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Der Israelit · 1884-11-06 · Heft 88 (6.11.1884) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 88 (6.11.1884)
Date
1884-11-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1US rnbricirtc; denn Jeder suhlte die Schwere-des Verlustes, den die ganze Gegend erlitten. Hatte der Seligentschlafene auch beinahe das so. Lebensjahr vollendet, so waren die Vater nnd Mutter gerade dadurch, das; er über 50 Jahre laug deren Kinder Dni2N 7*c* rvm ausnahm nnd weit über 1 ooo Kinder ZN beschneiden die irr? hatte, so sehr an ihren lieben, jovialen Schott 'rry gewöhnt, das; man an sein hohes Alter vergas; und ihn immer nnd immer wieder znm >,-r-.v sich erbat. Zu seiner hohen Ehre sei gesagt, das;, trotzdem der Zahn der Zeit auch an seiner sonst so kräftigen Körperconstitution genagt, so, das; jeder Andere vielleicht gar keine Mohelschaften mehr angenommen, so war er doch gewissermaßen beleidigt, wenn mau ihn schonen, wenn man dem ehrwürdigen;pt die Beschwerden einer Reise ersparen wollte und nach einem andern >mc sich nmsah. — Er diente den weitesten Kreisen in größter Uneigennützigkcit unter theilweiser Aufopferung seines Geschäftes, er nahm nie irgend eine Belohnung an, auch in der Zeit nichts wo seine K inder noch klein nnd unerzogen waren. Gott, der Bergelter alles Guter;, ersetzte ihm im Geschästslebcn wieder, was er der nV2E zum Opfer brachte. Seine beiden Söhne widmete er dem Studium der Medizin, nnd erlebte die hohe Freude, dieselben als anerkannt wissenschaftlich gebildete Männer, als sehr werthgeschätzte Aerzte in Frankfurt a. M. und Hamburg vielbeschäftigt nnd hochgeachtet zu sehen. Sic standen tiefgebeugt an der Gruft ihres inniggeliebten Vaters und wir dürfen auf dieses schöne Verhältnis; die Worte unserer Weisen anwcndcn: crp28 cni”r o'i2> mar,, cma ->28 cncr irc»> -nan „Es ist eine Ehre für die.Kinder, einen solchen Vater zu besitzen, wie es auch eine Ehre für den Vater ist, solche Söhne zu haben." * Die kleine Gemeinde Bnrgaräfenrode verliert in ihm ihren geistigen Leiter, auf dessen Wort dieselbe aber auch wie auf ein Orakel hörte: sie verliert ihren Y'v und 8~np. Am verflossenen TiDr dv absolvirte er noch mit Leichtigkeit die N1>ON — nTyj >r und Versal) auch am rvco noch den Gesammtgottesdienst in althergebrachter Weise, aridächlig nrrd die Seinen zur Andacht wachrnfend. Darum durfte auch mit dem Prediger am Grabe die Gemeinde Burggräfenrodc in Wahrheit rufen: — i32'8i mcy n>c: , i:n>ncv — Zn seinem Leichenbegängnisse waren " drnin' ans Frankfurt, Gießen, Friedberg nnd alten Umliegenden Landgemeinden herbeigecilt, um,.ihrem alten, ehrwürdigen Freunde die letzte Ehre zu erweisen, auch die christlichen Bewohner des Ortes folgten in großer Zahl seinem Sarge. Als guter 'Tin' war er stets ein hochgeachteter, geehrter Geschäftsmann» ein -ren rimtt >je nnd npis >jn, wie ein eifriger Förderer alle» Guten, ohne damit Aufsehen erregen zu wollen. Wäre das Wetter nicht gar zu stürmisch und ranh gewesen, es wäre sicher eine noch größere Zahl Leidtragender anwesend gewesen, während auch noch von anderen Rednern manch paffendes Wort des Nachrufes gesprochen rvorden wäre. Möchten die tiefbetrübten Kinder nnd sonstige Verwandte Trost von a2tv"m für ihre wunden Herzen empfangen. Sein Name wird von Niemandem, der ihn kannte, vergessen werde» und darum stets Gutes stiften: nna? p-i2 -et* Das Arrdenken des Frommen stiftet Segen. n"a"2"i"n. Fenillet o it. Mr schollen und vergesse«. Xlll.») Erregt ging Ludwig im Zimmer auf und ab. Allfgerissen war die kann; vernarbte Wunde. So sollte er dennoch an das Ziel gelangen, dessen Erreichung er unter der schmerzüchsten Entsagung aufgegeben hatte. Dorothea sollte sein Weib werden! Ihr Bild erschien vor seinem geistigen Auge in der ganzen Fülle ihrer jugendlichen Schönheit und Anmnth. Sie, die da» Weib eines Andern geworden war —-das Weib eines Andern! „Nnd Du sollst nicht gelüsten nach dem Weibe Deines Nächsten!" Er glaubte, das zehnte nnd umfassendste der zehn Gebote in Flammenschrift vor sich zu sehen. „Und Du sollst nicht gelüsten!" Würde er nicht dieses Verbot übertreten, wenn er Dorothea ermunterte, die Scheidung von ihrem Gatten zu veranlassen, um sein Weib zu werden? Er setzte sich nieder, um zu überlegen. Unwillkürlich kam ihm die Erinnerung an die Tage seines Brautstandes; er gedachte der vielfachen Conflicte mit Dorothea und deren Eltern in Bezug auf die rabbinischen Vorschriften. War ihm nicht schon damals der Gedanke, wenn auch nur ganz vorübergehend, gekommen, fein Verhältniß zu Dorothea zu lösen, um seinen Principien treu bleiben zu können? Hatte doch Ferdinand sich dadurch so schnell die SNlnpathkcn der Fränkischen Familie gewonnen, *) Zortsctziliig und Lchlnh.

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