Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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1497 große Mühe und schwere Sorgen bereitet, doch hatten jene — die Durchzüge — seit einigen Tage aufgehört, jeden Augenblick erwartete mau den faktischen Ausbruch der Feindseligkeiten, und wo sich zwei Personen begegneten, entspann sich ein Gedankenaustausch über die Kriegseventualitäten, welchen man entgegensehen mußte, und auch der Obcramtmann frug den Pfarrer nach einem eiligen Morgengruß: „Hochwürden, Sie sind, wie mir meine Leute erzählten, gestern spät in der Nacht zu einem Sterbenden in's Gebirge gerufen worden, haben Sie auf Ihrem Wege nichts Interessantes gesehen oder gehört? nicht erfahren, ob die beiden Heeressäulen schon aufeinandergestoßen? ob sich das Gros unserer Armee noch auf vaterländischem Boden befindet? ob unsere tapfer« Truppen nicht durch die Uebermacht des Feindes zurnckgedrängt wurden, und wir etwa eine feindliche Invasion zu befürchten haben? Glauben Sie, daß ich in diesem Falle, das Forstpersonal und die Bauern der Herrschaft zu einem Landstürme organisiren, die Straßen unwegsam machen, Verhaue anlegen, dein Feind den Weitermarsch erschweren, aus dem Hinterhalte auf ihn schießen lassen soll? Oder glauben Sie, das; wir auf der Herrschaft die gewöhnlichen Arbeite» und Beschäftigungen, mit denen ich übrigens schon gestern beginnen ließ, fortsetzenkönnen? Theilcn Sie nur Ihre Ansicht mit, Sie sind ja hier der einzige Mensch, mit dem ich etwas ordentlich besprechen, der mir einen Rath ertheilcn kann." Der Pfarrer erwiderte: „Auf meinem nächtlichen Wege habe ich nichts gehört und gesehen, und habe auch nichts über die Bewegungen unserer Truppen erfahren. Ich glaube auch, daß diese so geheim gehalten werden, als es eben die Umstände möglich machen. Ich bin, wie sich das auch denken läßt, in militärischen Dingen unerfahren; aber so viel weiß ich doch, daß im Kriege nicht Hcldenmnth und Tapferkeit allein, sondern sehr oft auch List und Klugheit entscheiden. Jeder der kriegführenden Theile hält seine Bewegungen geheim. Die Franzosen sollen, wie mir vielfach erzählt'wurde, überall von guten Spionen, die sie fürstlich für ihr gefährliches Handwerk bezahlen, bedient werden; sic sollen neben anderen Talenten, die man ihnen nicht absprechen kann, auch jenes besitzen, in Feindesland sofort Schurken aufzuspüren, die Blutgeld nehmen, ihr eigenes Vaterland zu verrathcn, ihre Brüder dem Feinde an's Schlachtmeffer zu liefern Ich will Sie bei dieser Gelegenheit auch darauf aufmerksam machen, daß, wenn Sie zufällig etwas über die Bewegungen unserer Truppen erfahren, Sie darüber vor Niemandem, nicht einmal an Ihrem Tische vor Ihrer Frau und Ihren Kindern, sprechen sollen. Ein guter Zweck kann dadurch nicht erreicht werden; aber cs kann's Jemand, vielleicht ohne etwas Böses zu beabsichtigen, weiter tragen und es kann der Feind doch in irgend einer Weise Kenntnis; hiervon erlangen und zum großen Nachtheile unserer Armee ansbenten." Arnsberg zog sanft seinen wohlgepflegten Backenbart in die Länge und sprach mit einem, überlegenen Lächeln: „Vorsicht schadet allerdings nicht; allein ich glaube, das; Sie, Hochwürden, in Ihren Befürchtungen gar zu weit gehen. Ich glaube nicht, daß sich unter der ländlichen Bevölkerung in dieser Gegend ein Verräthcr befindet; dann glaube ich, das; ein Spion doch ein intelligenter, schlauer Mensch sein muß, die Bauern nnd Häusler hier in der Gegend sind unwissende Leute .... endlich, der Feind steht ja weit von hier entfernt, noch nicht auf österreichischem Boden; in welcher Weise wäre es ihm möglich, sich hier Spione zu verschaffen, in welcher Weise könnte er mit ihnen correspondiren?" „So schlau, das zu wissen, bin ich allerdings nicht", meinte Elisander lächelnd, „aber da Sie mich um Rath und Meinung fragen, will ich mich unumwunden über einen wichtigen Punkt aussprechen. In dieser Zeit höchster Gefahr und härtester Bedrängnis; des Vaterlandes muß Jeder Altes, was in seiner Macht steht, zur Rettung desselben, zur Abwendung jedes Unheils aufbieten. Sie frugen mich, ob Sie für den Fall, als — was Gott gnädigst verhüten möge — unsere braven Truppen und die Truppen unserer Verbündeten durch die Ueberzahl zurnckgedrängt, besiegt, sich in das Innere des Landes znrückzieheu müßten, einen Landsturm organisiren, dem Feinde bewaffneten Widerstand leisten sollen? Ich kann gar nicht glauben, das; ein so kluger verständiger Mann, wie Sie, einen solchen Plan länger als eine Minute ernstlich bedenken kann: Wenn der Feldinarschall Schwarzenberg mit 240,000 Mann, darunter 50,000 Reiter und zahlreicher Artillerie, den Fortschritten des Feindes nicht Einhalt zu thnn vermöchte, so werden Sie mit Ihrer Handvoll schlecht bewaffneter, uneinexercirter Bauern wohl auch nicht diesen Zweck erreichen." „Hm," meinte der Amtmann etwas verletzt, „ich habe seiner Zeit in den Blättern gelesen, daß in Spanien die Bevölkerung lebhaften Antheil an den Kämpfen gegen die Franzosen genommen, daß in Sara? ^sa jedes Hans in eine Festung umgewand.^ wurde, das; auch Geistliche und Frauen