Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 91 (17.11.1884)
- Date
- 1884-11-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1494 Artikel, durch den eine Verletzung des Berliner Vertrags constatkrt wird, lautet folgendermaßen: „Die Rumänen haben es verstanden, durch ihre einheimische Gesetzgebung eine der Bestimmungen des Berliner Congresses gänzlich zu umgehen. Der Kongreß bestand darauf, das; das Gesetz, welches den Juden den Ländererwerb in Rumänien verbot, aufgehoben werde. Die Rumänen fugten sich dem Entschlüsse, indem sie mt» dem betreffenden Gesetze das Wort „Nichtchristen" eliminirteu und es durch die Worte „Ausländer und Nichtnaturalisirte" ersetzten. Dadurch haben sie den Ostracismns, der ursprünglich nur gegen Juden angewendet wurde, auf alle Ausländer ausgedehnt. In Folge dieser kühnen Maßregel wurde eine große Zahl von Erblassenschaften als vacant erklärt und von Jenen in Anspruch genommen, welche das famose Gesetz erlassen haben. So geschah es auch mit dem Vermögen einer jungen Rumänin, Felieeana, die einen Oesterreicher geheirathet hatte. Sic starb und hinterließ fünf Kinder, welche in Rumänien als nicht erbberechtigt erklärt wurden. Der Gemahl dieser Dame ist Baron Hye, der Sohn des Geheimrathes und gewesenen Ministers Baron Hye. Das seinen Kindern verweigerte Gut war ihnen ans dem Erbe ihrer mütterlichen Großmutter zugefallen. Die rumänische Kammer hat ein Gesetz angenommen, daß derlei Güter dem Staate zufallen sollen. Dem König wurde die Auswahl unter zwölf solchen von dem Staate nsnrpirten Gütern gelassen von zusammen 120000 Hektaren, von denen 67000 Hectar Wald sind. (Die Namen dieser Güter werden sämmtlich anfgcführt. D. Red.) Wenn man erwägt, wieverhältnißmäßig klein das Königreich und wie kurze Zeit seit dem Bestände jenes unbilligen Gesetzes verstrichen, so erscheinen die obigen Daten wahrhaft stauncnerregend! Wann das Gesetz noch länger fortdauert, kann halb Rumänien in den Besitz schamloser Beutejäger übergehen. Europa hat jetzt freilich niit anderen Dingen zu thun, als daß es sich damit beschäftigen könnte, von Rumänien Aufklärung über diese Maßregel zu verlangen." Frankreich, Paris. Dem Berichte der „Alt. Jsr. Nniv." 1. Semester 1684 entnehmen wir: Die Anglo-Jewisli-Association hat ihre herzlichen Beziehungen zur Alliance aufrecht erhalten, dem gemeinsamen Werke Beihttlfe geleistet und eine große Anzahl Stiftungen der Alliance subventionirt. Diese Gesellschaft und die Allianze zu Wien haben dazu beigetragen, die Anstrengungen, welche zur Hebung der Israeliten im Orient und in AftikaUgemacht worden sind, zu fördern. ' Das Consistoire central des IsraGKtes de France subventionirt wie bisher die Schnle zn Tanger. Das tu London, unter dem Vorsitz des Herrn Samuel Montagu, gegründete Spceial-Comite, zn Gunsten der Schulen Jernsalems, fährt fort der Handwerkerschnle dieser Stadt seine bedeutende Subvention beizusteuern. Das Comite des Mansion-Honse zu London hat in diesem Semester nene Beweise seines Interesses für die russischen Auswandrer geliefert; es hat bedeutende Hilfsmittel votirt zu Gunsten verschiedener russischer in Amerika gegründeter Kolonien, und hat eine Subvention bewilligt für eine Anzahl Kinder russischer Emigrirter in Jerusalem, damit dieselben als Lehrlinge ht die Schule dieser Stadt untcrgebracht werden. Herr S. H. Goldschmidt, Präsident des Central- Eomites, hat der Alliance mehrere bedeutende Subventionen bewilligt, zum Ankäufe, zur Reparatur und zum Bau von Schullocalen. Herr Baron v. Hirsch fährt fort, der Alliance seine schätzbare Hilfe zum Lehrlingswerk, welches er fo mächtig unterstützt, und zum Ankauf und Bau von Schullocalen angedeihen zn lassen. Herr E. I. Beneziani verfolgt mit stetem Eifer die finanzielle Verwaltung der Schulen und Schullocale, des Lehrlingswerks und der Mädchenwerkstätten. - (Die Israeliten der Türkei.) Man weiß, daß die Negierung Sr. Majestät des Snltans die Israeliten der Türkei mit Gerechtigkeit und Wohlwollen behandelt, und für sie keine Ausnahmegesetze schafft: daß sie im Gegentheil bei mancher Gelegenheit ihnen ihre Sympathie bewiesen. Man wird sich noch erinnern, daß zur Zeit der Feuerbrunst im Dez. 1883 in Haskeui, (Constantinopel) welche mehrere Tausende von Israeliten an den Bettelstab brachte, sich zur Hülfe der betroffenen eine Commission gebildet hatte unter dem Vorsitz Sr. Majestät des Sultans. Während in den letzten Jahren die Inden anderer Länder furchtbare Verfolgungen erdulden mußten, hat S. Majestät der Sultan öffentlich seinen Abscheu kundgegeben über diese beklagenswerthen Vorkommnisse. Die Israeliten haben Zutritt zu den öffentlichen Aemtern, einige unter ihnen nehmen daselbst ehrenvolle Stellungen ein, und die Regierung ist bereit, eine größere Anzahl derselben aufzunehmen, sobald sie die erforderlichen Kenntnisse besitzen. Die Disposition der muhamedanischen Bevölke-