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Der Israelit · 1884-11-13 · Heft 90 (13.11.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 90 (13.11.1884)
Date
1884-11-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1485 Stunden lang, mitten im ärgsten Gemetzel mit der größten Aufopferung und mit Lebensgefahr, den Pöbel zur Ruhe ermahnend, aus, bis Truppen aus dem entfernten Lager eiatrafen, die Ordnung wieder hergestellt und Verhaftungen vorgcnomme» werden konnten. Gleichzeitig wurden Maßregel» getroffen, um eine Ausdehnung dieser entsetzlichen, durch falsche Gerüchte geschürten Bewegung auf andere Ortschaften zu verhindern. Bei der gerichtlichen Verhandlung hat sich die Gediegenheit des Charakters des Herrn Baranoff im schönsten Licht gezeigt. Wenn Rußland viele solcher Männer besäße, so würden sich die Zeiten unserer vaterländischen Geschichte in den letzten 3 Jahren nicht mit solchen abscheulichen Schandflecken bedeckt haben. Wäre es dem Pöbel gelungen, die Oka zu passiren, so hätten wir jetzt den Märtyrertod Hunderter zu beklagen. Die Ueberweisung der Verbrecher an das Kriegsgericht erfolgte ebenfalls auf Verordnung des Hrn. Gouverneurs, der deutlicher als irgend ein russischer Staatsmann die Gefahr solcher Bewegungen erkannt und kein Anstand nahm , höherrnorts darauf hinzuweisen, daß die Folge der geringsten Nachsicht die sein wird, daß Leben und Eigenthum der Mchrbesitzenden überhaupt in der nächsten Zukunft nur im Bajonett Sicherheit finden würden. In gleichem Maße aufopfernd war das Benehmen unseres Polizeimeistcrs des v. St. Karger, eines Mannes von höchst biederem Character, der ungeachtet der Attentate auf seine Person erst nach Wiederherstellung der Ruhe die Stätte des Verbrechens verließ und daher bei den gerichtlichen Verhandlungen die genauesten Aussagen machen konnte. Durch ärztliche Vesichtrgnng und Secirung der Ermordeten wurde festgestellt: 1) Baruch Bloch: Neun Nippen gebrochen, (4 an der rechten und 5 an der linken Seite), 9 Wunden am Kopfe und Gesicht, das Gehirn mit Blut überfüllt, Beulen am Gesicht und am ganze» Körper. 2) Die Frau Bloch: Die rechte Schläfe zcrsplitteü, der Hirnschädcl au mehrere» Orten zertrümmert, das Gehirn von Knochensplittern und Blut überfüllt, die Kopfhaut und das linke Ohr verwundet, eine Wunde , an der linken Seite des Scheitels. 3) David Bloch: Die Kopfhaut an der linken Seite zerrissen, die linke Seite der Stirn und des Scheitels, sowie die Nase zertrümmert, das Gehirn zerquetscht, das Gesicht mit Beulen übersäet. 4) Jsaäc Bloch: Die Nasenwurzel ziwspkittert, die Kopfhaut zerrissen, der Hiruschädel rmgeschlageu, der Kopf mit Beulen übersäet. 5) Gerschenowitsch: Der Schädel anfgeschwollen, das Gehirn mit Blut überfüllt. tt) Goldcr: Der Schädel zertrümmert, das Gehirn ausgeronnen, mehrere Rippen zerbrochen. 7) Arkin: An der Leiche wurde gänzlich der Schädel vermißt, das Gehirn (muthmaßlich das seinige) wurde auf einem Straßenpfoften vorgefunden. 8) Deizelmann: Starke Erschütterung des Gehirns, das Gesicht augeschwolten, 2 Rippen zerschmettert. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten uub Correspondenzen. Deutsch l a n d. Nürnberg. Es gehört ein wenig Gedächtniß dazu, sich daran zu erinnern, den eben genannten Ort, — obschon gegen 800 jüdische Familien dort leben — in diesen geschätzten Blättern bei nennensv weither Gelegenheit gefunden zu haben. Allerdings v war erst unlängst des humane» Rektors uud des modernen Rabbi's Erwähnung gethan, allein wir sind an beide Arten der Handlungsweise so gewöhnt, daß man hier gar nicht glauben kann, daß jene Notiz Nürnberger Waare sein soll. Wir hiesigen Israeliten könnten öfter Aehuliches berichten. So hat z. B. die Jnspcction eines hiesigen Mädcheninstitnts angeordnet, das; denjenigen Schülerinnen, die Samstags nicht schreiben und. in Folge dessen besondern Schrcibnnterncht erhalten müssen, zu diesem Behufe ein Separatzimmer angewiesen wurde. Als Gegenstück dürfte ein jüdischer Simnltanschullehrer dienen, der einem Vater, der seinen Knaben nicht schreiben läßt, offen zugcstand, daß es ihm fast lieber wäre, wenn der Junge schriebe! Doch wie gesagt, es hieße Hopfen nach Nürnberg tragen, wollte man solcher Vorkomumige halber eine Feder eintauchen. Hinweg mit solchen Bildern, denn heute soll uns ein anderes, glorreicheres beschäftigen. — Nachdem am Tage der Gesetzesfrcnde in dem Haupt- , tempel — es war bekanntlich ein Sonntag — die Montefiorefeier schon begangen, geschah dies ' am Vorabende des 8. Marchrfchtvan auch im Betsaale der Adas Jsroel nach dem Programme, welches Herr Oberr. Dr. Adler ausgegcben und für dessen freundliche Zusendung in 10 Exemplaren Ihres w. Blattes Ihnen hiermit bester Dank gesagt sei.-' In Ermanglung eines Rabbiners mußte sich! die zahlreich anwesende Gemeinde mit dem -yjtün-1 digen Vorträge des Vorbeters begnügen, welchem 1

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