Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1884)
- Date
- 1884-10-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1421 übrig, als den Zeugen zu sagen: „Meine Herren, kommen Sie morgen früh her, dann sollen Sie den Namen erfahren. Sie aber" — zn dem Arrestanten gewendet — „marschircn hier hinein." Und damit wies er auf die Gefangenenzelle. Am andern Morgen erhielt der Beleidigte die ST arte seines Angreifers. Es war ein aktiver, in Civil befindlicher Offizier. Die Beschwerde beim General-Kommando ist unter Angabe zahlreicher Zeugen eingercicht und von dort auch bereits die Antwort eingelanfen, daß die Untersuchung eingeleitet worden ist. Für den betreffenden Offizier ist die Sache wahrscheinlich von einschneidender Wirkung für sein ganzes Leben. Daß er fich eines Gentleman unwürdig benahm, dann die Genugthnnng verweigerte, schließlich floh und gar mit einer Zelle Bekanntschaft machen mußte, das ist eine solche Aufcinanderhänfnng von Dingen, die einem Offizier nicht passiren dürfen, daß es mit seiner militärischen Carriere vorbei sein dürfte. Berlin. Zum Kösliner Prozeß bringen wir noch nachträglich den wörtlichen Schluß der Vertheidigungsrede des Rechtsanwaltes Timm. Derselbe lautet: „Zum Schluß kann ich nicht umhin, noch sollende Erklärung abzugeben: Zu meinem großen Bedauern hat der Herr Aaatsanwalt zu Ende seines Plaidoyers noch ein Streiflicht nach einer gewissen Seite hin geworfen, das meines Erachtens besser unterblieben wäre. Der Herr Staatsanwalt hat wörtlich gesagt: Wenn ich nach den Motiven des Exzesses suche, so finde ich dieselbe darin, daß die von Könitz zurückgekehrten Zeugen ihren Unwillen geäußert hätten, daß sie vor dem Schwurgericht schlecht behandelt worden wären. Er will dies aus privaten Mitteilungen erfahren haben. Nun, m. H., ich frage den Herrn Staatsanwalt, warum sind die Zeugen für diese private Mittheilungen nicht hier. Die Sache wäre dann aufgeklärt. So verletzt )der Herr Staatsanwalt das mündliche Vcrhandlungsprinzip, indem er Ihnen Thatsachen unterbreitet, die nicht Gegenstand der neuerlichen Verhandlung vor Ihnen gewesen sind, und Verdächtigungen ausspricht, wofür es an dem erforderlichen Beweise fehlt. Nun, meine Herren, ich nehme keinen Augenblick Anstand, hier in demselben Saale, wo vor mehr denn einem Jahre das traurige Vorspiel des nicht minder traurigen Nachspieles über. die Szene gegangen, zu erklären: Glaubcn Ske nicht, das; Sie in der langen Reihe der Angeklagten, welche heute vor den Schränken stehen, die wirklich Schuldigen vor sich haben! Ich werde im Moment an einen lateinischen Spruch erinnern, der da lautet e ■ „Quidqnid delirant reges, plectuntur;« Aehivi!“ Ich kann Ihnen umschreibend dieses Wort dahin übersetzen: Was der anerkannte Führer einer bekannten Partei — ich brauche den Namen wohl nicht zu nennen *) — und dessen an seine Nockschößcn hängende Trabanten durch ihre Brandreden gesündigt, das hätten beinahe damals die Neustettiner Juden büßen müssen, und das müssen heute — das ist der Fluch davon — die Angeklagten büßen. Sie sind einige von den Geistern , die jener Mann gerufen hat und die er nimmer los werden wird!" Aus Frankfurt a. M. meldet man uns den am vorigen Freitag, den 5. Marcheschwan erfolgten Tod des Rabbiners Dr. SämuelAnerbach jn. Der Verewigte war der jüngste Sohn, des ehemaligen Oberrabbiners' R. Abraham Auerbach in Bonn, nach dessen Tode er zu seinem ältesten Bruder, Dr. B. H. Auerbach nrrOr, damals Rabbiner zu Darmstadt kam, um sich in der talmudisch-rabbinischen Wissenschaft auszubilden. Mit regem Eifer und emsigem Flciße oblag er fünf Jahre lang dem Studium von □'’po'.Di D"ir und bezog dann die Universität Bonn zur Absolvirung philosophischer Studien. Mitte der fünfziger Jahre wurde ihm das Rabbiuat in Nord h a h s e n, Prov. Sachsen, übertragen, das er ungefähr 20 Jahre in Ehren und allgemeiner Anerkennung seiner Leistungen, besonders als Kanzelrcduer und Lehrer, bekleidet. Sein religiös-conscrvativcr Standpunkt, den er während des ganzen Lebens innchiclt, wurde zwar zuweilen von Gegnern der gcsetzestreuen Richtung innerhalb der Gemeinde Nordhausen mißbilligt, doch gelang es ihm bis in die Mitte der siebziger Jahre eigentliche Reformen in Synagoge und Gottesdienst zn verhindern. Als man aber in der genannte» Zeit Seitens der Gemeindeverwaltung auf Einführung der Orgel bestand, hatte Dr. Sam. Auerbach den Mnth sein Amt nicderzulegen. Er privatisirte darauf einige Jahre, biser als Rabbiner nach Bad Homburg berufen wurde. Auch dort war es ihm nicht bcschieden, seines Amtes zu walten; eine plötzliche Erkrankung, die ein schweres Nerven? leiden im Gefolge hatte, zwang ihn feine Stelle aufzugcbcn. Von dieser Zeit au siechte der früher so kräftige und arbeitsfrohe Mann hin, der Besuch der Bäder brachte ihm keine Heilung. Er zog mit seiner Familie nach Frankfurt, woselbst er zu Zeiten, *) .Herr Hospredigcr S t öckcr.