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Der Israelit · 1884-11-13 · Heft 90 (13.11.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 90 (13.11.1884)
Date
1884-11-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1479 Geiste; weder Kälte noch-Hitze, weder Freude noch; Schmerz, tonnten ihn stören in dem Forschen nach! den Wahrheiten unserer «heil. Thora. Unbegrenzt war seine Hochachtung stur Talmide Chachomim, untröstlich sein Gemüth, wenn er Jm Laufe der Zeit gar manchen Fels in Israel von der- Erde! verschwinden sah: Ein Thoragelehrter war für den Dahingegangenen der kostbarste Diamant. Nur diejenigen, welche daS Glück hatten, ihm nahe zu stehen, wie Schreiber dieses, sind im Staude, sich einen schwachen Begriff zu machen, von der Bcscligung, die sich seines frommen Gemüthes bei der Erfüllung einer müE bemächtigte; es war nicht mehr irdisch, es war eine höhere Lust, welches sein ganzes Sein dnrchströmte, so er eine mLQ ausübtc. Auf seiner edlen Stirn konnte man da deutlich die 'nrw lesen. Seine große Opferfähkgkeit im Dienste des Schöpfers bcthätigte er durch häufiges Fasten. Keinen Fasttag versäumte er bis zu seinem Tode^ und selbst im strengsten Winter stand er früh auf, um trotz den Unbilden der rauhen Jahreszeit mit zu beten. Seiner Gattin war er nur Liebe und Zuvorkommenheit, so daß auch sie, die ehrwürdige Matrone, kein anderes Glück je gekannt hatte, als an der Seite ihres theuren ManueS für ihn rmd durch ihn zu leben, die Erfüllung seiner Wünsche — darin allein gipfelte sich das Princip, nach welchem diese Vn ntr« viele Jahre im Bunde mit ihm gelebt hatte. Wie für seine Gattin, so war der Selige auch nur Liebe und Sanftmuth für seine Kinder, die er im Geiste des wahren Judenthums erzog.. Rabbi Easriel Jablousky besaß, wie schon bemerkt, ein Gottverttauen, das unerschütterlich war, eine Zuversicht auf die Hilfe Gottes, die kein Sturm wankend machen konnte. Sein pntD2 auf ns'pn war die ebenbürtige Zwillingsschwester seiner Selostverlängnung, seines. anspruchslosen Wesens und seiner eminenten Bescheidenheit. Verletzungen der jüdischen Gesetze bereiteten ihm . schweren Kummer; es erfüllte seine Seele mit Gram, wenn er . sah, wie die Füchse den Garten des Ewigen zertraten und im Weinberg des Herrn die Neben ausrissen. Der Verklärte hinterläßt eine hochbetagte ttauernde Wittwe und vier verheirathete Töchter. Möge der Allgüttge ihnen den. so nöthigen Trost inBczug auf den Verlust ihres edlen Gatten und.Vaters -senden; möge dessen Geist unter uns fortwirken, seine Be- . geisterung uns entflammen, seine nvrr »«§ beistehen und seiner Nachahmer viele -erwachen in' Israel. Möge von den-Höhen des Himmels-herab das Verdienst dieses wahren Tom pnst uns führenauf die Bahn des Lebens, damit bald nicht .mehr Klage ertöne in Israel und. auch verschwinde der, Tod. Und die Seele des vielgeliebten Morcnu Rabbi Easriel Jablousky-ruhe im Eden bis, zum.Tage des Wicdererwachens. - - . - V. Simon. Massow, im October. Herr Moses Lehrend und Frau hierselbst feierten am 16. October im Kreise ihrer' Kinder und Enkel ihre goldene Hochzeit. Tue im Hause stattgefundene Einweihung (?) des Jubelpaares vollzog unser Eultusbeamter Herr T. Schampaniß in vorzüglichster Weise, worauf die Glückwünsche hiesiger jüdischer Gemeindemitglieder folgten. Telegramme, Briefe n. s. w. von auswärtigen Verwandten, Freunden und Bekamlten nahmen den ganzen Tag hindurch kein Ende. Im Ucbrigen wurde das Haus bis zum späten Abend vou Gratulanten nicht leer, und mag dies als der beste Beweis gelten von der Einigkeit zwischen Juden und Christen hiesiger Stadt, sowie von der allgemeinen Achtung, welcher das Jubelpaar sich hier erfreut. .. . > ■ Herr B. und Frau befinden sich in rüstiger' Gesundheit, und so möge es dem Jubelpaare vergönnt sein, bei steter Rüstigkeit Ihre Diamanthochzeit zu feiern. Ocsterr.-Ungar. Monarchie. ... Wien.. Die von bekannten antisemitischen Adgeordneteu Ritter von Schönerer hcransgegcbeiie Zeitschrift „Unverfälschte Deutsche Worte" wurde neulich confiscirt, weil in einem Artikel die Behauptung allsgesprochen wurde, daß in Oesterreich die Czechen und Juden besser behandelt werden,. als die anderen Staatsbürger, worin der Staatsanwalt eine Störung der öffentlichen Ruhe erblickte. Auf die Appellation des Herrn Schönerer hat gestern .das Landgericht die Confiskation bestätigt, v .; , ' ■ Wien, 9. ' November. Die. antisemitischen Wortführer der Residenz haben von der Negierung die Mittheilung erhalten, daß man ihr agitatorisches Treiben als eine Gefahr ansche für den Kaiserstaat, der vor Allem des inneren Friedens, der Ausgleichung der nationalen und religiösen Gegensätze. bedarf;^ daß sowohl die häßliche Agitation selber als auch die von ihr in's Auge gefaßten Ziele. dem feierlichen Programme und den häufig genug , betonten Intentionen der Negierung: .eine Verständigung und Ausgleichung der bestehenden Gegensätze, ein friedliches Nebeneinanderleben der Ratio-

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