Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 90 (13.11.1884)
- Date
- 1884-11-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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seien. Herr Schere macht den deutschen Inden einen Borwurf aus dem prononcirt deutschfeindlichen Gebühren der Rothschilds in Paris während des Krieges 1870—1871! I! Die Rothschilds in Paris, geborene Franzosen, hätten Wohl während des Krieges ihr Vaterland verrathen und zu Deutschland halten sollen. „Allein viel wichtiger," schreibt HcrrScherr, „ist doch, das; der Volksinstinct, wie gär nicht zu bestreiten, überall — ob mit Recht öder Unrecht, gleichviel — in der Judenheit den Hauptträger des Kapitalismus erblickt, dessen gewissenloses Wirthschasten uns jetzt glücklich an den Rand des communistisch - anarchistischen Abgrundes geführt hat." — Es ist die alte Geschichte: ob mit Recht oder Unrecht gleichviel, der Jude wird verbrannt! Jedenfalls hätte Herr Singer besser daran gethan, dieses Schreiben ungedruckt zu lassen. Sehr schön ist dagegen, was Herr Francois Laurent in Gent schreibt; wir wollen einige Sätze daraus hier wiedergeben: „Ich liebe die Juden, und mein Wunsch geht dahin, daß sie sich im Sinne ihrer Ueberliefcrung entwickeln mögen. Es gibt keine Race, keine Religion, die eine solche Tradition besäße, wie diejenige der Propheten. „Ich will hier nicht von der sogenannten „Jndenfrage" sprechen. In Belgien cxistirt sie nicht. Ihre Schrift richtet sich an „Freund und Feind." In Belgien haben sie keine Feinde. In politischer Beziehung gibt es bei uns keinen Unterschied mehr zwischen Juden und Belgiern. Man weiß kaum, daß es Juden in Belgien gibt, wir habeil jüdische Senatoren und Abgeordnete, ohne daß Jemand sich daran stößt. Ebenso verhält es sich in der industriellen und Handelswelt. Ich für meine Person schäme mich der Exccsse, die sich noch im 19. Jahrhundert in Deutschland abspielen konnten." Den Glanzpunkt der ganzen Sammlung bildet der Brief des ehemaligen französischen Ministers und berühmten Gelehrten B arthel em y Saint- Hilaire. . Derselbe lautet in deutscher Ueberttagnng: m :j;;r Geehrter Herr! ... .*;r . Ich zögere nicht. -5nen zu erwiedern- Nein, v, uden Christen wer-. ' bertritt für ein. nnergut zw:, machendes Uutrgchten.' - .Es gibt/'Mn ■vm so sehr in jbtc, Augen zäher. Ausdauer und un- ^treue abgegeben hätte, als niemals solle den. Ich wür> meßliches und k' glück für die M Volk in der Well, springendes Beispiel erschütterlicher Glaul das jüdische Volk; es gibt keine Nation,, die einen so mächtigen, religiösen Einfluß auf die Menschheit ausgeübt hätte wie Israel. Ihre Bibel mit der Genesis imd den Psalmen ist bei Weitem daS größte Buch unter den heiligen Büchern der Nationen, und sie ist cs, die das jüdische Volk zum „Volke Gottes" macht. Derjenige Tag, an welchem die Inden Christen würden, wäre ein unglückseliger Tag; und die Lücke, welche durch diese Abschwörung des jüdischen Glaubens seitens der Juden entstehen würde, könnte niemals äusgefültt werden. Die Juden müssen eben unter Beibehaltung ihres Glaubens, der mehr als drei Jahrtausende alt ist und in dem selbst dieser lange Zeitraum keine wesentliche Veränderung Hervorrufen konnte, für alle Zeiten das bleibeil, was sie jetzt sind. Sie sind ein unvergleichliches Muster, das der menschliche Geist mlffeit würde; und dieses Verschwinden des jüdischen Glaubens wäre gerade heute um so trauriger, als die Gottesidee zu mindestens vorübergehend, in sehr vielen Geistern, die sich für aufgeklärt und gelehrt dünken, bis zum Verschwinden abgeschwächt ist. Das lnenschlichc Gewissen bedarf des ewig lebendigen Protestes Israels und der nnerschütttcrlichcn Stütze, die cs dort, gegen seine eigenen Schwächen und gegen die Zlvcifel findet, welche das Ehristenthum bedrohen. „Ich glaube im Ralnen der Philosophie diese meine Anschauung Ihnen gegenüber zum Ausdrucke bringen zu dürfen — eine Anschauung übrigens, die keineswegs hcii ist und die ich schon lnehr als einmal öffentlich ausgesprochen habe. „Was die gegenwärtigen Verfolgungen betrifft, so mögen sie die Inden mit deinselben Muthe ertragen, mit denl sie schon so viele , nicht minder grausame ertragen haben. Diese schändlichell Barbareien werden vergehen und es wird ei» Tag kommen, an welchem die Israeliten überall das sein werden, was sie tit Frankreich bereits jetzt sind, Bürger wie alle Andere, und wo sie mit ihren Mitbürgern leben werden, wie die Katholiken und Protestanten unter einander leben, unter gemeinsamen Gesetzen, die sie trotz der religiösen, Differenzen in gleicher Weise schützen werden." - , (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondcnzen. Frankfurt a. M, 10. Nov. Zwei junge, hochangesehene Leute aus hiesiger Stadt, beide den-