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Der Israelit · 1884-10-23 · Heft 84 (23.10.1884) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 84 (23.10.1884)
Date
1884-10-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1383 Erwachsener auf die Beamten cm und forderte nnter Aridrohung von Gewaltthätigkeiten die.sofortige Freilassung... jener.. Die Beamten . entsprachen der Forderung, da sie sich der andringenden Menge nicht gewachsen fühlten. Bausemer versuchte an der Spitze eines Trupps junger Leute mit Gewalt in das am Markte belegene Haus des Kaufmanns Posener einzudringen. Dort durch die Polizei gehüldert, zog er wieder der Menge voran, die Preußische Straße entlang, erbrach die Ladenthür beim Kaufmann A. Behrendt und rief der Menge zu: „Kommt doch mit rein!" Auch Böhnke ist als Rädelsführer zu betrachten, wenn er auch nur der Menge voranzog und „Hepp, hepp, hurrah!" und „Juden raus!" rief, dadurch aber die letztere zur Verübung von Gcwaltthätigkeiten aufstachelte. Nach Vernehmung der Angeklagten wurde eine kurze Pause gemacht, und hierauf das Verhör aller Zeugen in ununterbrochener Reihenfolge zu Ende geführt.^ Die Belastungszeugen bestätigen durchweg den Inhalt der Anklage. Morgen finden die Plaidoyers statt. : . Köslin, 21. Oct. Nach Feststellung der für die Geschworenen bestimmten Frageil begründet der Staatsanwalt die Anklage und beantragt, alle Angeklagten der Thcilnahme am Landfriedensbruch schuldig zu sprechen. Die Vertheidiger plaidiren für Nichtschuldig resp. für das Vorliegen groben Unfugs, oder wenigstens für nrildernde Umstände. Nach der Replik des Staatsanwalts und der Dupltfcn der Vertheidiger beantragen letztere, die eventuelle Frage an die Geschworenen zu richten, ob nicht blos grober Unfug vorliege. Der Gerichtshof beschließt, dem Anträge stattzugeben. Hierauf ziehen sich die Geschworenen zurück. Köslin, 21. Oct. Die Geschworenen erklärten Earl Patzwald und Raab des schweren Landfriedensbruchs mit mildernden Umständen, Pirich und Bausemer des einfachen Landfriedensbruchs, Friedrich Patzwald und Bechert des groben Unfugs schuldig, Klabundt und Boehnke für nichtschuldig, worauf letztere beide freigesprochen werden. Friedrich Patzwald und Bechert erhalten je sechs Wochen Haft, die als durch die Untersuchungshaft verbüßt angesehen wird, Pirich sechs Monate, Bausemer ileuu Monate, Carl .Patzwald zwei. Jahre, Raatz drei Jahre Gefängniß; bei den vier Letztgenannten werden je drei Monate Untersuchungshaft auf die Sttafe.Mgerechnet.^-; >•!•!«•('*•».!*»<* üfi J;';jpi r: i Oesterr-Ungar. Akouarchi^ pr;; Wien, 26. September. Herr Prof. Dr. Hermann Edler von Zeißl wurde heute Morgens zur. Erde bestattet. Die berühmtesten Vertreter der me-, dizinischen Fakultät unserer Hochschule, sowie zahlreiche Acrzte, Verehrer und Freunde des Dahinge-; schiedenen gaben ihm das letzte Geleite. Er war: der erste jüdische Professor an der Wiener Hoch- - schule und hätte diese Stellung einzig und - allein seinen ausgezeichneten wissenschaftlichen Leistungen - zu danken. Wie so viele Aerzte früherer Zeit, hatte er in der ersten Jugend Talmud studirt und seinen , Geist an der Lösung halachischer Probleme frühzeitig geschärft. Vor mehreren Jahren schenkte er noch dem Prediger Dr. Jellinek das Werk des Alfast in einer älteren Ausgabe aus ' seiner Bibliothek. Dr. Jellinek hob in der Gcdächtnißrede, die er dem verewigten ausgezeichneten Forscher, Denker und Systematiker widmete, besonders hervor, daß er treu zur Wiener Cultus-Gemeiude hielt, der er zur Ehre gereichte und die auch den Verlust eines so hervorragendenden Mannes auf dem Gebiete der Wissenschaft betrauert . *. Pesth, 11. Oct. Dem Adreß-Entwurf der liberalen Partei entnehmen wir folgende Stelle: Es sind große und schwere Aufgaben, aller- , durchlauchtigster Kaiser und Apostolischer König, an die wir zu gehen haben; dessenungeachtet zwei-, feln wir nicht, das; deren Lösung uns gelingen wird,: wenn wir auf die energische Mitwirkung aller Schichten nuserer lebenskräftigen Nation rechnen können. Diese Mitwirkung zu ermöglichen, ist für uns ein Grund mehr, daß auch wir alles dasjenige beseitigt zu sehen wünschen, was den inneren Frieden und das brüderliche Einvernehmen gefährden, und durch solche Reibungen, welche, sei es aus Unwissenheit oder böswilliger Berechnung, zwischen den Racen, Confessionen oder Classen hervorgerufen werden, sei es auch nur einen geringen Theil jener geistigen und materiellen Kraft der Nation lahmlegen könnte, deren Geltendmachung in vollem Maße wir so dringend benöthigen, damit unsere auf das Wohl aller Staatsbürger gerichteten Bestrebungen von dem erwünschten Erfolge gekrönt werden. . - . Ungarn verdankt seinen tausendjährigen Bestand und seine Blüthe dem Umstande, daß. es immer, unter dem erhabenen Banner der Freiheit fortge- ’ schritten ist, unter dem Banner jener Freiheit, welche : jeden treuen Sohn dieses Vaterlandes mit gleicher Liebe umfaßt, welcher Race, welcher Confessio»,

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