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Der Israelit · 1884-10-27 · Heft 85 (27.10.1884) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 85 (27.10.1884)
Date
1884-10-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1398 Juden ihr das Kind haben abschkachteu wollen. Auf dieses Geschrei versammelten sich viele Neugierige, die jedoch anfänglich nicht die geringste Feindseligkeit gegen die die Synagoge verlassenden Israeliten verriethen. Unterdessen verbreitete sich das Gerücht, daß die Juden ein Christenmädchen getödtet hätten und als der Polizeicommissar Linbinoff einschritt und zur Beruhigung des Volkes die Rogoschina mit dem Kinde hcrbeiführte, konnte er nicht mehr der Wnth des Pöbels Einhalt thnn, welcher nun die Fenster einschlng, sich in die Synagoge stürzte und alles hier zertrümmerte und plünderte, wobei nicht nur alles bewegliche Gut, sondern auch die Fenster, Thüren, Dachrinnen, ja sogar das Dach des Hauses Baboschkin zerstört wurde. Unterdessen wurden die im unteren Stockwerk wohnenden Baruch Bloch, dessen Frau und zwei Söhne David und Isaak herausgeschleppt, ihnen die Kleider vom Leibe gerissen und buchstäblich zerfleischt. Dasselbe widerfuhr dem daselbst zufällig befindlichen Moses Gerschcnowitsch; verstümmelt, blutend, entfloh er nach dem Hause Baboschkin wurde hier jedoch im oberen Stockwerk aufgcfunden und von dort auf die Straße gestürzt und von hier nach dem nächsten Polizeiposten gebracht. Die entfesselte Menge stürzte sich jedoch auf diesen Posten und entriß den schon halbtodten Körper des verstümmelten Gerschcnowitsch dem Gendarmen Lawtschink, dcmProtocolliften Nicohx nnd einigen Schutzmänner»!!. Nach einer gräßlichen Mißhandlung verschied Gerschcnowitsch bei dem Polizeiposten. Nach der Zerstörung des Hauses Baboschkin mib des obenerwähnten Mordes bewegte sich der Haufe gegen das Haus Trunoff, wo sich im 2. Stockwerk das Comptoir des Kaufmanns Deizelmann befand. Das Haus wurde sofort umringt, mib ein Regen von Steinen verkündete den Einwohnern die Gefahr. In diesem Augenblicke befanden sich bei Deizelmann die Jsr. Trnpianscy mit dessen Frau, Arkin, dessen Frau und 2 Kinder desselben, außerdem Kalman Dasorzef, Koyylowsky und Golden; als der Haufe ins Comptoir eindrang, flüchteten sie sich nach dem Magazine des Hauses und versteckten sich daselbst. Unterdessen wühtete der Pöbel im Geschäftslocal, zerstörte Alles und warf die werthvollen Sachen, darunter auch einen eisernen Gcldschrank, auf die Straße. Von dem Haufen der Leute drang eine große Anzahl in das Magazin, schleppte von dort den daselbst versteckten Deizelmann heraus und begann ihn mit den Fäusten, Füßen, mit Brettern u. drgl. derart zu mißhandeln, daß er am nächsten Tage um 1 Uhr in dem städtischen Krankenhaus starb. Ebenso grausam wurde Arkin gemißhandclt und vom 2. Stockwerk auf die Straße gestürzt, wo ihn der Haufe tödtete. Popylowsky gelang es, sich loszureißen; er wurde jedoch eingeholt und grausam ermordet. Golden verfolgte man unter fortwährender Mißhandlung bis zum Moskauer Polizeiposten, von wo er nach dem bakaryer'schen Commiffariat gebracht wurde nnd daselbst am nächsten Tage starb. Die gemißhandelten'und verwundeten Kalman und Dosozew blieben zwar am Leben, letzterer verfiel jedoch in Wahnsinn. Die übrigen im Magazin versteckt gewesenen Israeliten retteten ihr Leben nur dadurch, daß es ihnen gelang, das Dach des nächsten Hauses zu erreichen und in diesem Hanse einen Schlupfwinkel zu finden. Nach Verübung der erwähnten Verbrechen im Hanse Trunoff ging ein Theil des Haufens auf das Hans Kupermann aus der „2. Linie" los und zerstörte es nicht. Dank dem Umstand, daß die christlichen Einwohner dieses Hauses den Pöbel versicherten, daß Kupermann in diesem Hause sich nicht befindet; von hier bewegte sich die Menge nach dem Hause Tschernoff auf der Nowinskaia 're., wo sie Alles zerstörte nnd plünderte. Die andere Hälfte des Haufens überfiel die Häuser Podmareff nnd Serebrückora auf der Alexanderstraße, zerstörte und warf Alles auf die Straße und plünderte die werthvolleren Sachen. Nach der Verwüstung derAlexanderstraße wandte sich der Haufe gegen die Elisabeth ftraße, überfiel das Haus Klimpf, wo die Jüdin Sara Schiberer, hier „Sofia Jrichonowa" genannt, wohnte. S. Sch., deren Gemahl und Enkelin retteten sich nur dadurch, daß Klinoff und der in demselben Hause wohnende Kusneozoff sie von dem Herannahen des Haufens benachrichtigten; nach einer Viertelstunde überfiel man die Wohnung der Schiberer und zerstörte und plünderte sie, während die Familie Sch. bei der Schwester des Klimoff versteckt waren. Die Freude hörte erst um ein Uhr, Nachts, ans, nachdem das Heranrücken von Truppen bekannt wurde. In derselben Nacht und den nächsten Tagen wurden viele Personen als an der Vetheilignng an der Meuterei verdächtig und überführt verhaftet. 1) A. Jakowleff (15 Jahre alt), W. Lewridoff, Kasokoff, W. Semenoff Lawotschnikoff, Koffarin, Batonof, Dmitriyeff Kopytin, Andreyeff, Selenin Kalinin, Klingess Shelobayeff Nasaroff, Kondratyef, Kotilef, Barfukoff, Abramoeff, Machinin Larisnoff, Durandin, Panoff, Adaloff und Lernstoff — in der Nacht des 7./S. Juni in Nishny-Nowgorod, aufgeregt durch das falsche Gerücht, daß die Juden ein Christenkind getödtet hätten, in der Absicht an den Juden Rache zu nehmen, gemeinschaftlich mit andern bei der Untersuchung nicht entdeckten Personen die Häuser Baboschkin, Trunoff, Sercbrnakora, Tschernoff und Klimoff. in denen Juden

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