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Der Israelit · 1884-11-13 · Heft 90 (13.11.1884) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 90 (13.11.1884)
Date
1884-11-13
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1484 da sie nun einmal jüdische Kinder sind und, wie Ihr doch selbst so oft betont, Inden bleiben sollen, an die Beobachtung jüdischer Feste und Cexemonien, die wohl auch mehr Bedeutung haben, als Ihr, doch meistens nur aus Nnkenntniß, eingesteht. Laßt sie nicht überall voran sein, es wird nicht verlangt und nicht einmal gerne gesehen. Wozu sich heute den Thatsachen und der Wahrheit verschließen!? In früheren Jahren, da mußten wir uns fast scheuen, so etwas zu sagen, weil man der gehässigsten und beleidigendsten Ausdrücke gewärtig sein mußte; da waren wir Finsterlinge, Fanatiker, Bildungsfeinde; heute sind es ja nicht wir in erster Linie, die Euch einen Vorwurf daraus machen. Wir haben aus Liebe Euch gewarnt, Euch die Folgen voraus gesagt, wir haben befürchtet, waren besorgt und betrübt; wir waren nicht Feinde, auch wenn Ihr uns gerne als solche hinstellen wolltet; wir halten ja an dem bekannten Satze fest nrn nr *?:>. „Einer ist Bürge für den Andern" weil ja auch mit. dem Einen, wie heute wohl Jedem ersichtlich, die Gesammtheit leidet. Wir haben darum auch das Recht und die Pflicht, Jeden von uns zu warnen und zu belehren, auch wenn er uns dieses Recht nicht zugesteht. Es ist wohl an der Zeit, daß wir unsere Kinder heute nicht so absichtlich unserer Religion entfremden. Denn inneren und äußeren Gefahren können wir sicherlich am besten begegnen, wenn wir ein ruhiges Gewissen besitzen und wenn zu unserem gerechten Selbstvertrauen sich das Goitvertranen gesellt. Schließlich gehen wir mit uns ernstlich zu Rathe, wie wir das verantworten können, unsern Kindern, den Nachkommen unseres glaubensstarken, opferfreudigen Stammvaters Abraham, den Gottesbegriff vorzuenthalten, jenen hohen, reinen Gottesbegriff, der sich Jahrtausende hindurch bewährt und erhalten und in unserem Volke stets die festen Vertreter gefunden hat bis auf uns herab, aber nur durch die mit diesem Gottesbegriff eng verbundene Gotteslehre. Wie können wir es verantworten, die erste Pflicht unserer Erziehnngsaufgabe ganz und gar zu vernachlässigen, ja mit Absicht dagegen zu arbeiten, damit nur unsere Kinder nicht als Juden erkannt werden! Wir meinen, auch diese so übel angebrachte Pflichtverletzung hat sich schlimm genug gerächt. Darum mögen alle Eltern sich klar bewußt werden daß sie nicht blos Ernährer, sondern in erster Linie die wahren Erzieher ihrer- Kinder sein sollen und bei der Sorge für ihre künftige Existenz, nicht vergessen vor Allem darauf zu achten, daß sie dieselben zu sittlich guten und edlen Menschen heranznbilden haben dadurch, daß sie sie in Gottesfurcht erziehen. Nnd wie in aller Erziehung, wenn sie Werth haben soll, mit der Theorie die Praxis Hand in Hand gehen muß, so muffen auch hierbei wirkliche Inden, wirkliche GLttesbekenner herangebkldet werden und nicht nur Theoretiker, denn sonst ist, nach dem bekannten Grundsatz, daß alle Theorie grau ist, die Mische Erziehung, wie sie es bisher leider war, farblos und das ist kein erquickender Anblick; darin fehlt das Leben. Geben wir also ebenso, wie wir unseren Kindern die möglichst zuträglichste, kräftigste und gesmldeste körperliche Nahrung zukommen lassen, ihnen mich als Erziehung die beste und gesundeste geistige Kost, so daß Körper und Geist sich gegenseitig stützen und tragen, sich gegenseitig gesund erhalten. Wir werden dann sicherlich eine um vieles bessere Jugend erziehen, als es die bisherige Erziehungsmethode vermochte. Die Mkillöeschttkdigung und IudenmeHekei in N i s h n i - N n w g o r o d. (Fortsetzung.) Die Nacht des 7./8. Juni wird lange, sehr lauge im Gedächtniß der hiesigen jüdischen Gemeinde bleiben. Alan muß an Ort und Stelle gewesen sein, um das Entsetzliche zu begreifen, man muß die verstümmelten Leichen gesehen haben, um eine Vorstellung von der Qual zu bekommen, die die Opfer überstanden. Wenn bei der Metzelei verhältuißmäßig wenig Israeliten umgekommen sind, so ist dieses ausschließlich der seltenen Energie, den vernünftigen Verordnungen unseres Gouverneurs, d. Gener.-Maj. Baranois zuznschrciben. Unsere Leser werden sich wohl dieses Seehelden des letzten russischtürkischen Krieges erinnern, der mit dem klemm Kaperschiffe „Vesta" den Kampf mit einem der größten türkischen Panzerschiffe wagte und aus diesem als Sieger hervorgkng. Die Vorstadt Canavino ist von der eigentlichen Stadt, in der einige Hundert jüdische Familien wohnen, durch einen der größten Ströme.Rußlands, die Oka getrennt; die Communication. wird von Dampfern unterhalten. Als der Herr Gouverneur an Ort und Stelle eintraf und sich überzeugte, daß der Pöües nach Ermordung fast sämmtlicher in der Vorstadt ansässiger Israeliten Anstalt machte, sich ans die Stadt zu stürzen, so traf er sofort Verordnung, die Verbindung mit derselben abzubrechen und harrte mehrere

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