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Der Israelit · 1884-10-23 · Heft 84 (23.10.1884) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 84 (23.10.1884)
Date
1884-10-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1380 wandte er sich nicht; und es verdroß den Kajin sehr und sein Antlitz verfiel. Und der Ewige sprach »u Kajin: warum verdrießt es Dich und warum verfällt Dein Anilia? Fürwahr, wenn Du gilt handelst, so kannst Du emporheben (Dein Antlitz); wenn Dn aber nicht gut handelst, so lauert an der Thür die Sünde, und zu Dir ist ihr Verlangen, Dn aber kannst sie beherrschen. Und es sprach Kajin zu Hebel seinem Bruder und es geschah, als sie waren auf dem Felde, da machte sich Kajin auf gegen Hebel seinen Bruder und erschlug ihn." (1. B. M. E. 4. V. 2 bis 8.) Es war also der Neid, die Eifersucht, gegen den Bruder, durch die Kajin zu dem schrecklichen Verbrechen getrieben wurde, durch die er sich für immer elend und unglücklich machte, und deßhalb nennt die heilige Schrift den Kajin einen imy ncm, einen Sklaven des Erdbodens. Wie der Sklave von aller Mühe und Arbeit keinen Gewinn hat und die Fruchte seines Fleißes nicht selbst genießt, so ist der Neidische ein Sklave seiner Leidenschaft, ohne daß diese ihm Nutzen oder Freude bringt; im Gegenthcile, sie verbittert und vergällt ihm das Leben und macht ihn stumpf gegen alle Genüsse und Freuden desselben. Was er hat und erringt, erscheint ihm geringfügig, weil ein Anderer mehr besitzt und Größeres erwirbt. Ganz anders geartet war der Fehler, dessen Noach sich schuldig machte. Aus der großen Vernichtnngsfluth waren er und die Seinen gerettet worden. Durch ihn und leine Söhne sollte ein neues, besseres Geschlecht die Erde bevölkern. Und während der allgercchtc Richter das sündige Menschengeschlecht vernichtete, da gedachte Er in Seinem Erbarmen. Noachs und aller, die bei ihm waren in der Arche, lind wieder bevölkerte sich die Erde. Da entweihte sich Noach, da er ein Mann, ein Herr des Erdbodens wurde und einen Weinberg pflanzte. Und er trank von Mn Weine und berauschte sich und entblößte sich inmitten seines Zeltes. Noachs Fehler war die Genußsucht, die für ihn und einen Thcil seiner Nachkommen so verderblich werden sollte. Und deßhalb nennt ihn die heilige Schrift neiKi L"tt, einen Herrn des Erdbodens; denn der Genießende beherrscht die Erde; nur für ihn ist sie da, und Alles muß sich seinen selbstsüchtigen Zwecken unterwerfen. Ganz anderer Art ist wiederum, was uns die heilige Schrift von Usijahu erzählt. ' . Als sechszehnjähriger Jüngling war Usijah auf den Thron gelangt. Und er that, was Recht war in den Angen des Ewigen, ganz so wie die Propheten Gottes ihn belehrten: Und er-führte zahlreiche Kriege gegen die Philister, gegen die Araber und gegen andere Volker. Und Gott stand ihm bei, so daß er die Feinde besiegte, die Nachbaren ihm tributpflichtig wurden und sein Ruhm bis in die weite Ferne drang. Große, mächtige Heere rüstete er ans, und befestigte Jerusalem, bis daß es für uneinnehmbar galt. Da wurde übermüthig sein Herz, und es genügten ihm nicht mehr die königlichen Ehren, er wollte auch als Hoherpriester an der Spitze seines Volkes stehen. Vergebens warnten ihn die Priester und sprachen: Du gedenkst Deine Ehre zu vermehren; Mein Dein widergesetzliches Handeln wird Dir beim ewigen Gotte nicht zur Ehre, gereiche». — Er aber fuhr die Priester hart an, stieß sie zurück und wollte das Näucherwerk darbringen. Nun erschien plötzlich an seiner Stirne die schreckliche Krankheit des Aussatzes, die ihn zu einem Lebendigtodten machte. Als das die Priester sahen, jagten sie ihn zum Heiligthume hinaus, und er ließ es geschehen, denn Gott hatte ihn geschlagen. Der mächtige, weltberühmte König mußte nun einsam wohnen, von aller Welt gemieden, und sein Sohn ward der Regent des Landes. Die Ehrsucht war es, die den König Nfijahn ins Verderben trieb, und deßhalb nannte ihn die heilige Schrift einen iQitt 2ii*t, ein solcher, der das Irdische liebte; denn der Ehrsüchtige erreicht niemals sein Ziel; er liebt die Ehre, und sie flieht vor ihm, wie unsere Weisen sagen: : 122X2 nmn 1122.1 ,11221 litt ftiiii >2 „Jeder, der der Ehre nachjagt, vor dem entflieht die Ehre." ,. Demnach haben uns die Weifen kn denk obenangeführten Midrasch die Wahrheit des Ausspruches des Rabbi Eleasar Hakapor bewiesen, der da sagt (Aboth C. 4. § 28.) : CJlf^n litt V'tt'LlQ 112211 nittnm ntvipi „Der Neid, die Genußsucht und die Ehrsucht führen zum Untergange." Der Neid war es, der Kajin zum Brudermorde trieb; die Genußsucht führte Noach zur Entweihung seiner selbst, und 'die Ehrsucht brachte dem König Ufijah Verderben. Wohl sollen wir den Boden bebauen, aber wir sollen uns ihm nicht dienstbar machen; wohl sollen wir die Erde beherrschen, aber sie nicht als bloßes Mittel betrachten, unsere Genußsucht zu befriedigen;-wohl dürfen wir das Irdische lieben;, aber wir dürfe» uns nicht dadurch verführen kaffe»; Gottes ' heilige Gebote zu übertreten. Neidlos sollen wir schauen das Glück -unserer mehrbegünstigten Brüder und Schwestern xiMäßig sollen wir genießen^ was Gottes Erde uns «bringt.

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