Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1495 ritiig dm Israeliten gegenüber, sind im allgemeinen wohlwollend, nnd in den meisten Städten sind die Beziehungen zwischen den Inden und Türken sehr befriedigende. Nichts destowcniger herrschen unter den weniger Gebildeten noch immer einige alte Vorurthcile gegen die Juden, welche mit der Zeit schwinden werden. Eins der zähesten ist dasjenige, des Bluts, welches noch letzthin zu ernstlichen Unruhen Anlaß gegeben. Diese Vorgänge sind um so bcdanernswcrthcr als die muhamcdanische Bevölkerung sich an dem Einen derselben bctheiligt, obgleich das Vornrthcil nicht mnhamedanischcn Ursprungs, sondem eher unter dem nicht muselmännischen Thcil der Bevölkerung verbreitet ist. (Die Israeliten Bulgariens). Das Verhältnis; der Israeliten Bulgariens zu ihren andersgläubigen Landsleuten ist im allgemeinen ein befriedigendes. Die Negierung, von Gerechtigkeit und Wohlwollen beseelt, gewährt Freiheit des Kultus und Gleichheit Aller vor dem Gesetz. Der unwissende Thcil der Bevölkerung gicbt »och mitunter den veralteten Vorurtheilcn nach, aber es wird bald die Zeit kommen, wo sie sich nicht mehr wie kürzlich noch in Sofia hinrcißcn lagen wird zu unbegründeten Anschuldigungen gegen die Israeliten und zu bedauerlichen! Verfahren gegen dieselben. (Die Israeliten Serbiens.) Entgegengesetzt den Vorgängen in Rumänien beobachtet die serbische Negierung getreulich jenen Artikel des Berliner Vertrages, welcher erklärte, daß die serbischen Israeliten alle Rechte der Serben genießen müssen; sie behandelt ihre israelitischen Unterthanen in gerechter Weise. Seit 1.881 sind Israeliten Abgeordnete in der Skuptchina, andere sind zu adniinistrativen oder gerichtlichen Posten berufen worden. Kürzlich erst hat ein Circular des Justizministcrs den Behörden in Erinnerung gebracht, daß die serbischen Inden dieselben civilen und' politischen Rechte genießen wie ihre andersgläirbigen Landsleute. (Die Israeliten Rußlands.) Die wünschenswerthe Aendernng, welche sich Dank der Wachsamkeit und Energie der Negierung vollzogen hat, dauerte - fort im letzten halben Jahre. Es wurden jene Gewaltthatcn, jene Abschlachtungen, welche seiner Zeit die Empörung der civilicirtcn Welt hervorriefen, nicht mehr gestattet. Dennoch haben die russischen Inden keine vollständige Ruhe genossen; neue Ruhestörungen, ganz localer Natur zwar, haben im Juni in Konnovieo, bei Nischni Novgorod stattgefunden. (Schluß folgt). Paris. Die Budget-Eomission hat den bisherigen Beitrag des Staates 311111 isr. Enltus um 94,000 Fr., das ist fast NM die Hälfte reducirt. Unter andcrm wurde auchder bisherige Subvention für das Rabbiner-Seminar im Betrage von 32000 Fr. gestrichen. A m e r i k a. 1 . - Philadelphia, 29. October. In den meisten Svnagogcn Amerikas wurde die Montcsiore-Fcier festlich begangen. Hier hatten sich in der Synagoge der Gemeinde „Rodef Schal» m" circa 3000 Menschen dazu eingefunden. Zugleich wurde der Beschluß gefaßt, ein Kapital von 5000 Dollar dem jüdischen Hospital zu überweisen. Diese Stiftung wird besonders verwaltet werden und den Namen „Moses Montefiore Ccntennial fand“ führen. Nt 0seS Blank. Afrika. Trinis. Eine unerhörte Grausamkeit ist ton einem einheimischen Gerichte an zwei Israeliten begangen worden, und dies trotzdem, daß der französische Einfluß in Tunesien jetzt allgewaltig ist. In Beja wurden zwei Juden unter der Anklage des Diebstahles auf das schrecklichste bastionirt. Dieselbenwurden von den Spahis des Kalifa vor die Stadt geführt, und dort, um ein Geständnis; zu erlangen, mit Stockschlägcn tractirt; bei dem Einen hatte'dies den erwünschten Erfolg; dem Andern wurden nicht weniger als 200 Stockschläge applicirt nnd trotzdem gestand er nichts; man mußte endlich mit dem unmenschlichen Verfahrt» aushörcn, weil der Tod sonst zu befürchten war. Nichtsdestoweniger wurde der Unglückliche des andern Tages ins Gefängniß geworfen'. Diese traurige Affaire hat bei der europäischen Bevölkerung dieser Stadt eine solche Bewegung hcrvorgerufcn, daß sie an den französischen Staatsprocurator in Tunis eine Eollcctivanklage richtete. Wir leben der Hoffnung, das; die französischen Gerichte diesem barbarischen tunesischen Richter die gerechte Strafe verschaffen nnd vom Bey von Tunis Maßregeln verlangen werden,' die für die Zukunft solche Ausschreitungen unmöglich machen.-