Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 84 (23.10.1884)
- Date
- 1884-10-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1381 und mehr als alles Irdische sollen wir liebe» die Lehre unseres Gottes, von der es heißt: (Psalm 119. V. 185). ' :wro iv7 rNV-|min n „Viel Frieden, denen, die Deine Thora lieben; sie werden niemals straucheln." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Den t s ch l a u d. Nürnberg. Inkonsequenz scheint im Prinzip der „Breslauer Schule" zu liegen. Wenn man unfern Rabbiner Herrn Dr. Ziemlich auf der Kanzel donnern hört, so sollte man glauben, man habe cs mit einem großen Ehosid zu thun. Doch hören Sie folgende Thatsache und urtheilen Sie selbst darüber. - Eine größere Anzahl Lateinschüler trat in eorpore vor ihren Rector mit der Bitte: am 1. Tag Sukkos, der zugleich auch Sabbat sei, vom Schulbesuch dispensirt zu werden. Der Herr Rector willigte sofort in freundlichster Weise ein, jedoch mit der Bedingung, daß sie zuvor vorn Rabbiner die schriftliche Einwilligung hierzu beibringen sollten. Zuversichtlich ging nun die Knabcnschaar mit gleichem Ersuchen zum Herrn Rabbiner, der ihnen unter großem Erstaunen der Schüler bedeutete: „Ihr geht Schabos und Jontof in die Schule!" und so blieb's dabei. Natürlich mußten sich die Knaben vor dem Herrn Rector schämen, der glauben muß, daß sie nun aus Trägheit ein Verlangen gestellt, welches der Herr Rabbiner (!!!) für nicht angemessen erklärte. -Frankfurt a. M., 21. Oct. Eine Trauerkunde habe ich heute zu berichten, die in den weitesten Kreisen die schmerzlichste Theilnahme finden wird; Herr -Isaak Kauffmann jn ist nicht mehr. Ev verschied am verflossenen Sonntag nach langem Leiden und wurde heute unter ungemein großer Betheiligung zu Grabe getragen. Es mögen an 600 Menschen der Bahre gefolgt sein, unter ihnen hervorragende Männer aus hiesiger Stadt wie aus den benachbarten Städtem ..Der Verewigte, tut Elsaß geboren, war als Jüngling nach Frankfttrt gekommen, um unter der Leitung der bedeutenden Talmudgelchrteu Rabbi Salomon T r i e r 7« und Rabbi Jakob; P o s e n 7"L"r sich dem Sttldium der heiligen Gotteslehre, zu widmen. Später etablirte er eine-hebräische Buchhandlung, die er aus kleinen Anfängen zu einer der ersten der Welt entwickelte. Seine Rechtschaffenheit, seine aufrichtige Frömmigkeit, seine Sanftmuth und Bescheidenheit gewannen ihm die Liede und die Achtung Aller, die ihn kannten. Den Arme» war er ein Vater und liebevoller Fürsprecher. Jhin war es vergönnt, im Aufträge eines der edelsten und besten Männer, Wittwcn, Waisen, Bedrängte und Nothleidende ohne Zahl zu unterstützen. Und wie entledigte er sich dieses Auftrages! Mit welcher Gewissenhaftigkeit suchte er sich der Würdigkeit und Bedürftigkeit der zu Unterstützenden zu vergewissern, mit welch unendlicher Geduld ertrug er die Zudränglichen, welch himmlische Sanftmuth setzte er Schmähungcit und selbst Verleumdungen entgegen! Auf dem Friedhofe gab Herr Rabbiner Fromm '"2 der allgemeinen Trauer in würdiger und ergreifender Weise beredten Ausdruck, so . daß kein Auge thränenlecr blieb. Möge der allgütige Gott die trauernde Wittwe, die Söhne und Töchter, die Schwiegersöhne und Schwiegertöchter, die Enkel und Enkelinnen trösten; aber nicht sic allein — die ganze Welt hat diesen Edlen verloren , der beinahe 80 Jahre auf Erden wandelte und während dieses langen Lebens unendlich viel Gutes vollbracht hat. Mögen die Kinder und Enkel in die Fußstapscn des Heimgegangenen treten, damit sich auch iu btcfcm Sinuc erfülle das große Wort nr’c? p^s *ur das Andenken des Frommen gereicht zum Segen. n"2"ü":"n Köslin, 20, Cctobci’w Vor dem Schwurgerichte begannen heute die Verhandlungen gegen die Personen, welche wegen , der in Neustettin im März anläßlich der Rückkehr der int Synagogenprozeß Frcigcsprochencn vorgckommenen schweren Landfriedensbruch angeklagt sind. Es sind, dies die Maurergesellen Patzwald, Hansemer, die Arbeiter Pirich, Klabundt, die Steinsetzer Bechert, Böhnke, und der Maurer Patzwald ans Ncustettin und der Fischhändler Naatz aus Stolp. 43 Zeugen sind geladen. - Der Thatbestand ist folgender: Am Sonnabend, bctt 8. März d. I., hatte sich in Neustettin aus Anlaß der erwarteten Rückkehr derjenigen Personen, welche in der Untersnchungssache wegen Inbrandsetzung der Neustettiner Synagoge vor dem königt. Schwurgericht in Könitz als Angeklagte und Zeuge» vorgeladen waren, eine gewisse Erregung in der Bevölkerung geltend gemacht. Einzelne. Trupps junger Leute, -durchzogen die Straßen. Vor dem Martinkschen Hotel in der Preußischen Straße, in welchem eilt Maskenball stattfand, erfolgte ein größe-