Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 87 (3.11.1884)
- Date
- 1884-11-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Verpflegung und Unterricht unentgeltlich, finden. Auch zu dieser Vergrößerung der Knabenwäisenanstalt trugen die Herren Gebrüder Joseph nnd Lazarus Schwarz in; Nürnberg cm nicht geringes Scherflein bei; denn sie waren es, die feit zwei. Jahren ununterbrochen die Anstatt theils durch Errichtung von Frciplätzcn, theils durch jährliche Subvention unterstützten. Immerhin konnte aber an eine Erweiterung der Anstalt zur Aufnahme von Mädchen nicht gedacht werden, weil die Verwaltung mit Rücksicht auf den Umstand, daß die anfallenden Zinsen des Grundkapitals nur 15000 Mark betragen, immer noch mit der Aufbringung der Mittel zur Unterhaltung der Waisenknaben zu kämpfen hat. Herr Lazarus Schwarz aus Nürnberg gründete nun in so hochherziger Weise tnit einem Legate von 100000 M., - wie bereits scholl oben erwähnt, für verwaiste Mädchen eine Anstatt, welch letzere durch einen prachtvollen, neu aufgcführten Anbau mir der Knabenwaisenanstalt in gesonderten Lokalitäten verbunden wurde. Herrn Lazarus Schwarz wurde die hohe Ehre zu Thcil, daß ihm Seine Majestät, unser allergnädigster König und Herr, allerhöchst welchem die Stiftungs- und Gründungsurkunde zur landesherrlichen Genehnligung iu Vorlage gebracht, unter dem 26. September l. I. durch das königliche Staatslninisterium des Innern und die königl. Regierung von Mittelfranken die allerhuldvollste wohlgefällige Anerkennung für die in so edler und hervorragender Weise gemachte Sttftung aussprechen ließen. Bis nrun wird das Gebäude fertig sein und im kommenden Frühjahre nnts? die Aufnahme von Waisenmädchen stattfinden können, worüber seiner Zeit noch besonders berichtet werden wird. Bevor ich schließe, finde ich es angezeigt, noch einen andern Gönner der Anstalt zu erwähnen. Es ist der als Wohlthäter und y^D2 -wip allseitig bekannte Herr Jacob Eramer dahier. Derselbe stiftete 8000 Mark zur Gründung eines Freiplatzes. Möchten diese eblcu Beispiele Nachahmung finden! Dr. Königshöfev. Posen, im Oktober. Wie bereits in einer der früheren Nummern mitgetheilt, hat die feierliche Wiedereröffnung der beiden Vetschulen nach mehr als zweijähriger Schließung am Sabbat vor rmr »kt resp. am ersten m Abend stattgefunden. * Der neue vollendete Umbau hat nicht sowohl eine Erweiterung, als vielmehr eine Verengung der Räumlichkeiten gebracht und es kann nicht geleugnet werden, daß der Aufenthalt in den früheren Räumen behaglicher war, wenn auch allerdings durch die angebrachten Malereien bttä, Schönheitsgefühl mehr befriedigt ist. .Die Hauptsache, die eben dre zwingende Veranlassung des Umüanes war, ist die Herstellung noch zweier Ausgange fiir jede Vetschule und hie gänzlich veränderte Einrichtung der Frauenichtzeilungen, die allerdings vorher in fast beängstigender Weise unzugänglich waren und zu denen nun breite und helle Aufgänge führen. Im Allgemeinen ist demnach der Umbau zwar, den polizeilichen Anforderungen genügend, sonst aber nach keiner Seite hin völlig befriedigend ausgefallen und wohl Mancher, der vorher ein eifriger Gegner des von einer Seite projectirten Neubau's einer Synagoge war, wird jetzt im Stillen anderer Meinung geworden sein, den» es laßt sich einmal nicht bestreiten, daß die beiden alten Synagogen, mit welcher Innigkeit man auch daran hängen mag und wie begründet die denselben gewidmete Pietät ist, dennoch der jüngeren Generation äußerlich nicht das bieten, was man heute von einem würdigen Gotteshause verlangen darf, ohne daß es nöthig wäre, dabei auch nur ein IM der religiösen Ueberzeugung aufzugeben. Die Besorgniß ist daher nicht ungerechtfertigt, daß die nächste Generation ttotz des stattgefundenen Umbaues, der einen Kostenaufwand von 80,000 Mark erfordert hat, sich dennoch den beiden atten Betschulen allmählich entftemden wird. Sehen wir doch schon jetzt, daß sogar die nächsten Angehörigen der eifrigsten Agitatoren des Umbaues sich kemer dieser beiden alten Synagogen, sondern dem Tempel des Brüdervereins zuwenden, so daß dieser Tempel längst nicht mehr die Zahl seiner Mitglieder faßt und bedeutend erweitert werden muß. Welcher Art sind nun die Aussichten, für die Zukunft der Men Synagogen? Doch nnjm rm? m können wir hier nur sagen. Es soll übrigens mit dieser Darstellung nach keiner Richtung hin ein Vorwurf verbunden sein, denn eine jede der beiden Parteien hat ohne egoistische oder sonstige Nebenabsichten lediglich bona fide gehandelt und es war allerdings fast, eine Unmöglichkett, zwischen den Parteien, die sich diametral entgegenstauden, einen ausglekchenden Mittelweg ausfindig zu' machen, so daß. die Angelegenheit nothwendig den Verlauf nehme» mußte, den sie genommen hat. .. .. - Jedenfalls hat der Umbau die erfreuliche Thatsache bor Augen geführt, daß m hiesiger Gemeinde noch ein starker Fond von religiösem Gefühl vor-- Händen ist,,. Dem Bäumeister, der den Ban übernommen, wurde' nämlich' seitens des Gemeindevorstandes die Bedingung vorgeschriebe», daß an SM baten und Festtageu die Banthätigkett den Sy-