchen Herrn soeben gar zu traurige Erfahrungen gemacht hatte; ein „Frommer" aber, und wäre er auch noch so gemäßigt, war schwer zu finden, der sich mit der Forderung des Vorstandes, daß die Zöglinge der Anstalt am roc* schreiben sollten, einverstanden erklärt hätte. Endlich, als die Roth am höchsten, fand sich ein Retter in der Person des Herrn Dr. Braun in Breslau, der, ansgcftattet mit eurem sehr geachteten Flamen und einem . gediegenen Wissen auf klassischem, wie auf hebräischwissenschaftlichem Gebiete, sich bereit erklärte die Stelle zu übernehmen. Jedoch stellte er die Bedingung, daß in der Anstalt selbst fortan nicht mehr geschrieben werden solle; ferner, daß die neu aufzunehmenden Zöglinge auch in der Schule nicht schreiben sollten; wogegen er die alteGeneration in ihrer Sünde belassen wollte. So kam also ein Eompromiß in oMma torma zu stände, das wohl aber nicht zu Pa-- picr gebracht worden sein muß, da sonst das Weitere nicht hätte folgen können. Als nämlich zn Anfang dieses Semesters neue Zöglinge in die Anstalt anfgenommen wurden, da bekam die Pauke ein fürchterliches Loch; Herr Tr. Braun blieb mit noch einem Vorstandsmitgliede in der Minorität, während alle anderen dafür stimmten, daß geschrieben werden solle.. Man sieht, die Saat der Rabbincrsammlung unscl. Anged. trug ihre — (Galläpfel. — Darauf gab Dr. Braun;eine Entlassung; Verhandlungen wurden, angeknüpft und abgebrochen, und das Ende vom Liede war die obenerwähnte — Annonce. Wenn auch dem mannhaften Auftreten des Herr»

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