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Der Israelit · 1884-10-27 · Heft 85 (27.10.1884) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 85 (27.10.1884)
Date
1884-10-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
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XXV. Jahrgang. M 88. ♦ E i n Kentrat - Grgan für das orthodoxe ZudenLfimn. Herausgegeben von Vr. Lehmann in Mainz. Monag, den 27. Oktober 5645 (1884). Bezugsbedingungen und JnhaltSvcrzeichniß befinden fich am Schluffe des HanptblatteS. Leitende Artikel. Die Antisemiieü in Galizien und in Ungarn. Mainz, 23. October. Wir haben über den Prozeß Ritter in diesem Jahre wie im vorigen Jahre ausführlich berichtet. Atz derselbe im vorigen Jahre zuerst zur Verhandlung kam, versuchte die Staatsbehörde ein religiöses Motiv unterzulegen. Bei der diesjährigen Verhandlung in Krakau hat selbst die Staatsbehörde dieses Motiv, da zu demselben auch nicht der allerentfernteste Grund vorlag, fallen lasten. Trotzdem richtete der Abgeordnete Merunowiez im galizischen Landtage die folgende Interpellation an den Vertreter der Negierung: „In Erwägung, daß, wie die Krakauer Gerichtsverhandlung über den Mord in Lutcza ergeben hat, im Lande von den Juden ans religiösen Motiven ein schreckliches Verbrechen begangen und von ihnen sogar ein Christ zur Mitwirkung an dieser Unthat durch Pression verleitet wurde; in Erwägung, daß ein derartiger religiöser Fanatismus für Andersgläubige auch fernerhin bedrohlich sein müsse, möge der Negierungsvertreter erklären, ob die Negierung nicht geneigt wäre, die Sammlungen religiös-sittlicher Satzungen und Ueberlieferungen der Juden, besonders in Beziehung auf rituelles und bürgerliches Recht einer Revision zu unterziehen, ferner zu untersuchen, inwieweit diese Satzungen mit den in Oesterreich geltenden Gesetzen und mit den speciell für die Juden erlassenen Normen im Widerspruche stehen, und ob die Negierung es nicht für nothwendig erachtet, ihr Anfsichtsrecht und ihre Eontrole auf jüdische Institutionen zu dem Zwecke' zu erweitern, damit gemeingefährliche Lehren unter den Juden in Hinkunft keine Verbreitung mehr finden." Nach Verlesung dieses merkwürdigen Schriftstückes riefen Graf Alfred Petocki und Nowanowicz: Wer hat denn das unterzeichnet? worauf der Schriftführer die Namen der fünfzehn unterfertigten Abgeordneten Nozwadowski, Plawicki, ferner mehrerer Geistlichen und eines Bezirkshauptmanncs aufzählt. Es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß kn einer so hohen Versammlung, wie die Landesvertretnng, solch ungeheuerliche Dinge vorgebracht werden können. Die reine und erhabene Lehre des Judenthums wird in der schmählichsten Weise verdächtigt, die Lehre des Jndenthnms, die da den Ausgangspunkt bildetder andern positiven Religionen! Gott, der Herr, hat sich vor mehr als drei Jahrtausenden unserm Volke ans Sinai offenbart, midie erleuchteten Grundsätze, die damals verkündet wurden, sind die Grundlagen aller Gesittung geworden in sämmtlichen civilisirtcn Staaten der Erde. Seit länger als achtzehn Jahrhunderten leben wir zerstreut unter den Nationen der Erde als treue Bürger der verschiedensten Staaten. Der Lehre des Jndenthnms gemäß stn xmr’pm sn, daß die Staatsgesetze stets zu achten und zu beobachten seien, haben sich unsere Väter sowohl, wie wir, trotz mannigfacher Unterdrückungen und Verfolgungen, als getreue Unterthanen unserer Fürsten, als patriotische Söhne des Vaterlands bewährt. Und nun dürfen es ein Merunowiez und vierzehn Genossen wagen, der Geschichte und der vielhundertjährigen Erfahrung zum Trotz, solche wahnsinnigen Beschuldigungen vor den Vertretern ihres Kronlan-

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