Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1884)
- Date
- 1884-10-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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1422 in denen seine Leiden etwas nachließen, mit Verwandten und Bekannten, die ihn wegen, feines biedcrcn Charakters hochschätztcn, einen anregenden und ihn selbst anshciternden Verkehr unterhielt. Seit, einem Jahre war aber die Krankheit so vorgeschritten, daß er das Hans nicht mehr verlaffen konnte. Die treue Pflege einer hingebenden Gattin und liebevoller Kinder war bemüht, ihm die Schmerzen zu erleichtern. — Nun hat der edle Mann, der viel im Leben gckäinpft und gelitten, seine irdische Laufbahn vollendet; er ist eingegangen in die Wett des ewigen Friedens und der ewigen Freude, um den Lohn für sein Wirken zu empfangen rrsmn. Möge der „Arzt für alle gebrochenen Herzen" der schwergeprüften Gattin und den trauernden Kindern Trost senden in ihrem großen, gerechten Schmerze! Mögen die Kinder im Sinne ihres verklärten Vaters und nach dessen Beispiel und Lehren sich gleichfalls als edle Menschen und gewiffenhaste Juden bewahren — das schönste Denkmal, das Kinder ihrem Vater errichten können. Vom Niederrhein, im Oktober. Wenn auch im Allgemeinen aus unserer Gegend von speciell jüdischem Interesse sonst wenig zu berichten ist, so kann ich Ihnen doch heute von einem Werke berichten, das in bescheidener Weise beginnend, sich hier vollzogen hat, und welches wohl allgemein mit Freude und Wohlwollen begrüßt werden wird. Die Gründung eines jüdischen WaiseuhausLs in dem benachbarten Dinslaken ist nämlich jetzt zur Thatsache geworden uub die Aufbringung des Grundcapitals gesichert. Es ist bereits ein großes, schönes Gebäude, welches für diesen Zweck sehr geeignet ist, sowohl seiner Einrichtung als seiner Lage nach, zmn billigen Preise von 18,000 Mk. erworben. Der Ort Dinslaken ist für die Errichtung eines solchen Jnstitnts sehr glücklich gewählt, indem die Lage desselben eine sehr gesunde, die Lebensverhättmsse daselbst bedeutend billiger sind, als irr einer Großstadt, die Betheiligten alle sich au dem Werke mit uneigennütziger Opferwilligkeit widuren, so daß die Verwaltnngskosten, besonders für Unterricht und Leitung der Anstalt ganz unbedeutende sein werden und der Standpunkt der Gemeinde, sowie der Leiter derselben in religiöser Beziehung die sichere Garantie bieten, daß die Erziehung der Waisen auf dem Boden des traditionellen Jndenthmns gesichert ist. Abgesehen davon, daß eine jede derartige wohlthätige Anstalt schon um ihres edlen Zweckeswillerr mit Frciwen zu begrüßen ist, so ergiebt sich auch das Bedürfniß einer solchen in unserer Gegend schon aus den Bevölkcrungszahlen. Nach der letzten Zählung beträgt die jüdische Bevölkerung der Rheinprovinz gegen 44>000, die Westfalens 18,060 Seele». In der ganzen Rheinprovinz befindet fich keineinziges jüdisches Waisenhaus. Die Paderborner Anstatt hatte nach ihrem letzten Rechenschaftsberichte Ende 1883 zwanzig rheinischen Waisen Aufnahme gewährt, während statistisch nachzuweisen ist, daß ln der Rheiuprovinz mindestens über achtzig hülfsbedürftige Waisen existiren. Es bietet fich also noch ein sehr reiches Feld der Wirksamkeit in der Waisenpflege. ... Damit mm die junge Anstatt gleich von Anfang so eingerichtet werde, daß sie den großen an sie herantretenden Anforderungen entsprechen kann, wäre es sehr wünschenswerth, daß alle Glaubensgenossen mit ihrer ganzen Kraft dieses edle Unternehmen barmherziger Menschenliebe unterstützten. Es ist in Aussicht genomnien, daß jeder Gemeinde, die sich ihren Verhältnissen entsprechend an der Gründung und Unterhaltung der Anstatt betheiligt, das Recht eingeräumt werde, kn jedem dieselbe betreffenden Falle ein Mitglied in die betreffende Sitzung des Curatorinms zu deputkren. Durch Seine Excellenz den Herrn Oberpräfidenten der Rheinprovinz ist der Gemeindeverwaltung Dinslakens die Abhaltung einer Colleete bewilligt worden, uni die weiteren Mittel für die Anstatt zu beschaffen, und wünschen wir den Colleetanten von Herzen überall recht freundliche Aufnahme und reichlichen Ertrag auf ihrer mühvolle» Wanderung. Für die Gemeinden, welche Anfnahme ihrer Waisen event. Halbwaisen wünschen, wäre es wohl zweckmäßig, heute schon ihre diesbezüglichen Anmeldungen einzurcichen. Nähere Auskunft wird wohl jedenfalls der Vorstand der Gemeinde Dinslaken, Herr Simon Jakobs, sowie der Schriftführer des Waisenhaus- ComiW, Herr L. Wormser erhellen.. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r chie. Preßburg, 13. Okt. Die Affarre der antis. Unruhen in Nynlas (Wieselbrgr. Com.> wurde gestern bei der königl. Kurie verhandelt. Diese Unruhen ereigneten sich unmittelbar nach Ausbruch der Prcßburger Kravalle. Der Sachverhalt ist folgender: Ende Oktober 1881 verbündeten sich mehrere Einwohner der Ortschaft Ny. zu dem Zwecke, um die Geschästslokale der jüdischen Einwohner des Ortes anszuranben. In der That wurden anch die Locale Albert Deutsch und Mor Steiner's erbrochen und die Waarcn aus denselben verschleppt. Ueberdies wurden in den Wohnungen der jüd. Einwohner Petarden geschleudert, die Fenster emgeworsen und