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Der Israelit · 1884-11-03 · Heft 87 (3.11.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 87 (3.11.1884)
Date
1884-11-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
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mehr als der Freude, lieber dem Haschen nach den Schätzen, die draußen vor aller Welt Augen liegen, hat mau der Schätze vergessen, welche verborgen lm Schoße der Menschheit säber ruhen. Gewiß, glücklich können die Menschen nur dann werden, wenn man sie weise und sittlich macht. — Wenn. intu daß Resultat unserer Erziehungsmethode kein erfreuliches ist, so suchen wir gerne nach einem Systeme, das dauernde rmd beftiedigende §ielc erreicht hat, und wie vou selbst leutt sich unser lick auf die alten Völker, die vor Jahrtausenden schon auf einer hohen Stufe der Kultur standr«, besonders auf das jüdische Volk, das sich trotz aller Verfolgungen und Ausschließungen, die über dasselbe ergingen, Jahrtausende erhalten hat, ein Wunder, das sich wenige entrathseln können. Mer bei diesem Volke herrschte stets ein inniges Familienleben, fand eine sorgfältige Erziehung der Kinder statt. „Gehet hin," sprachen Bileam und Eumencs, der Gardäer, die großen heidnischen Denker, zu Lhttn Zeitgenossen, welche Israel schwächen wollten, „gehet hin Ln die jüdischen Schulen, wo die Kinder zur Beobachtung und zur Befolgung des Sittengesetzch heraugebildet werden! Dort ist -er Quell seiner Stärke, dort das Geheimnis; seiner Unverwüstlichkeit. Wollt ihr es besiegen, so müsset ihr jene Stätten angreifen." Es ist daher für jeden ErZieher und Lehrer, für gebildete Eltern aller KonfeMneu vou hohem Interesse, die Erziehungslehrcn und dir Lnterrichtsweise der Israeliten von der biblischen — bis auf unsere Zeit kennen zu lernen, und cs dürfte manchen Leser überraschen, hier Erzichungspwblrzne gelost zu finden, die heute noch unsere Pädagogen beschäftigen. Bei 'nders ist es die richtige Verbindung zwischen Unterricht und Erziehung, der ergnEche erziehliche Unterricht, der in allen Perioden der jüdischen Pädagogik in seltener Werse lMvortritt. Alles, das ist noch niemals so nbcrsichttich zusammengeftM worden, wie in dem vorliegenden Werke. Die erste Lieferung schildert den Unterricht in vortalmudischerZcit, daun folgen noch die talnmdische Zeit, die nachlalnmdische Orriode, die Jefchibä und das Chederder vormendelsohnschen, dieMstdäsohnsche Periode bis auf unsere Zeit, und ein besonderes Kapitel behandelt die Geschichte der isr. Schule Ln Württemberg. Als Anhang bietet das Werk eine „Biographie der jüdischen Pädagogik Ln chronologischer Ordnung gleichsam' als JllustMou zu dem interessanten Buche. ' Dieselbe enthältemVerzkichniß, der von Israeliten verfaßten Schriften für die verschiedenen Lehrfächer der israelitischen Schul«:, sowohl der profanen, wie der religiösen Wcher' Mr Ausstattung ist eine sehr schöne, sowohl im deutschen als hebr. Texte sehr korrekt. : . ........ /. Wir wünschen, daß das Werk, das ' gut echt religiöser Wärme geschrieben ist, nicht nur bei .Nabbinen, Lehrern, sondern auch in vielen isr. Faniilien freundliche Ausnahme, und aufmerksame Leser finden möge. - . .. Kappel, den 5. Eheschwan 5645 (24. Oct. 1884). David Wa ll.cr sie in p r. Zeitungsuachrichten und Correspondenzen. D e u t s ch l a u d. ' Fürth (Bayern), 31. Oct. Ihr geschätztes Blatt, das seine Spalten zum Helle der Armen und Hllssbedürstigen stets offen hält und ganz besonders aber von jeher bereit war, der bedrängten Lage der Wittwen und Waisen abzuhelfen, wird gewiß auch nachstehendem Artikel, der die Gründung einer isr. Mädcheuwaisenanstatt bespricht, berettwilligst Ausnahme gewähren. ' Eine israel. Mädchenwaiscuanstalt bestand in Bayern noch nie. Die nothwendige Existenz einer solchen Anstalt wurde schon lauge allseitig anerkannt, und deren Gründung beschäftigte seit vielen Jahren die Herzen vieler Edlen BaiMis. Bisher , blieb es aber immer, bei dem edlen Streben stehen und gelangte nie zur Ausführung. . .. . vom M 12QN 'r nvn non . Mit Gotteshilfe kann ich Ihnen heute mm die Gründung einer isr. MädchenwaisenanstalL als bereits vollzogene Thatsache berichten. Herr Lazarus Schwarz und dessen hochgeschätzte Gemahlin Frau Bertha Schwarz zu Nürnberg waren cs, die der Berwalümg der isr. Knabenwaiseuaustalt zu bicfciit edlen Zwecke 100,600 Mark zur Verfügung ftcKteii und mithin als die Gründer der israel. Mädchenwaisenanstalt in Fürth zu betrachte» sind. Daß obenerwähnte Schenkung die seltene Herzensgüte der Sch warz'schen Eheleute zur Genüge beweist, bedarf wohl keiner weiteren Ausführung. Die hiesige Waiscnanstatt, die im Jahre 1763 gegründet wurde, war bis jetzt nur für die Ausnahme von Waisenknaben eingerichtet. Aber auch fnr. Hnab.en konnte die Anstalt ihr segensreiches Wirken nicht sin . ge? wünschten Maße entfalten, da sie immer um mit bescheidenen Mitteln arbeiten mußte. Seit, circa zehn Jahren vergrößerte sich die Thätigkeit der Anstalt derart, daß sie gegenwärtig 48 Waiscütuaösn in ihren Mauern zählt, die in derselben Erziehung,

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