Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1502« Tr. Braun die Anerkennung nicht versagt werden lanu, welches um so höher anzuschlagen! ist/ als er eine glänzende Stellung aufgab und nun — bei zahlreicher Familie — in Kurzem ohne Stelle sein wird; wenn also in dieser Hinsicht der Vorgang tief bedauerlicher erscheint, so ist derselbe andrerseits doch ein recht erfreuliches signmn temponun; es lehrt, das; es vorbei sei mit dem Kompromisse schließen, welchem wir den heutigen Niedergang des Jndenthums in Deutschland zum großen Lheile zuzuschreiben haben. '211' d'hoiö dp,k a'C'yon heißt heute die Parole: und wer nicht für uns, ist gegen uns. Israels Macht liegt nicht und lag nie in der großen Zahl seiner Bekenner, sondern in dein hohen Mnth, in dem Glanbcnscifer derselben, in dem Abstößen der abgcfatlenen Glieder. „Und ich werde übrig lassen", spricht der Prophet, „in Israel etwa! 0,000, alle die, welche ihr Knie dem Baal nicht beugten." Wer den Zersetzungsprozeß durch Comproinisse anfhalten will, fällt, und besäße er Riesenkräfte, als erstes Opfer; geopfert von der Partei, der er dienen wollte. — Berlin, 9. November. Der Aufruf zur Wiedererweckung des früheren Vereins Mekize Nirdamim hat bereits einen, für den Anfang recht erfreulichen Erfolg erzielt. Eine Anzahl von Freunden und Förderern der hebräischen Literatur hat den Beitritt zum Verein mit einem Jahresbeitrag von je zehn Mark erklärt. Auch ist die ansehnliche Gabe eines Mäcens mit. 400 Mark dankbar zu verzeichnen. Da der Aufruf erst jetzt in hebräischer Sprache für Polen und Rußland zur Verbreitung gelangt, so ist auch von dort her eine solche Theilnahme zu erwarten, die hoffentlich hinreichend sein wird, recht bald die Publikationen für das erste Jahr feststellen und mit der Drucklegung der Schriften Vorgehen zu können. Da es sich hier um keine bnchhändlerische Spekulation handelt, so muß der Verein, um nicht durch Rabbat-Abzüge oder - besondere Honorare in seiner Kaffe gekürzt zu werden, einstweilen auf die Vermittelung durch Buchhändler oder Agenten Verzicht leisten. Nur so dringender ist daher die Thätigkcit der Herren Rabbiner oder sonstiger Gelehrten erforderlich, für diese rein wissenschaftlichen Interessen in ihren Kreisen, wenn nicht Viele, doch Manche zu gewinnen. Exemplare des Aufrufs werde ich zu diesem Zwecke überall hin, wo sie verlangt werden sollten, gelangen lassen. , - ' Mit vorzüglicher Hochachtung ,'kttf.HZ- Dr. Berliner. Sicuftettin, 8- November. Bor der hiesigen Strafkammer kam heute eine Sache zum Anstrage, welche ihrer Zeit ungeheures Aufsehen erregte. — wir meinen jenen beklagenswerthm Unglücksfall, welchem der Schmiedcmeister Winegge zum Opfer siel, und als dessen Urheber der 141(£ Jahre alte KaufmannSlehrling Isidor Rothmamr Hierselbst unter Anklage gestellt ist. — Die heute zur Verhandlung gekommene Anklage beschuldigt den Rothmamr auf Grund der §§ 223 und 226 der fahrlässigen Tödtung des Schmiedemeisters Winegge. Der Angeklagte hat bekanntlich aur 22. August d. I. in dem Geschäftslokal feines Prinzipal«, des hiesigen Kaufmanns A. Behrend, dem Schmiedemeister Winegge. nachdem letzterer vorher zwei Achtel Schnaps und ein Glas Bier in Gegenwart seines Neffen, des Musikers Winegge ausgetrunken hatte, einen halben Liter Spiritus vom Halse aus über den nackten Körper gegossen und zwar angeblich auf Wunsch desWknegge. auf den der Spiritus eine kühlende Wirkung ausgeübt haben soll. Weiter hat Rothmann hierauf dem Winegge beim Anzünden einer Cigarre mit einem brennenden Streichholz Hilfe geleistet, und hier soll es nun vorgekommen sein, daß,der Angeklagte das noch brennende Streichholz absichtlich dem Winegge auf die Kleider warf, diese dadurch entzündete und weiter den Tod desselben herbeifnhrte. — Durch die heutige Beweisaufnahme wurde für das wichtigste Moment der Anklage, für das absichtliche Hinwerfen des Streichholzes, Bestätigendes nicht'erbracht, ebensowenig für die Annahme, daß der Rothlnann vielleicht den Winegge ums Leben gebracht, vielleicht sogar auf Veranlassung Anderer haben bringen müssen, weil derselbe gedroht habe, etwas für die Juden höchst Nachtheiliges anssagen zu wollen, wenn der Synagogenprozeß nochmals zur Verhandlung kommen sollte. Ter Herr Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Walther ans Cöslin. richtete verschiedene Fragen in diesem Sinne an den Angeklagten, die derselbe aber durchaus verneinte. Dahingegen waren sämmtliche Zeugen darin einig, daß Rothmann ein höchst unnützer, zu allen dumme» Streichen stets aufgelegter Mensch sei.dem es immer Vergnügen gemacht habe, die Kunden semes Prinzipals anzuärgern und alle mögliche Dummejungenstreiche anszuführen. Von Belang war die Aussage des Schuhmachers Monsler (Zeuge war bekanntlich gleich nach dem Unglücksfall verschwunden 'und gab hierdurch Veranlassung zu allen möglichen Kombinationen), welcher bekundet, den Rothmann vor den Folgen, welche mit Spiritus getränkte Kleider für den Träger derselben nach sich ziehe» können, gewarnt zu haben. — Der Staatsanwalt