Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1406 Aer Kourier.*) Historische Erzählung von I. Kühn. Verfasser von „Gabriel." E r st e s K a p l t e l. Es war an einem Angusttage des Jahres 1813, als Oberamtmann Arnsberg in Ncuhos, einem Dorfe an der Kakscrstraße, die von Prag nach Tcplitz führte, schon am frühen Morgen gedankenschwer vom Amtshanse in das Dorf schritt. Am Eingänge desselben begegnete er dein Pfarrer Elisander; die beiden Männer blieben miteinander stehen. Arnsberg war ein mittelgroßer, kräftiger Manr: von etwa vierzig, der Pfarrer ein Greis .von ücbenuudsicbcnzig Jahren, welches hohe Alte' nur durch das schneeweiße Haar verrieth, während seine gesunde . Gesichtsfarbe, sein aufrechter Gang, seine ganze äußere Erscheinung, und auch seine geistige Frische ihn sonst weit jünger erscheinen ließen. Soll denk geehrten Leser das Gespräch der beiden Männer verständlich sein, so müssen wir zuvor ein Bild der Zeit entwerfen,, in welcher unsere Erzählung spielt, Diese — die Zeit nämlichwar eine hochernste. Die Verbündeten hatten dem Weltbezwinger Napoleon vor wenigen Tagen den Waffenstillstand gekündigt, der Mesenkamps zwischen Frankreich und dem übrigen Europa sollte von Neuem, im allergrößten Maßstabe unter beiderseitiger Anspannung alter Kräfte mit der größtmöglichen Alachtentfaltung und zwar diesmal zu Ende geführt werden. Diesmal mußte es sich entscheiden, ob Europa in ein Reich verwandelt, ob sämmtliche Monarchen Europa Napoleons Vasallen, oder die einzelnen Staaten selbstständig nebeneinander sortbestehen sollten. — Jeder Sieg, den Napoleon seit dem Jahre 1805 erfochten, hatte ihn der europäischen Diktatur näher gebracht. Die Uneinigkeit seiner *) Jeder unbefugte Nachdruck wird mit aller Strenge verfolgt werden. Ucbersetzungsrechte Vorbehalten. Gegner, namentlich die gegenseitige Rivalltat Oesterreichs und Preußens, hatte bisher seine Erfolge begünstigt. Der Versuch einer oder auch zweier Großmächte, vereint. gegen ihn kn die Schranken zn treten, war 1805, 1806, 1807 und 1800 vollständig gescheitert. Wohl hatte der unsterbliche Feldherr Erzherzog Karl au der Spitze der tapfer» österreichischen Armee der staunenden Mitwelt bei Aspern und Esking bewiesen, daß auch Napoleon besiegbar sei, wohl hatte der große Frankenkaiser 1812 kn seinem unglücklichen Feldzuge kn Rußland — allerdings noch mehr durch die Wnth entfesselter, unbezähmbarer Elemente, als durch die Tapferkeit seiner Feinde, — das größte Heer, das je ei» europäischer Alonarch zu Felde geführt, verloren; aber trotz alledem schien die Macht seines Genies und feine große Armee eine so furchtbare, daß ein Sieg über'ihn nur daun möglich erschien, wenn sich alle anderen europäischen Staaten gegen ihn vereinten. Die Verbündeten hatten riesige Trnppemnassen und ein ungeheures Kriegsmaterial ansgebracht. Der Geueralipuums der verbündeten Armee, der österreichische Generalfeldmarschall Fürst - Karl von Schwarzenberg, führte den Oberbefehl über 812600 Alaun, und zwar,' 262000 Oesterreicher, 249600 Missen, 277060 Preußen und 24060 Schweden, während Napoleons Aruiee 500000 Kombattanten zählte. — Seit Wettbestehcn waren sich noch nie solche Nkesenmassen feindlich gcgenübergeftanden. Die ganze Welt befand sich in fieberhafter Aufregung, der höchste Grad der Lrpannnng aber herrschte in Böhmen. Dieses Land war bisher kn den Napoleonischen Kriegen nahezu gänzlich von feindlicher Invasion verschont geblieben, nur die äußerste Grenze war von einzelnen Trnppcnkolonuen gestreift worden; allein diesmal schic» es der» Laien, als wenn das Kriegstheater in diese Provinz verlegt, als wem: Böhmen von allen Schrecknissen des Krieges heimgesncht werden sollte. Die österreichische Armee unter dem unmittelbaren Befehle des Fekdmarschalls Fürsten Schwarzenberg hatte sich 130000 Mann stark zwischen der Elbe, Moldau nnd Eger znsammengezogeu und die Ossisiere der durch Böhmen an die Grenze marschirendeu Truppen hatten kein Geheimnis daraus gemacht, daß eine Verstärkung von 100000 Alarm 3hiföt und Preußen aus dem benachbarten Schlesien zn ihnen stoßen würde, und in der That war schon am 19. August eine Streitmasse von 237700 Mann, und zwar 172600 Mann Infanterie, 43500 Kavallerie, 7200 Kosaken, 14900 Artilleristen und 698 Geschütze vereinigt. Der Durchzug der Truppen, die verpflegt und bequartirt werter Maßten, hatte dem Amtmann