Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449491--21159-2510732- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1498 an dem Kampfe Theil genommen haben, und jene sogar zum Widerstande enthusiasmirten und die Völksmasscn auf den Larrlkaden befehligten," \ i „Ich halte es für meine Pflicht" erwiderte der Pfarrer, Ihnen dringend von dem geplanten, völlig nutzlosen und gefährlichen Schritte abzurathe»' Wenn es, was Gott gnädigst verhüten möge, so weit käme, das; sich die Feinde, — wenn vielleicht auch nur ans kurze Zeit — über unser Land ergössen, müßten wir dies als eine Schickung des unerforschlichen Gottes ruhig hinnehmen und dürften nicht gegen den Stachel löckeu. Sie würden mit dem vergeblichen Versuche eines Widerstandes den Feind zwecklos erbittern, die Lage der Bevölkerung verschlimmern, und überdies hierdurch ganz gewiß nicht den Intentionen unseres Monarchen entsprechen. „Sie haben, wie immer, Recht, Herr Pfarrer", meinte der Amtmann nach kurzem Bedenken. „Uebrigens ist der supponirte Fall nach Ihren Minhcilungen kaum möglich. Sie selbst hochwürdiger Herr sagten, Fürst Schwarzenberg stehe mit einer Armee von 240,000 Mann, darunter 50,000 Reiter und .wie viel Kanonen sagten Sie?." Der Pfarrer zuckte ungeduldig die Achsel. „Was liegt Ihnen an den Zahlen? Ich kann fürdie Genauigkeit nicht bürgen, ich schöpfte sie aus den Mittheilungen des Majors, der vor vierzehn Tagen bei mir im Quartier lag, und selbst wenn — was ich aber durchaus nicht behaupten will, — die Angaben des Offiziers richtig gewesen und ich richtig behalten habe, so hätten diese nicht nur für uns Laien, sondern auch für Fachmänner, für Soldaten, zur Benrtheilnng der Sachlage keinen Werth, weit wir ja nicht die Stärke des Feindes kennen!" „Ich wiederhole es. Sie haben, wie immer, Recht. Im Ganzen aber scheinen Sie sich denn doch der Ansicht Hinzuneigen", — obwohl sich Niemand m der Nähe befand, senkte der Amtmann doch feine Stimmei-zn einem Weisen Flüstern herab,-„daßdle Armee der Verbündeten? eine - Niederlage erleiden könnte?" ~ ' a ~ —* *• „WennSie das glanben, habenSie mich mißverstanden. Ich wollte nur alle Möglichkeiten ins Auge fassen; aber ich will es Ihnen nur offen gestehen, daß nlich die respektable Truppemnacht, von deren großen Stärke wir uns in Allgemeinen zn überzeitgen Gelegenheit hatten, außerordentlich beruhigt hat. Ich weiß es, daß nicht Menschenmacht, t-.icht die Zahl der Streiter, nicht Tapferkeit und Heldenmnih die Entscheidung herbeifiihren, ich weiß, daß Alles nur in der Hand des Höchsten liegt, daß sein heiliger unerforschlicher Rathfchluß die Weltgeschicke lenkt; aber trotz alledem hat der Mensch doch nicht das Recht sich auf Wunder zn verlassen; — nnd da spreche ich denn mit gläubigem Vertrauen die Hoffnung aus, daß es mit Gottes Hilfe der großen Truppemnacht an der Grenze mtseres Vaterlandes gelingen wird, dem mächtigen Feinde den Einbruch nach Böhmen zu verwehren, ja wen» es aus meinem Munde nicht allzu unbescheiden Länge, würde ich die Bermuthung anssprechen, die Verbündeten würden einem feindlichen Einfalle zuvorkommen, die Offensive ergreifen und in das Feindesland — so müssen wir leider jetzt das benachbarte Sachsen, das zu Napoleon hält, nenne» — entrücken. Ich hoffe zum lieben Gotte, daß er unsere Gegend vor den Graulen eines Krieges bewahren wird. Ich glaube, daß die gewohnte» Beschäftigungen wieder ihren ruhigen Gang nehmen können." Der Alntmanu nicfte zustimmend mit dem Kopfe. (Fortsetzung folgt.) »Der IZraclit" erscheint wöchentlich z w e i tu rt i, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Boge«. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich l2 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig. halbjährig oder vierteljährig. Alte Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespältene Petitzeile oder deren Raum. — Oestcrrcichische Banknoten laut Eours. — Directc Francoznsendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 3 st. österr., snr's Ausland 16 Reichs-Mark an die Expedition franco einzusenden. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Zur Paraschath Tholcdoth. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Alain;. Berlin. Bütow. — Oest.-Ung. Monarchie: Preßburg. Budapest. — Rumänien. — Frankreich: 2mat Paris. — Amerika: Philadelphia.— Afrika: Tunis. — Feuilleton: Der .Courier. —7: f .1 ■; - Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Aeußerungen hervorragender, nichtsüdischer Zeitgenossen über die sogenannte Iudensrage. — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen: Deutschland: 2mal Mainz. Ofsenbnrg. 2mal Berlin. Reusirttin. Breslau. — Rösselsprung. — : i-; > »• Inhalt der Vxtra-Beilage: Spenden-Verzeichnijse.:! .-vi i::-j •,.<> n:.:, .iv-i;-.-/-,' «-c :0f| Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehznann in Mainz. — Expedition des „Israelit" gr. Bleiche 45. , -; j . Druck und Verlag von Osxar Lehmann in Mainz. uh -i; - ‘ ewi.' ’yf->' 4T**5' •*’#' k' N- (Hrerzu zwer Be,lagen.> i .;vf