Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-10-30 · Heft 86 (30.10.1884) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 86 (30.10.1884)
Date
1884-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449486--21060-2510628
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

1414 B c rl i 11, 27. Okl. Den InbeliagSkr Moses Montcsiores beging am Sonntag 'Nachmittag die Gemeinde Adaß- Iisrael durch einen erhebenden Festgottesdienst. Trotz des strömenden Regens war das Gotteshaus bis an die Ausgänge mit einer nach vielen Hunderten zählenden" Festversammlung überfüllt, so daft ein großer Theii der Erschienenen den Heimweg amretcn mußte, ohne Einlaß gefunden;n haben. Rach einleitendem Gesänge des ersten Eantors, Herrn Olitzki, betrat Herr Rabbiner Tr. Hildesheimer die Kanzel, um in glänzender, von glühender Begeisterung durchwehter Rede die unsterblichen Verdienste des Jubilars zu feiern. Nach einer sinnigen Deutung des Verses Genesis XU. 1. knüpfte der Redner an die Bibelstclle: Und es sprachen die Söhne Ehets zu Abrahams: „Höre uns, unser Herr, Tn bist ein Gottesfürst in unserer Mitte" und beleuchtete die göttliche Mission Montesiores als Mensch nnd als Jude. Ter Raum verbietet uns leider, den geistvollen Gedankcngang des Redners auch nur auszugsweise wirderzugeben; nur einzelne slüchüge Momente rönnen wir hcrausgrciscn. 'Nicht allein das Iudenthum blicke mit staunender Bewunderung ans das Große in dem Mannes der sein ganzes Leben in den Dienst der reinsten Menschenliebe gestellt, einen Herrn, einen Fürsten, der, wo er auch wirken mochte, stets in ihrer Mitte weilte, stets in ihnen und sür sie lebte und bandelte. Aber nicht mir ein Fürst, nein, auch ein „Fürst Gottes", ein Fürst seines Glaubens ist es, dem die dankbare Mitwelt heute zujubelt. Die äußeren Feinde Israels müssen vor dem Namen Montesiore's ihre Geschosse machtlos sinken lassen, nnd auch gegen die inneren Feinde hat er sich muthig bewährt: er hat Zion und Jerusalem wieder zu Ehren gebracht. Als im Jahre 1828 der Sturmlauf gegen Zion begann, als man die Erinnerung an Jerusalem niederwcrfen, als man nur Staatsbürger, nicht Jude sein wollte, in diesem Jahre pilgerte Cix Moses nach den geweihten Stätten seiner Ahnen, um gegen jene feige Fahnensluchk gleichsam einen .ebendigcn Protest einzulcgen. Zugleich zeigte der Jubilar, daß man Baron et und doch orthodoxer Jude sein, daß man auf den Höhen der Menschheit wandeln und doch mit allen Fasern seines Lebens an dcmgöttlichen Worte der Offenbarung hangen könne. Ter Redner schloß seine 1 '/^ständige meisterhafte Rede mit einem fencrigen Appell an die Versammelten, die Schüler Montcsiores zu werden und nach Kräften diesem leuchtenden Ideale, in dem sich die Träume unseres Lebens wiederspiegclten, nachzueifern und nachzustreben. An die Rede schloß sich das Gebet für den greisen Philantropen; mit dem Gesänge des 150. Psalm fand die hocherhebende Feier ihren Abschluß. Zur Erinnerung an den Festtag wurde eine kostbare Marmortafel mit entsprechender Inschrift in hebräischer Sprache in dem Gotteshause angebracht. — Eine ganz analoge Feier fand an derselben Stätte am Montag Abend statt, die das Rabbiner-Seminar veranstaltete. Als Vertreter der Feier des Seminars hielt Herr Dr. Arthur E.ohn die knnstvollendete, glänzende Festrede, die in den Herzen der zahlreich Erschienenen einen begeisterten Widerhall fand. Paris, 27. Oct. Gestern, Sonntag, fand in der Svnagoge der portugiesischen Gemeinde ein großartiger Gottesdienst zur Erinnerung des 100jährigen (Geburtstages des Sir Moses Montefiorc statt; mehr als 2000 Personen wohnten dieser Feier bei'; unter ihnen die größten jüdischen Notabilitäten. Gelehrte, Künstler von Paris. — Sämmtliche Rabbiner waren anwesend. — Herr Zadok Eahn hielt eine glänzende Rede, worin er die großen Verdienste des Gefeierten hevorhob :c.; ihm folgte Herr Rabbiner Isidor, worauf der Rabdiner beV Port. Gemeinde (Weil) ein speciell verfaßtes Gebet für Montesiore sagte. — Im Allgemeinen war die Feier eine höchst würdige, der Sache angemessene. Edmund Moritz. Würzbnrg,. 