Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 88 (6.11.1884)
- Date
- 1884-11-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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die es gewöhnt worden ist. Das versteht der kleine Weltbürger schon ganz gut. Den Muth.besitzen die wenigsten Eltern, ihre Kleinen - nicht. an Dinge zu gewöhnen, die später wieder abgewöhnt werden müssen, was oft so sehr schwer fällt. Ist das Kind über die ersten Stadien der Entwickelung hinaus, fängt es an zu sprechen, dann werden vernünftige Eltern sicher auf jedes Wort des Kindes achten, werden es tadeln, wenn es ein . unschönes Wort spricht, obgleich das Kind auch noch nicht zu unterscheiden vermag, ob das Wort passend ist, oder nicht; sie werden ihm den Unterschied üeizubringen suchen zwischen bekannten und fremden Personen und ihm verständlich machen, daß man nicht zu Jedem in gleicher Weise sprechen darf. Ebenso gewöhnt man das zarte Kind schon an Anstand und Dankbarkeit, so daß es beim Empfange irgend einer Sache sich dafür bedankt, daß es bittet, wenn es nicht folgsam und artig war. Und kaum können die Eltern die Zeit erwarten, wo sie sich überzeugen können, ob das Kind auch gut lernen kann; kleine Sprüchelchen und Gcdichtchen werden ihm beigebracht, durch kleine Erzählungen seine Aufmerksamkeit und sein Verständnis; angeregt. Das ist sicherlich Alles sehr scholl und gut und mag zugleich die Eltern überzeugen, wie früh mau das Kiud schon erziehen kann, ohne dabei das Kind anznstrengen. Weniger anstrengend ist aber noch die Gewöhnung an unbedingten Gehorsam, den viele Eltern sich nicht erzwinge», obgleich er die Grundbedingung aller Erziehung ist. Will das Kind das nicht verstehen, daß Gehorsam seine erste Kiudespsticht ist, dann muß eS dies eben lernen. Sind die Eltern darin nachsichtig, dann begeben sie sich von Vornherein ihres ersten und wirksamsten Erziehungsmittels, berauben sich auch für die Zukunft, ihres Einflusses auf ihr Kind, verscherzen sich aberauch zugleich die Achtung und Liebe des Kindcs. Denn das Kind, das nicht den Eltern unbedingt gehorcht, hat auch keine Ehrfurcht, keine wahre Kindesliebe. Noch ist zu betonen, wie wichtig gerade diese erste Erziehung vor dem schulpflichtigen Alter des Kindes ist und welche Sorgfalt darauf zu verwenden ist, schon jetzt den Keim aller Tugend in des Kindes Herz zu pflanzen, den vollen Einfluß auf das Kind sich schon jetzt zu sichern, weil gerade in dieser Zeit das Kind noch ganz den Eltern angehört, mit der Schulpflichtigkeit aber viel welliger Zeit ihnen unterstellt ist, auch häufig die strengere lleberwachung in Hinblick auf die Schule aufhört, lind doch bedarf nunmehr das Kind einer gesteigerte,l Aufmerksamkeit, weil es mehr äußeren Einflüssen und Eindrücken ausgesetzt ist, die oft genug schädliche und nachlMiH .ungünstige; Wirkung Hervorrufen. '-..'u-' i' V; : Wir kommen nun zu einem sehr wunden Punkte in der heutigen Erziehung unserer Jugend; die religiöse Mitwirkuilg ist vielfach ganz aus dem Erziehungsplane gestrichen. Die Hauptmsache liegt darin, daß bei aller Vielseitigkeit der Erziehung dieselbe demnach sehr einseitig ist, daß auch hierbei die Ernährerrolle der Eltern die der Erziehung in den Hintergrund drangt. (Fortsetzung folgt). Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. 8. Frankfurt a. M. Die vor einigen Jahren hier begründete „Suppcn-Anstalt für isr. Anne" hat mit bent 2. November die durch das Sonnnersemester unterbrochene öffentliche segensreiche Thätigkeit wieder aufgeuomme». Wir sagen hier: „öffentlich e Thätigkeit, denn die außerhalb des Vereinslocals waltende, war auch Seitens des Vereüls im.Sommer eine rege und fruchtbare. Denn das 'iL'rr seinem ganzen Inhalte liach beherzigend, soll diese Anstalt nicht nur eine solche sein, die den Armen im Winter eine Stätte bietet, in welcher ihnen kräftige Speisen gereicht werden, ganz besonders wird vielmehr das Augenmerk auf arme Kranke und Wöchnerinnen gerichtet, die lllit besonders kräftiger, meist nach ärztlicher Anweisung hergestellter Kost versehen werden; diese Thätigkeit beschäftigt aber den Verein das ganze Jahr hindurch. Was der Verein in dieser Beziehung Segensreiches leistet, entnehmen wir dem diesjährigen Nechenschaftsbericht, nach... welchem „Kranke und Wöchnerinnen im Verkaufe des ganzen Jahres in ihren Wohnungen 7749 Portionen erhielten." Nicht minder segensreich ist die Thätkgkeit innerhalb des Vereinslocals; in denselben wurden vom 16. November v. I. bis znmr 28. März d. I. verabreicht : an Kinder 16058, an hiesige Erwachsene 4834, an Zugereiste 2263 Portionen, natürlich gratis; an verschämte Arme 678 Portionen gegen. Vergütung von 26 Pf. die Portion. Daß in dem wohlthätigen Frankfurt ein solcher Verein sich rasch gute Freunde aus allen Parteischattirungen erwirbt, begreift man wohl und wir staunen nicht über die relative reichen Gaben, die demselben nach Answeis des Berichtes zufließen, die aber, das