Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 89 (10.11.1884)
- Date
- 1884-11-10
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1469 die Augen zu öffnen, wollen wir den Krebsschaden der Erziehung bloslegcn, auch wenn Viele ihn nicht dafür erkennen wollen. Es ist, wie schon angedentet, die einseitige Erziehung, die nur das einstige materielle Wohl des Kindes in's Auge faßt, die nur irgend einen Lebensbernf sich als Ziel stellt, nicht aber auch einen Menschenberuf anerkennt, die nur insoweit erzieherisch das Kind beeinflußt, pls cs unbedingt zur Ernährung erforderlich und nützlich ist. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzen. D e u t s ch l a n d. Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemcindebund, Abtheil.: Aufmunterung zur Ausbildung für Handwerk, Landwirthschaft und technische Gewerbe, sendet uns folgendes Rundschreiben zur Veröffentlichung: Auf ein in diesem Jahre umhergeschicktes Circular, in welchem die Bitte ausgesprochen war, uns „solche Handwerksmeister namhaft zu machen, welche den religiösen Gefühlen der Lehrlinge keinen Zwang anthun, ihnen also gestatten wollen, an Sabbaten und Festtagen zu feiern uud auch den andern religiösen Vorschriften nachzukommen," sind uns aus den verschiedensten Gegenden des Vaterlandes 193, darunter auch etwa 50 uichtjüdische, Meister namhaft gemacht worden, welche sich angebotcn haben, unter Berücksichtigung des oben ausgesprochenen Wunsches jüdische Knaben in Lehre zu nehmen. Die Liste der Anerbietungen verzeichnet folgende Gewerbtreibcnde: Bäcker, Buchbinder, Bürstenbinder, Cigarrenmacher, Drechsler, Färber, Fleischer, Gerber, Glaser, Gold- und Silberarbeiter, Graveure, Handschuhmacher, Klempner, Kürschner, Landwirthe, Lederarbeiter, Maler und Anstreicher, Maschinenbauer, Mechaniker, Müller, Sattler, Schlosser, Schmiede, Schneider, Schuhmacher, Seifensieder, Seiler, Tapezierer, Tischler, Uhrmacher, Vergolder, Weber, Weinbauer u. a. m. Nach den Provinzen verthcilen sich die Anerbietungen folgendermaßen: Rheinprovinz 62, Prov. Hessen-Nassau 27, Prov. Hannover 25, Prov. Posen 20, Prov. Pommern 7, Prov. Schlesien, Prov. Sachsen und Großherzogth. Hessen je 6, Königreich Württeniberg, Westpreußen und Großherzogthum Sachsen je 5, Bayern, Brandenburg (mit Berlin) und Meiningen je 4, Elsaß und Schleswig-Holstein je 2, Mecklenburg, Oldenburg und Westfalen je eine. Der Ausschuß des D. I. G. B. bittet, ihn in seinen Bestrebungen, die Jugend zur Ausbildung für Handwerk^ Landwirthschaft und techn. Gewerbe hinzuführen^ mich fernerhin srcündlichst zu unterstützen und . nunmehr „aus verschiedenen Kreisen ihm Knaben zss nennen, welche Lust, haben und geeignet scheinen, ein Handwerk u. s. w. zu erlernen." Der Ausschuß wird nach wie vor bestrebt sein, für die Unterbringung solcher Knaben seine Vermittlung zn ge- . währen, nach Maaßgabe der Mittel arme Kinderzu unterstützen und diese sowie auch solche, die der Gelduuterstützuug nicht gerade bedürfen, sowohl während der Lehrliugszeit, als auch späterhin unter seinen Schutz zu nehmen. Zuschriften sind an das Büreau des D. I. G. B., Berlin W., Sigismundstraße 5 zu richten. Paderborn, 7. Nov. Die Correspondeuz vom Niederrhekn, welche die Gründung eines neuen Waisenhauses in Aussicht stellt und zu diesem Zwecke um Gönner wirbt, legt uns an's Herz, an das israelitische Waisenhaus für Westfalen und Rheinland in Paderborn zu erinnern. Weit über die der Anstalt zu Gebote stehenden Mittel, war dieselbe stets bemüht, die Waisen Rheinlands und Westfalens aufzuuehmen, je nachdem die Anmeldungen erfolgten. Dafür spricht die große Zahl der jetzt in der Anstalt weilenden Waisen, im Ganzen sieben n n d f ü nfzi g, von denen si eb e n u nd z w a Uzi g aus Rheinland sind. Wir erachten es daher als eine Pflicht, die Freunde derselben zu bitten, dieStif-; tung, die eine rühmliche Vergangenheit hat und mit Gott einer ebenso glücklichen Entwickelung entgegen geht, vor jeder Schädigung zu schützen. Das Andenken an die verklärte Stifterin dieses Hauses, die mit Aufbietung alter ihrer Kräfte und de^Hingabe eines edlen Frauenherzens, ihren ganzen Lohn in der festen Begründung dieser Stiftung sah, sollte . uns auch, so kurze Zeit nach ihrem Tode ermahnen, , ihr Werk immer mehr zu befestigen.' Es genügen verhältnißmäßig geringen Summen, und die Anstalt erweitert sich durch einen Neubau derart, daß sie. allen Anforderungen der Gemeinden Westfalens und ' Rheinland gerecht werden kann. Wir können hier - nicht mit Bestimmtheit angeben, wie viel Waisen sich zur Zeit in Westfalen und Rheinland befinden, - können aber der Behauptung gegenüber, daß achtzig hülfsbedürftige unversorgte rheinische Waisen... vorhanden, die Bemerkung nicht unterdrücken, daß.', diese oder deren Vertreter gewiß durch den Ruf bet>, Anstalt bestimmt worden wären, sich in ihrer Noth^ an dieselbe zu wenden. Wir wissen nur, daß. blc' Anstalt im Vertrauen auf die Hilfe GotteS .und . unserer Glaubensgenossen viele Aufnahmen vorge-