Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1884)
- Date
- 1884-10-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1413 Die Wontefiore-Keier titbcu verschiedenen Ländern und Städten. I. Mainz, den 29. Octobcr. Aus zahlreichen großen und kleinen. Gemeinden liegen uns Berichte vor, die da beweisen, wie groß die Liebe und die Verehrung, die dem allgemein verehrten Manne entgegengcbracht worden. Wir lassen einige derselben hier folgen: London, 26. October (Vorabend des;irn In stimmtlichen Synagogen des britischen Reiches wurde der denkwürdige Tag. an welchen» Sir MoseS Montcsiore sein hundertstes Lebensjahr vollendete, schon ain Vorabende nach dem 3>ix2-Gedete würdcvollst geseiert. Ter Haupt-Festgottcsdienst »vurde in der hiesigen portugieüschen Synagoge (Lervis-AarlrK) abgehaitcn. Tic portugiesische Gemeinde, welcher Sir Moses angehört, besteht schon 183 Jahre. Seit dem Ableben des sei. Ehacham Dr. Artom 'in ist die Rabbinatsstelle »»»»besetzt, »veshalb in Vertretnng des Ehics-Rabbi. Rcvd. Tr. Hcrmann Adler, die Festrede hielt. Herrlich und treffend schilderte der gewandte Redner das 'thatcnreiche Leben des großen Mannes und passe>»d wurde der Text Vsnr» 132, vn nr3 cv rrN3» nach dem ganzen Umfange feines Inhaltes durchgcsührt. Sämmtliche Plätze der großen Synagoge waren von den hervorragendsten Männern und Ladies unserer Hauptstadt und mehrerer» Abgeordneten von Auswärts besetzt. Zum Ruhme der Israeliten Englands gereicht es, daß der Lord-Mavor n»ib die Lady-Mayoreß die Feier mit ihrer Anwesenheit verherrlichten. Sir Nathänicl de Rothschild, Baron Henry de Worms, M. P. Arthur Eohen, Q. E., Sergeant Simon, Aldennann Isaacs, Samucl Montagu, Mocattö re. :c. nahinen die reservirtcn Sitze ein. Vergebens wurden von Fremden 50 Guineas für einen' Sitz ofserirt. Schon vor dem Beginne des Gottesdienstes »var ein solcher Volksandrang, daß verstärkte Polizei erforderlich »vurde. Tas Entree der Synagoge und der lange liorridor, sowie das Hanptportal waren reichlich decorirr und das Innere des altcrthümlichcn Gebäudes war in einen Llnmengarten umgelvandelt. Ter Platz, den vor Jahre» Sir Moses cinilahm. lvar mit Grrirlanden verziert und ein Blumenkörbchcn, von der Schuljugend verehrt, »v»»rde auf dem Eitze angebracht. Der Nesie des Sir Moses, Mr. Gucdalla, übergab eine rrnn -»ca, welche Herr Tr. Adler, gefolgt von den Ehasonim und Parirosiin zur heiligen Lade trug. Ein Fremder aus Bayonne fang das ttw mit klangvoller Stimme. Tie Feier endete mit dem auch in allen «»»deren Synagogen vorgetragenen, von» verehrt. Ehief-Räbbi 0*2 eigens zur festlichen Gelegenheit verfaßten Gebet u»»d einen» Ehoral-Gesange (Psalm l50). Der Festgottcsdicnst in der Great Synagoguc (Tukesplaee) wurde vo»» Rcvd. M. Hast in höchst würdcvoller Weise abgchalten; Revd. Ashcr hielt die Festrede. Tie Synagoge war vor» festlich Gestinimten überfüllt. ' - — In der Ren-Synagoge hiclr der Dayoir Revd. Dlr. Spiers eine eindrucksvolle Festrede. Tie dritte Synagoge der Eity, (Hambro-Synagogc) schloß sich den beiden obengenannten in anerkennenswerther Weise a>». Ter Gottesdienst wurde von dem allgemein beliebten Revd. Mr. Gollau; nach alten» Ritus (ohne musikalische Begleitung) geleitet. — Telegraphisch wurde soeben von Brighton gemeldet, daß uiiser ehrwürdiger Ehics-Rabbi Tr. Adler selbst die Festrede dort mit kräftiger Stimme niid Begeisterung abgchalten hat. R a m s g a l e. Montag. 