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Der Israelit · 1884-11-06 · Heft 88 (6.11.1884) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 88 (6.11.1884)
Date
1884-11-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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das; er ihnen seine religiösen Grundsätze opferte! Und was war der Erfolg gewesen-? Stand es doch schwarz auf weis; in Dorothea's Briefe: „Ich habe mich in Ferdinand, bitter.. getäuscht. Er ist kein Mann; er hat meine Achtung und dadurch meine Liebe verloren." — So rasch wechselte Dorothea ihre Gefühle; erst liebte sie Ludwig unaussprechlich; dann schenkte sie Ferdinand ihre Liebe in noch höherem-Grade, nnd jetzt verachtet sic ihn! „Lüge ist die Anmuth, eitel die Schönheit, ein gottessürchtkges Weib ist rühmenswerth." Würde ein gottessürchtiges Weib, würde Ottilie Seefeld so gehandelt haben wie Dorothea? Nimmermehr. „Ottilie, meine treue Pflegerin, Du gutes, edles, liebes Herz, wie konnte ich Dein so ganz vergessen?. Du bist nicht so schön wie Dorothea, nicht so anmuthig, nicht so geistvoll; aber Du bist fromm nnd gottcsfürchtig und edel nnd treu. — Woher vermnthct Dorothea, daß ich sie noch immer liebe? Welchen Anlaß habe ich ihr gegeben, das zu glauben? Ich habe sie nicht wiedergesehen. Kein Wort, kein Zeichen hat meine Gefühle vcrrathen. Nur der Umstand kann zu dieser Vermuthung Anlaß geben, daß ich ledig geblieben, daß ich mich noch nicht verlobt habe. Wohlan denn, meine Verlobung wird die beste Antwort sein auf diesen verführerischen Brief!" * * * Herr Seeseld kam aus dem Comptoir in das Wohnzimmer, wo seine Frau nnd seine älteste Tochter beim Kaffee beisammen saßen. Die andern Kinder, die bedeutend jünger als Ottilie waren, befanden sich noch in der Schule. „Gut, daß ich Euch allein treffe," sagte Herr Seeseld, sich am Tische niederlaffend, „ich habe wichtige Dinge mit Euch zu besprechen. Mein Freund Samuelsohnaus H. schreibt mir, daß sein ältester Sohn uns nächstens besuchen wird. Der junge Mann soll ein ganz vorzüglicher Mensch sein, jung, schön, gebildet, und was die Hauptsache ist, streng fromm. Auch in pecuniärer Beziehung liegen die Verhältnisse sehr günstig. Ihr könnt Euch leicht denken, welches der Zweck feines Besuches ist." Ottilie wurde über unb über roth; ihre Augen füllten sich mit Thränen: „Was hat das K ind?" fragte Seefeld erstaunt. „„Ottilie,"" entgegnete die Mutter, „„liebt bereits einen Andern. Sie hat unfern Freund Ludwig Bär in lhr Herz geschloffen."" ~ „Und er?" „„Er schweigt nnd gibt uns keinen Anlaß, seine Gefühle zu errathen. Wenn -er uns besucht, 1449 so spricht er häufig von dem großen Danke, den er uns schuldet, und das ist Alles." „Ja," sagte er, „was ist da zu machen? Ich werde einen guten Freund beauftragen, mit Bär zu reden." - - > „,,O, geliebter Vater,"" rief Ottilie, „„ich bitte Dich, thne das nicht! Der edle Mann wäre im Stande, aus Dankbarkeit mir feine Hand zu reichen."" ' „Und wäre das so schlimm?" „„Ja, Vater, das wäre sehr schlimm. Ich will nicht aus Dankbarkeit geheirathet werden! Ach, geliebte Eltern, laßt mich immer bet Euch bleiben!"" „Thörichtes Kind, wir bleiben aber nicht bei Dir. Das ist so der Welten Lauf, daß die Kinder die Eltern überleben, nnd es wäre schlimm, wenn es anders lväre." Das Dienstmädchen trat herein und überbrachte eine Karte. Herr Seefeld nahm sie in Empfang nnd las erstaunt: „Ludwig Bär. Zu so nngewöhnlicher Stunde? Was mag das bedeuten? — Der Herr ist willkommen!" Unmittelbar darauf trat Ludwig ein. Er sah ernst nnd feierlich ans. Nachdem er die Anwesenden begrüßt hatte, sprach er den Wunsch aus, Herrn Seefeld allein zu sprechen. Dieser ging mit ihm in das Nebenzimmer. Es war dasselbe Gemach, in welchem Ludwig die schwere Krankheit überstanden hatte. Seeseld setzte sich nnd lnd seinen Gast ein, ein Gleiches zu thun. Ludwig sah sich im Zimmer um, und vor seinem geistigen Singe erschien die holde Gestalt seiner treuen Pflegerin. „Herr Seefeld," sagte er, „ich liebe Ihre Tochter Ottilie. Würden Sie mir gestatten, um sie zu werben?" Seefeld hätte laut aufjauchzen mögen. Gewaltsam faßte er sich und antwortete ruhig: „„Ich kann mir keinen bessern Schwiegersohn wünschen; wenn meine Tochter Ihre Gefühle theilt, nnd meine Frau nichts einzuwendcn hat, so verspreche ich Ihnen gern die Hand Ottiliens."" - „Gestatten Sie mir, daß ich sofort um Frau-, lein Ottilie anhalte?" „„Erst müßte ich eigentlich meine Frau fragen; allein, ich weiß, wie wohlwollend Nahel gegen Sie gesinnt ist. Kehren wir zu den Damen zurück, und ich werde es veranstalten, daß Sie mit Ottilie allein bleiben."" Die beiden Männer gingen ins Wohnzimmer, und Frau Seeseld bot Herrn Bär eine Tasse Kaffee an, die dieser dankend acceptirte. Nicht lange nach-

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