26. Oct. Auch hier wurde die Anregung zur feierlichen Begehung des hundertjährigen Geburtstages nuferes großen Sir Montcsiore beifällig ausgenommen. Nach dem allgemeinen Festprogramme fand heute Abend unter großer Theilnahme der Gemeinde der Gottesdienst statt; hinzugefügt wurde nur noch ein Anfangs- und Schlußchoral. Die Festrede hielt Herr Rabbiner Bamberger. Don der allgemeinen Annahme ausgehend, daß jede Zeit ihre großen Männer erzeugt, und daß cs oft ein Mann ist. der die Ehre seines Geschlechtes rettet, wies er dies au dem Manne, von dem in dem jüngsten Wochenabschnitte die Rede ist, nach, n: war es, der allein in Gottes Auge Gunst, gefunden und von dem cs heißt: daß er ein pn-e 2v:n gewesen und mit Gott gewandelt sei. Er hat sich unsterblich gemacht durch sein ftommes, wohlthätiges Leben, so daß seine besten Nachkommen seine guten Werke, waren, von denen der tma erläuternd hinzufügt r^rr Anlehnend nun an das Leben eines n: entwarf der Redner ei» kurzes Lebensbild des verehrten Jubilars in feinen hervorragenden Momenten und schloß mit dem Gebete für ihn. Möge dasselbe, das heute ans Tausenden von Herzen empor gesandt worden, Erhönmg gefunden haben und möge dem Edlen ein noch recht langes, freudiges Leben beschiede» sein! Ramsgate, 27. Oktober. (Telegramm.) Sowohl die Königin von England als auch die deutsche Kaiserin haben Sir Moses zu dessen 100. Geburistagsseste telegraphische Glückwünsche zugesandt. Ramsgate, 28. Okt. Tie Begeisterung der Bevölkerung von Ramsgate und Margare ist unbeschreiblich. Mit jednn Bahnzuge strömen Menschemnassen von allen Theilen des Landes Tie Bahnhöfe und sämmtliche Gebäude der Stadt sind festlich decorirt. Sämmtliche Läden sind geschkosien. Am Marktplatz^ sind zwei Triumpsbögen errichtet, wovon einer die Inschrist nAll honour to Sir Moses the good* (Alle Ehre dem guten Sir Moses!) der Andere: „Europe Claims his birth alle Nations own his worth“ (Europa rühmt sich, ihn geboren zu haben, alle Nationen erkennen seinen Werth an!) trägt. Bon der Stadt bis zu dem auf einem Hügel gelegenen Schlöffe, welches Sir Moses bewohnt,, führt ein über eine Meile langer Fußweg. Ter Zug, welcher sich um 1 Uhr in Bewegung setzte, hatte sich demnach außerhalb der Stadt zu organisiren. Im Zuge befanden sich 6 Mnsik-Eorps, die Fahnen hatte», sinnreiche Inschriften. Ten Zug bildenden Zünfte und Beamte, ihm folgten Tausende von Herbcigereisten und etwa 200 seine Equipagen. Die Anzahl der Mitglieder des Zuges bestand auS mehr als 4000 Theilnehmeni. Ter Zug bewegte sich von dem Krane's Roack durch South Lastern Rorul, High Street, Marine zu 'Victoria Road. Er paffirtc in diesem Jahre nicht, das Fenster v. Sir MoseS, weil die Acrzte befürchteten, es könnte den hohen Greis;n sehr erregen. 8440 Telegramme sind bis zur Stunde (2 Uhr) hier eingetrossen. Tie Anzahl der Adressen übersteigt 1500, Blumenbouquets 1800 an der Zahl. Ein reizendes Riesenbouquet kam von Nizza. Ein Fruchtkorb, präseittirt von Lady Eoutts, ziert die Tafel von Sir Moses. Ter ehrwürdige Greis empfing einige Deputationen, auch den Vertreter Ihres werthen Blattes. Er befindet sich in bester Gesundheit. Nach unsrer Audienz hörte der ehrwürdige Greis mit* lebhaftem Interesse einen portugiesischen Sänger daS s«n tra vortragen. Von den Telegrammen erwähnen wir das von I. M. der Königin Victoria und I. M. der Kaiserin von Deutschland. Das Telegramm ans Jerusalem lautet: „Ieschibah festlich illnininirt. Wir trinken eben auf die Gesundheit von Sir Moses, gez. iw." Leider wurde die Festlichkeit der Stadt durch starken Regen unterbrochen, weßhalb auch das Feuerwerk und daS Aussteigen des Riesen-LnftballonS unterbleiben wird. Ramsgate. 28. Oct. Abends. (Telegramm) Witterung besser. — Großartiger Fackclzng und Feuerwerk vor dem Schlosse

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.