Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 85 (27.10.1884)
- Date
- 1884-10-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1307 die Auffassung, daß sie die Gefühle des katholischen Klerus verdolmetscht hatten. An Allem, was dieser Herr Zimandy da ausgekramt hat, ist natürlich kein wahres Wort. Es sind die entsetzlichen Verläumduugen der Rohling und Justus, die längst als abscheuliche Lügen nachgewiescn worden sind. Immer wieder und wieder werde» diese grauenhaften Märchen aufgetischt und verbreitet. Daß dieser Herr Abgeordnete nur jenen Lügnern nachschwätzt, ergibt sich deutlich aus seinen eigenen Worten, da er Vital (Rabbi Chajim Vital blühte gegen Ende des sechszehnten Jahrhunderts) als einen Mitlebenden darstellt, und da er glaube» machen will, daß das Buch „Sohar" im Jahre 1880 entstanden sei. Das genannte Buch hat ein Alter von circa fünfzehnhundert Jahren; selbst die strengsten Kritiker geben zu, daß es jedenfalls circa 700 Jahre alt ist. Aber das ist ganz gleichgiltig; weder hat Vital jemals derartige Dinge geschrieben, noch findet sich im Sohar auch nur eine Spur von dem von .Herrn Zimandy Vorgcbrachten. Hoffen wir zu Gott, daß die böswilligen Verleumder zu Schanden werden und daß alle Welt erkenne, daß unsere heilige Religion ist eine Lehre der Wahrheit, des Rechts, und der Liebe. Die Mtttöeschuldigttng Zudenmetzekei in N i s h n i - N o rv g r o d. Den nachstehenden Bericht über die gerichtliche Verhandlung des in der Ueberschrist genannten Vorgangs überschickt uns unser Correspoudent mit der Bemerkung, daß dieser Bericht wahrscheinlich der einzige sein wird, der in die Öffentlichkeit dringt, indem das Gericht die Pnblicirung eines Reports auf das Strengste untersagt hat, die Verhandlungen bei verschlossenen Thören stattfanden und Stenographen nicht zngelassen wurden. Der Bericht lautet: Auf Befehl des Ministers des Innern und auf Grund des § 18 des kleinen Belagernngszustandes wurden dein Kriegsgericht 72 Personen, die an der Judenmetzelei vom 7./8. Juni Thcil gcnommen hatten, übergeben. Das Gericht begann seine Sitzung am Dienstag den 2./14. Oktober, tut Gebäude des Nishni-Nowgoroder Kreisgerichts. Präsident General-Major Riesenkampf. Procuror Vogdaroff. Secretär Michalowsky. Vcrtheidiger Plewaks, Grawz Skorobogatz und ein Officieil-Verthcidigcr, der das Interesse der Opfer vertrat. Prschewalsky und Malinin, Richter. Offiziere und Oberste der hier qnart. Regimenter. Um ‘.Ul0 Uhr Morgens wurden die Angeklag-? teu in Begleitung einer Compagnie von Truppen nach dem starkbcwachtcu Gerichte gebracht. Der Platz vor dem Gebäude war von Neugierigen gefüllt.' Nachdem der Präsident die Richter den Eid hat leisten lassen, die Zeugen aufgernfen und die Angeklagten nach ihrem Namen, Alter und Berufe gefragt hatten, begann man mit der Vorlesung der Anklageakte. Auf die vom Präsidenten an die Angeklagten gerichtete Frage, ob sie sich schuldig bekennen. erfolgte eine durchweg verneinende Antwort. Nachstehend lassen wir einen Auszug aus den: Anklageakte nach einer Sitzung von 7 Tagen folgen und theilen den Ausspruch des Gerichts der heute (am 9/21. October) um 4 Uhr Morgens erfolgte, mit. Das Gericht erkannte: IO Mann schuldig des Mordes und Raubes (bei erschwerenden Umständen) und verurtheilte sie zur Deportation nach den Bergwerken, 46 Mann schuldig der Zerstörung von Wohnhäusern (des Diebstahls nicht), und erhielten diese Gcfüngnißstrafen von verschiedener Zeitdauer, 16 Mann wurden freigesprochen. Am Schluffe des Berichtes werden wir eine genaue Qnalifieation der Beschuldigung und des Urtheils geben. - Am 7. Juni um 9 Uhr Abends überfiel ein großer Haufe die im bakaryschen Stadttheile der Stadt Nischni-Nowgorod. wohnhaften Israeliten, zerstörte ihre Wohnungen, plünderte ihre Habe und tödtcte neun Personen. Die nächste Veranlassung zu diesem Verbrechen gab folgender Umstand: die l1/* Jahre alte Tochter der Bäuerin Rogschina, Amra, stürzte in die Pfütze; 2 Jndcumädchen Rosa Bloch (10 I. alt) und Sara Pcißakora (7 I. alt) nahmen das Kind aus dem Schmutz und führten cs, wie sie erklärten, zu der Mutter desselben. Diese Letztere, welche unterdessen das Kind vermißt, fing es zu suchen an nndals sie die zwei Jndenmädchen gewahrte, fing sic zu schimpfen an nnd. schrie, daß sie das Kind hätten tobten wollen. Die erschreckten Mädchen flüchteten nach dem Hanse Baboschkin, wo sich die Ortssyna- - goge, die Wohnung des Lehrers Solotowitsch befand; im untern Stockwerk dieses Hauses wohnte der Jsr. Bloch mit Frau und 7 Kindern. Roginschiua mit dem Kind auf den Händen begann nun die in der Synagoge zum Gebet versammelten Israeliten zu schimpfe», wobei sie zu schreien fortfnhr, daß die