Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1884)
- Date
- 1884-10-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1404 gewöhnt ist, ans einfachen Silben zusammengesetzte Wörter zu lesen; das; ferner auf den schwierigsten Theil, die Behandlung des K'v, elf U verwandt werden; und endlich, daß der A n h a n g eine ausreichende und praktische Auswahl von Gebeten, Segenssprüchen und hebräisch-deutschen Leseübungen enthält. Der Druck ist größer und sorgfältiger als in den früheren Auflagen, und so hat die Fibel auch äußerlich gewonnen, Wir können sie mit gutem Gewissen zur verdienten, weiten Verbreitung empfehlen. Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Aus der Provinz Sachsen. Gönnen Sie auch mir, sehr geehrter Herr Nedacteur, einmal das Vorrecht, in Ihrem geschätzten Blatte das Wort ergreifen zu dürfen. Wir Juden in der Provinz Sachsen, insbesondere diejenigen, die zur Diöcese Magdeburg gehören, deren religiöses Oberhaupt Dr. Rahmer ist, haben, was unsere Gesetzestreue anbelangt, keinen besonder» Nuf. Und wohl mit Recht. Doch wen trifft die Schuld? Seit Dr. Güdemann's Zeiten sind wir baar jedes religiösen Zuspruchs, der fördernd und veredelnd auf die Zuhörer wirken könnte und der im Stande wäre, ein im Zweifel begriffenes Gemüth auf den Weg des Glaubens znrückzuführen. Nicht etwa, daß unser weither Rabbi Rahmer nicht in seinen Predigten raisonnirte, wer aus meinen Worten dies entnimmt, zieht einen nicht berechtigten, falschen Schluß. Im Gegenthekl: Raisonnkren ist seine Stärke, und gegen alte Parteien zieht er zu Felde, um zu zeigen, daß er sie gleichmäßig liebt. Vor Allem werden die Orthodoxen abgekanzelt, und hierbei wendet er sich nicht nur an das winzig kleine Häuflein in seiner eigenen Gemeinde, sondern gegen Alle, ob Groß, ob Klein, ob nah, ob fern, welche noch mit Gewissenstreue alle Vorschriften der Thora beobachten. Ich will nicht Zwietracht säen, aber auch die verehr!. Redaction des „Israelit" kommt nicht glimpflich dabei fort. Dann wendet sich die Predigt an die seinem Herzen Näherstehenden, an die Indifferenten, Freidenker, Neologen und wie all' die Schattirungen heißen mögen. Mit wahrer Donnerstimme weist, er sie zurecht, daß sie so spät in die Synagoge kommen, und hält ihnen ihre Gleichgiltigkeit gegen ihre angestammte Religion vor. Und wie ist der Eindruck, den er hervorruft? Gin Zug seltener Einmüthigkeit geht durch die versammelte Gemeinde, und Alle sehen m seinen Worten einen neuen Beleg des alten Spruches: Den Splitter im Auge des Nächsten erkennt er wohl, aber nicht den Balken km eigenen. Brauchen wir früher anwesend zu sein, wenn unser Seelsorger, der doch dafür reichlich dotirt wird, selbst erst um 8l/a Uhr an den heiligsten Tagen im Jahre, am Roschhaschono und Jomkippur km Tempel erscheint? Wahrlich, wer so handelt, begibt sich des Rechts, Moral, wenigstens wirksame Moral, predigen M dürfen. Am Jomkippnr wandte er sich in der Predigt an die mit Kindern gesegneten Gemeindemitglieder, tadelte sie wegen der großen Nachlässigkeit in Bezug auf die religiöse Erziehung ihrer Kinder, und forderte sie auf, ihren heiligsten Verpflichtungen nachzukommen und ihre Kinder die Wohlthatdes Neligionsnnterrichts genießen zu lassen. Schickt sie in die Religionsschuke, damit sie erkennen lernen den Geist des Judenthums und den tiefen Sinn seiner Satzungen. Nicht bekrittelt dursten solche Worte werden, sondern eifrig beherzigt, denkt jeder Leser Ihres weitverbreiteten Blattes gewiß. Goldene Worte, wohl würdig, am Jomkippnr ausgesprochen und von einer ergriffenen Gemeinde andachtsvoll ausgenommen zu werden! Auch ich stimme mit ihnen überein, und hätte ich das Glück, Kinder zu besitzen, wie gerne wollte ich sie die göttticheu Gebote kennen und lieben lehren. Aber gemach! Gar manches anscheinend harmlose Ding hat seinen gar häßlichen Flecken; auch in der Religionsschule zu Magdeburg herrschen Zustände, von denen ein Beobachter der Verhältnisse gern die Augen abwendet. Das Directorat der Schule ruht in den Händen des Dr. Rahmer, der bei dem großen fachmännischen Verständniß, das er sich kn jeder Versammlung zu geben beliebt, dennoch nicht km Stande ist, die rechte Disciplkn unter seinen Schülern aufrecht zu erhalten. Doch das nur nebenbei; Hauptsache aber ist die, daß ein Herr Max Weinberg, intimster Freund Rahmers, seines Zeichens Cifeubahnsecretär, trotzdem er E"' und rctr regelmäßig an diesen wie all den Wochentagen seinen Berufsgeschäften nachgeht, als erster Lehrer an der Religionsschule angestellt ist und von Rahmer sehr geschätzt wird. Es sind haarsträubende Zustände, und Jedem, der Sinn für unsere heilige Religio» hat, wird das Herz bluten, wenn er bedenkt, wie viel Unheil aus solchem Beispiel erwächst. Was nutzt es Euch, Ihr zärtlichen Eltern, wenn Ihr Eure Kinder im Hause zur Ausübung der strengsten Wahrheitsliebe anhaltet, wenn Ihr von ihnen jede Lüge fernzuhalten sucht, wenn Ihr sie eine Stunde später einer Schule und einem Lehrer anvertrant.