27. Tctobcr. Sir Moses Monresiore befindet sich beim besten Wohlsein. In seinem Privatgemache »vurde ein Festgottesdierrst abgchaltei». Tr. Hcrmann Adler leitete denselben. Zahlreiche Freunde sind amvcscnd. Große Vorbereitungen in der Stadt für morgen. — Extra - Vahnzüge gehen von London hierher und retour. Alle Hotels überfüllt. . Franksurt a. M., 27. Okt. Anläßlich des t00 jährige» (Geburtstages Sir Moses Montcsiore fand heute in der Realschule der isracl. Religionsgescllschaft eine sehr erhebende Feier statt, stiachdcm ein Ehorgesang dieselbe ringelcitcr, hielt Herr Tircctor Tr. Hirsch eine begeisterte Ansprache, worin er die Verdienste Sir Moses in humanitärer Beziehung und besonders zu Gunsten unterdrückter und nothlcidendcr Glaubensgenossen hcrvorhob und nainentlich betonte, daß er. ein streng orthodoxer Jude, nie Anstand genommen, diese seine Gesinnung bei jeder Gelegenheit ohne Scheu vor Mißverständnis» zu bethätigen. Daher sei unsre Schule, »vrlche den gleichen Prinzipiell gewidmet ist, zu dieser Frier in erster Reihe ebenso berechtigt, rvie verpflichtet. Außerdcin hat der Vorstand der isr. Religionsgescllschast eine künstlerisch ausgeführtc Adresse dem Jubilar überreichen lassen, deren Wortlaut hier folgt. Sr. Hochwohl geboren Sir Moses Montcsiore Bart :c. :c. :c. London, Hochwohlgeborener, Hochznvcrchrcndcr Herr! Ter ergebenst Unterzeichnete Vorstand der isr. Religions- Gesellschaft zu Frankfurt a. M. folgt nur dem Drange der ausrichtigen Gefühle seiner Hochachtung und Verehrung, wenn derselbe Ew. Hochwohlgeboren bittet, diese schlichten Zeilen als schwachen Ausdruck seiner und seiner Gemeinde innigen Anschluß an die Segen und Heil wünschenden Gesnhlc, entgegen nehmen zu wollen, »velche Ihr herannahender hundertjähriger Geburtstag auf »nettem Erdenrund in der Brust aller jüdischen Genossen »vachruft. Ist doch die jüdische Welt gewöhnt in dem Namen Montcsiore das Bild der opscrfrendigstcn Menschenliebe, der thatkräftigsten Hingebung für die Rettung und Hcilessörderung, leidender und von Erfahr bedrohter Brüder zu verehren, ist doch der 'Name Montcsiore der lebendigste (Kommentar zu dem Gottcsworte: Lo thaamod al dam vcpeha und das weithin leuchtende Beispiel, wie ein edler jüdischer Mann, die Mahnung salomonischer Spruchweisheit (Prov. 24) zu begreifen und zu bcrhätigen weiß: hazel lcknchin» lamaweth umatim lahercg im tachsoch und wird doch Ihr glorreiches und erfolgreiches Eintreten und Auftreten für unter Druck und Verfolgung leidende Brüder für alle Zeit der zu gleichem Licbeswcrke für allgemeines Interesse weckende Ausruf sein. Mögen Sic, Hochverehrter Herr, sich der Lebensdauer der Patriarchen erfreuen und Ihnen deren ungetrübter Segen backol mikol kol beschieden sein; mögen Sie die Zeit erleben, welche die Erfüllniig der Wünsche bringen wird, die Sie in einem so langen Leben für das Heil der Menschen im Allgemeinen und für Ihrer Brüder Heil in Besondere»»» aus Ihrem Herzen getragen, die Zeit in welcher nach den Worten des Propheten: „Gottes Hand die Thräne von jedem Angesichte trocknen „und die Schmach seines Volkes von der ganzen Erde „hinwegnehmcn wird." Mögen die g»»ien Wünsche alle in Ersüllung gehen, die jeder Menschensreund und jeder Freund des jüdischen Heiles schnei» zu Ihrem hnndertjährigeu Geburtstage zuwendct und die »vir, sowie die Gemeinde, die wir vertreten, aus volle»»» Herzen thcilen. -. - - Mit ausrichliger Hochachtung und Verehrung .. . . Ter Vorstaird der isr. Rclig.-Gesellschast zu Frankfurt a. M. (folgen die Unterschriften). Frankfurt a. M» im Marchcschtvan 5645.