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Der Israelit · 1884-11-13 · Heft 90 (13.11.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 90 (13.11.1884)
Date
1884-11-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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selben Namen führend, beide Juden, haben am verflossenen Sabbat durch Erschießen ihrem Leben ein Ende gemacht. Der Eine, einer sehr wohlhabenden Familie entstammend, bis vor Kurzem Inhaber eines Vertrauenspostens in dem ersten' hiesigen Bank- Hause, schied ans demselben aus und verlobte sich vor ungefähr 8 Tagen mit einer reichen Erbin. Die. Motive, die den 36jährigen Mann dazu veranlaßten, Hand an sich zu legen, sind unbekannt. — Ebenso tragisch gestaltete sich der Tod des Andern. Derselbe, Mitinhaber eines weitberühmten Kaffeehauses, sollte seinen 33. Geburtstag feiern. Das Dienstpersonal, aus 16 Personen bestehend, versammelte sich, um dem Herrn seine Glückwünsche darzubringen und Blumenspenden zu überreichen. Doch dieser erschien nicht. Lange wartete man auf ihn vergebens. Endlich öffnete sich die Thüre, und hereinstürzte der Aufseher des israelitischen Friedhofs, die erschreckende Kunde bringend, daß der so sehnlich^ Erwartete soeben auf dem Grabe seines Vaters durch Erschießen feinem Leben ein Ende gemacht habe. Auch in diesem Falle sind die Motive unbekannt. — Unbekannt! Doch wohl nicht so ganz. Es ist der Mangel an Gottesfurcht und Gottvertrauen, der Mangel eines festen Halts im Leben, cs sind die Folgen einer religionslosen Erziehung, die in unserer Zeit leider nur häufig zu so traurigem Ende führen. Mögen diese betrübenden Vorkommnisse für Eltern und Erzieher eine Mahnung sein, daß sie fürder ihren Kindern und Zöglingen nicht die feste Stütze rauben, die unsere heilige' Religion unfern frommen Vätern selbst in den Tagen des größten Drangsals immer dargeboten. Tib' yzz* Dpv p-rc. „Der Fromme, selbst wenn er siebenmal fallt, richtet sich stets wieder empor an dem Vertrauen zu seinem Gotte." risch (Pr. Posen), 9. Nov. Wieder ist gefallen eine herrliche Ceder im Haine des Herrn, eine starke Stütze des Judenthnms, eine Koryphäe der Orthodoxie *?Knnr ttihg mminio ans Buck segnete das Zeitliche am 17. des Monats Marchesckwpn. Der Tod dieses wahrhaft Gerechten wird weit hinaus Schmerz und Trauer erwecken, denn der Verlebte, welcher das hohe Alter von fast "achtzig Jahren erreichte, hätte sich im Verlaufe seiner, langen Lebensbahn viele Freunde und. Verehrer erworben. Rabbi Easriel Jablonskh stammte aus einer alten, geachteten Familie, und sein gottesfürchtiger Vater führte ihn schon früh dem Studium der heil. Thora zu. Den ersten Grund zu seiner Gelehrsamkeit legte er in Zülz (Oberschlesien) , wo er die damals berühmte Jeschibah besucht^ Später schloß er Freundschaft mit dem weltberühmten Rabbi Elias Guttmached aus Grätz uich war ein langjähriges Mitglied'der rrw'np rran in Grätz. Er lebte in brüderlicher Gemeinschaft mit dem Grätzer Gelehrten und nahm regelmäßig Antheik an dem rrünn cro. Der Verblichene war noch ein Ueberrest von jenen wahrhaft frommen Männern, die noch rni rnny nun mit genauester Pünktlichkeit erfüllten. Nur der, welcher diesen pnit persönlich gekannt, ihm einmal in's klare, leuchtende Auge geschaut, mir der, welcher ihn zn beobachten Gelegenheit hatte, wie er n>?i cp fast ohne Unterbrechung dem Studium der Thora oblag, nur der weiß, daß hier ein wirklich seltener Mann zn Grabe gegangen ist, ein Mann, der nie in seinem Leben einen Menschen beleidigte, der ein *pvn irnirr Qi>lr» im wahren Sinne des Wortes war. Die härtesten Schicksalsschläge vermochte» nicht, fein Gottvertrauen zu erschüttern, denn als ihm vor zwei Jahren die Hoffnung seiner Zukunft, feint frommer und tugendhafter, einziger Sohn Menage durch den Typhus entrissen wurde, sprach er mit den Worten des gottergebenen Abraham: 'Ä?rHier bin ich, und Duldung und Ergebung waren die Zierden seines langdauernden und vielgeprüften Lebens. Dienstag, den 17. Marcheschwon schied nach kurzem.Krankenlager dieser gottesfürchtige Mann im glücklichen Greisenalter, satt an Jahren, und waren seine Töchter leider zu spät herbeigeeklt, da der edle Vater schon seinen Geist ansgehaucht. Bon der großen Liebe und Hochachtung, die er m weitesten Kreisen wegen seiner ungehenchelten Frömmigkeit, seines unbestechlichen Charakters genossen, gab sein Leichenbegängniß am darauffolgenden Mittwoch beredtes Zeugniß. Außer den zahlreich erschienenen Seinen ans Buk imb Grätz, Freunden und Glaubensgenossen bemerkte man die Spitzen der städtischen Beamten und Bürgerschaft, den Bürgermeister und eine große Zahl der Bevölkenmg km Gefolge. Ans aller Mienen sprach der tiefe Ernst und die größte Theilnahme an dem Verluste eines solchen Biedermannes. Es hielten der Ortsrabbkner Gutwirth und der frühere Rabbiner Borchardt, jetzt in Pose», ergreifende Grabreden, so daß zahlreiche Thräne» der Rührung und der Liebe aus das Grab des ehrwürdigen Greises stoffen?' piairi =■72n rrirnii'e. Auch die 'Grätzer N^ip rrnn, deren Mitglied er' war und bei der er Ich nach'dem Tode seines'geliebten -Sohnes!' ein V'ip erworben. Hatte eine Deputation von zwei Gelehrten gesandt. ' ' Von seiiter' 'zartesten Jugend kn an dem unerschöpflichen Quell der Heil.' Lehre" weilend -, schöpfte und schaffte er darin mit' nfmmer erschlaffendem

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