Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 86 (30.10.1884)
- Date
- 1884-10-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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1412 geschildert hatte, stellte er das Verhältnis; des Gefeierten zum orthodoxen Jndenthume dar. -.p) «7i vzy «in , 22-77« «in '7 ’r ijr? in-jro;«Li ,103? /uro« (V?i „Erkennet, daß der Ewige Gott ist, Er hat uns gemacht, nnd Sein sind wir. Sein Volk nnd die Heerde Seiner Weide." Sir Moses Montefiore hat von Jugend auf sein Heil und sein Glück in treuer Anhänglichkeit für die Lehre unseres Gottes gesucht und gefunden. Als die sogenannte Reformbewegung auch in England hervortrat, ist Sir Moses ihr mit großem Eifer und bedeutendem Erfolge entgegengetreten, wiewohl Freunde und Verwandte zu den Gründern nnd Leitern der neuen Secte gehörten. Auf seinen weiten Reisen, zu Land und zu Wasser, in oft unwirthlichen Gegenden, hat er die Vorschriften des Iudenthmns auf das Sorgfältigste beobachtet; als Freund und Genosse von königlichen Prinzen und anderen vornehmen Herren ist er nie von den Geboten unseres Gottes gewichen. „Erkennt, das; der Ewige Gott ist, Er hat uns gemacht und Sein sind wir, Sein Volk und die Heerde Seiner Weide," das war die Devise seines ganzen Lebens. Der 2-rc bietet uns noch einen andern Sinn kn dem in Rede stehenden Verse dar. iiL'Z?. «in 12m« «71. „Er hat uns gemacht und nicht wir." Gerade in den Ländern englischer Zunge ist neuerdings häufig von seif made man „einem selbstgemachten Manne", das heißt, von einem solchen die Rede, der Alles nur sich selbst zu verdanken hat. Auch Sir Moses hätte sich so bezeichnen können; aber er hat es nie gethan. Sein ganzes, reines und hingebungsvolles Streben zum Besten der Menschheit ist eine Bethätigung der Worte des Psalmisten „Er hat uns gemacht und nicht wir, Sein Volk nnd die Heerde Seiner Weide." 10» 1272 1? mn, n7nn2 7ni7un, mira vnjnr i«i2 Und deßhalb sind heute die Schaaren der Andächtigen in fast allen Ländern der Erde in die Synagogen geeilt, um dem allgütigen Gott zu danken für all die Güte und Liebe, die Er unserm thenern Sir Moses erwiesen, daß Er ihn ein so ungewöhnlich hohes Lebensalter hat erreichen lassen, das; Er ihm des Körpers Kraft und der Geistes Frische erhalten, tuib die Anerkennung und Verehrung seiner Mitmenschen ihm hat zu Theil werden lassen, maio« im in non 22713-7 ,'7 210 '2. „Denn gütig ist der Ewige, ewig währet seine Liebe und von Geschlecht zu Geschlecht seine Treue." Gott ist die unendliche Güte. Das erfahren wir nicht nur bei außerordentlichen Vorkommnissen, sondern immer, ewig. — Unsere Weisen lehren, daß wir dadurch Gott nachwandeln, daß wir uns Seme erhabene Eigenschaften zum Muster nehmen und ihnen nachstreben. -Wie Er barmherzig, so sei auch Du barmherzig, wie Er gnädig, so sei auch Du gnädig." Was ich Euch, meine Brüder nnd Schwestern von den großen Thaten unseres Sir Moses erzählt habe, das sind nur Einzelheiten. Aber seine unendliche Güte, seine unaussprechliche Liebe für alle Menschen und namentlich für die Armen nnd Unterdrückten, entzieht sich jeder Beschreibung. Davon dringt wenig zu uns m die Ferne, davon wissen nur die Leute zu erzählen, die zu seiner nächsten Umgebung gehören. Wahrlich es ist etwas Himmlisches, etwas Göttliches, solch ein für alles menschliche Leid theilnahmsvolles Herz! Malen wir uns Int Geiste eine Scene aus dem thatenreichen Leben des Jubilars aus. In Damaskus schmachten neun unschuldige Glaubensgenossen in finsterm Kerker; ihre Gliedmaßen sind durch die Tortur zermardert; in dumpfer Verzweiflung sehen sie dem Tode entgegen. Da geht im fernen Westen ein Schiff ab, das ein ihnen unbekannter Mann, eine ihnensremde Frau besteigen, und den Bemühungen des edlen Ehepaares gelingt cs, die Pforten des Kerkers zu offnen und die Gefangenen der Freiheit, dem Licht nnd bem Leben wiederzugeben. Ist das nicht etwas Himmlisches, Göttliches? : 12010« 7171 717 7]?1 „Und von Geschlecht ZN Geschlecht währt Seine Treue." Und auch das ist ein beglückender Moment unserer Feier: das Bewußtsein die Ueberzeugung, daß Gottes Liebe und Treue uns niemals verlassen mtb uns bleiben werden bis zu den spätesten Ge-- schlechtern. In jedem Zeitalter hat Er uns Männer erstehen lassen, auf die wir mit gerechtem Stolze und mit freudiger Genngthuung blicken dürfen, die jedes Zeitalter sich als Musterbilder, wählen darf für das eigene Streben. So wollen denn auch wir, dem erhabenen Beispiele Montefiores folgen, mit alter unserer Kraft einstehen für unsere heilige Gotteslehre, mit alter unserer Kraft uns bemühen nm das Wohl unserer Mitmenschen! -;! ’ ' Der Redner nahm dann die Thorarolle aus der heiligen Lade nnd sprach das im Programm vorgeschriebene Gebet in hebräischer und deutscher Sprache, worauf der Synagogenchor den iov. Psalm vortrug. Mit dem Maariw-Gebete schloß die' erhebende Feier. ■ . ... .......: