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Der Israelit · 1884-10-27 · Heft 85 (27.10.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 85 (27.10.1884)
Date
1884-10-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1396 des zu Tage zu fördern! Das Jndenthum wird von so schmählichen Angriffen nicht berührt werden. Noch schlimmer als in Galizien gehen die Antisemiten im ungarischen Reichstage vor. In demselben fand am 19. Oktober eine peinliche Antisemiten-Debatte statt. Aus den letzten ungarischen Wahlen ist bekanntlich eine Gruppe verstärkt hervorgegangen, die man schlankweg als die Antisemiten-Partei bezeichnet und die sich diesen Namen ruhig gefallen läßt. Diesen Leuten sagte gelegentlich der Adreßdebatte der Abgeordnete Lusbach mit vollem Rechte, man könne sie als Partei gar nicht in Betracht ziehen, denn ihr Programm stehe im Widerspruche mit aller Moral. In dem Maße, wie dieser Redner fortfuhr, die Hetzereien der Antisemiten zu geißeln , steigerte sich der Lärm und die Wuth der Angegriffenen, sie ließen es aber, abgesehen von einer die allgemeinste Heiterkeit erregenden antisemitischen Philippika des Priesters Komlossy, bei allerlei Zwischenrufen bewenden, um am nächsten Tage mit desto gröberem Geschütz aufzufahren. Der katholische Geistliche Ignaz Zimandy war cs, der unter dem Schutze der Immunität die Juden in einer Weise angriff, die nur lächerlich erscheinen würde, wenn ein solches Gemisch von Blödsinn und Bosheit nicht gerade in Ungarn Gefahren nahe rückte, die au die finstersten Zeiten des Mittelalters erinnern. Zimandy betrug sich so, daß ihn der Präsident daran erinnerte, wo er sich befände und ihm mit Entziehung des Wortes drohte. Wir lassen nachstehend nur einen Passus aus dem Bericht über diese unerquickliche Verhandlung folgen: Zimandy zählt eine unendliche Liste von talmudischen Werken, auf, die er gelesen und studirt haben will. Er hat daraus gelernt, daß der Jude mehr dem Rabbiner gehorchen soll, als der Bibel und den Propheten. Nach den Daten des Talmud sei jeder Schächter oder Rabbi unfehlbar. Redner verliest angeblich Citate aus rabbinischcn Werken und gebraucht dabei einen so unfläthigeu Ausdruck, daß von allen Seiten stürmische Rufe: Zur Ordnung! erschallen und das ganze Haus in lange anhaltende Bewegung geräth. Präsident (energisch läutend): Wenn der Herr Abgeordnete nochmals einen solchen Ausdruck gebrauchen sollte, so werde ich ihm sofort befehlen, sich niederzusetzen. Er möge dein Hause seinen Respect bezeigen, das ist seine Pflicht als Ungar. Zimandy fährt unter großer Unruhe mit seinen Citaten fort und behauptet, daß die Rabbinen in ihren Werken die Christen nur Esel, Schweine, Wildschweine und blutrünstige Geschöpfe nennen. (Stümische Rufe: Genug! Genug! Aufhören! Gehen wir hinaus! Biele Abgeordnete verlassen den Saal.) Zimandy fahrt fort, zu erzählen, was er in alten jüdischen Gebetbüchern gefunden haben will. Präsident: Ich bitte, ich höre mit großer Geduld Ihre Elucnbratkonen an. (Lebhafte Zustimmung rechts.) Nachdem Sie jedoch aus jener Zeit des Alterthums, in welcher jede Confession ihre Glaubenslehren mit Fanatismus verbreitete.Zimandy: Ich will schon schließen. Präsident: Nachdem Sie, wie gesagt, JhreRaisonuements auf ans alter Zeit stammende Lehren stützen und hieraus Ihre Wagen zur Anfachung von Zwistigkeiten schmiede», während doch jeder gebildete Mensch heutzutage Religionsfreiheit und Duldung verkündet (lebhafte Zustimmung rechts), so ist es meine Pflicht, wenn Sie sortfahren, solche Ausdrücke hier zu gebrauchen und zu Hetzen, Ihnen das Wort zu entziehen. (Lebhafte Zustimmung rechts, Bewegung links.) Amandy (sortfahrend): Ich beschließe meine Rede mit dem Hinweise, daß meine Quellen nicht aus dem Mittelalter stannnen. Jur Jahre 1864 erschien das Werk von Vitale, worin wörtlich steht, daß alle Christen gottlos und daß das Vergießen des Blickes christlicher Jungfrauen ein gottgefälliges Werk sei. (Bewegung.) Ich werde Ihnen das im Original zeigen. Unter dem Titel „Sohar" erschien im Jahre 1986 ein jüdisches Werk, welches bereits 22 Auflagen erlebt hat. Darin wird mnständlich geschildert, in welcher Weise die Christen abgeschlachtet werden muffen. Die Sache hat ungeheures Aufsehen in Ungarn erregt, denn so rücksichtslos sind die Hetzereien der Antisemiten noch nicht an den Tag getreten. Sämmtliche Pesther Blätter besprechen den Vorfall im Tone des Bedauerns. „Pesti Naplo" meint, man müsse sich schämen, daß die Hallen der ungarischen Gesetzgebung in solcher Weife geschändet wurden. „Nemzet" vergleicht Zimandy mit einem fanatischen tanzenden Derwisch, der sich geberdet, wie wen» er von Opium berauscht wäre. Wie groß die Entrüstung unter den Abgeordneten selbst ist, beweist der Abgeordnete Fenyerrssy, der sich in der folgenden Sitzung zu dem ungerechtfertigte» Vorwurf hknreißen ließ, Tisza begünstige die antisemitische Agitation. Tisza antwortete, wie ein Telegramm nuferes Blattes meldete, in längerer Rede und serttgte den Anttsemiüsmus in schärfster Weise ab. Er erklärte, er werde die_antisemittfchen Lehren aufmerksam verfolgen, um eine Verbreitung derselben und eine Vergiftung des Volkes soweit nur möglich z» verhindern. Der .katholische Priester Janoffy verwahrte sich übrigens gegen die autisemitffchen Reden der Priester Zimandy und Kamlosy, sowie gegen

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