Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1500 Was den andern Vorwurf betrifft, so ist er ebenfalls durchaus nicht gerechtfertigt. In den Zeitschriften, die speciell den jüdischen Interessen gewidmet sind, 'wird man niemals ein'Wort gegen das Christenlbnm oder christliche Einrichtungen finden/ Wohl gibt es Schriftsteller jüdischen Ursprungs, die gegen jede Religion feindlich gesinnt sind, und von diesen hat das Indenthum mehr zu leiden gehabt, als das Chriftenthnm. Das; es auch solche in großer Menge unter den Schriftstellern und Journalisten christlicher Abstammung gibt, wird Herr v. Amyntor nicht kn Abrede 'stellen. Das liegt in der Richtung der Zeit, und Verhältnipe tragen die^Schuld, die nicht durch Inden und Jndenthum herbeigesührt sind worden. Wir schließen unsere heutige Mitttheilung mit dem Briefe des berühmten Rationalökonomen Emile de Lavelöe zu Lüttich. Derselbe lautet in deutscher Uebersetzung: „Bei der Rückkehr von meiner Reise fand ich Ihren Brief und Ihr vortreffliches Werk vor. Auf die Frage: „Sollen die Inden Christen werden? antworte ich: Rein, tausendmal nein! denn ihre Religion gehört unzweifelhaft zn den erhabensten und reinsten Religionen der Welt, und ihre Race ist nach meiner Ansicht die intelligenteste und thatkräftigste unter allen Racen der Erde. Sie wird die Herrin dieser Welt werden und wird es auch verdienen. Zur Unterstützung dieser Ansicht habe ich einige Beweismomente kn meinen „Briefen aus Italien" und meinen „Elementen der politischen Oekonomie" angeführt. Die inferiore Entwickelung der Racen , mit denen die Juden in Berührung stehen, und die Acte der Ungerechtigkeit, deren Opfer sie gewesen, haben bei ihnen diejenigen Fehler hervorgerufen, deren man sie kn dem Maße anklagt, als jene Vorwürfe begründet sind." Zeituugsnachrichten und Corresporrdenzen. Deutschs an d. - Mainz, 12; Rov. lieber die Montefiorefeier gehen uns fortwährend von den verschiedensten Gegenden zahlreiche Berichte ein, von denen wir jedoch nur dann Notiz nehmen können, wenn sie etwas Thatsächlkches enthalten. In Wien hat der Bürgermeister in Verbindung mit 82 Stadtverordneten ein Beglückwünschung»- Telegramm nach Rcunsgate abgeschickt. — In Gailingeu (Baden) hat man nach einer begeisterten Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. L ö w e n st e 1 n beschlossen, ein jüdisches Hospital, welche den Namen des Jubelgreises führen soll, zu -gründen,' und-sind sofort namhafte Summen zn diesem Zwecke gezeichnet worden:-' - — —" " — —‘ Mainz, 13. Rov. Bei Gelegenheit der Röhrenlegung für die Wasserleitung wurden in der oberen Rheinstraße einige alte Leichensteine mit hebräischer Inschrift zu Tage gefördert. Es geschah dies in derselben Gegend, wo im Jahre 1858 bei Erbauung des Lokomotivenhauscs der Hessischen Ludwkgsbahu mehr als 100 solcher Leicheusteine gefunden wurden. Dieselben waren nach der Vertreibung der Jude» von Mainz im Jahre 1420 von dem alten Friedhöfe geholt und zu Festungsbauten benutzt worden. Die heute zu Tage geförderten Steine stammen meistens aus dem 13. Jahrhunderts der eine trägt die Jahreszahl 4972 nach Erschaffung der Welt, d. i. 1212 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung; der andere stammt ans dem Jahre 4988 (1228); der dritte ist datirt vom Jahre 5003 (1243). Ein vierter Stein jedoch ist bedeutend älter als die^ andern; er trägt die Inschrift: „Hier ruht die Frau des Rabbi Moscheh, des Weisen, die da verschied im Jahre 4706 (946) im dritten Monat." Schon durch sein Aussehen bekundet dieser Stein sein höheres Alter; er ist nur wenig behauen und geglättet; auch ist die Schrift in nicht eben kunstvoller Weise eingegraben. Der Stein ist insofern merkwürdig, weil es in uralter Zeit nicht Sitte war, eine Jahreszahl auf die Leichensteine zu setzen. Von den im Jahre 1858 aufgefundenen war der älteste mit Jahreszahl vom Jahre 4861 (1101) datirt, während unter denen ohne Jahreszahl sich von einem Steine anderweitig seststellen kiest, daß er aus dem neunten Jahrhundert stammte. Es ist dies der Leichenstern des Mainzer Rabbiners Meschullarn, Sohn des Rabbi Kalonkmos ans Lucka. Dieser Rabbi K. war auf Wunsch der Mainzer Jsraelitengemeknde von Kaiser Karl dem Grossen, vorr Italien nn't nach Deutschland gebracht worden. — Man scheint also erst im zehnten Jahrhundert angefangen zn haben, den Todestag aus der; Leichensteinen zu verzeichnen. , " ." - Offerrburg, 10. Rov. Die attseitkge Anerkennung und Verehrung, die man dem hervorragendsten Israeliten der Jetztzeit Sir Moses anläßlich seiner Jubiläums auch von nichtjüdischer Seite ent* gegeugebracht, hat gewiß unsere Glaubensgenossen mit edlem Stolz und hoher Befriedigung erfüllt.