Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1884)
- Date
- 1884-10-20
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1372 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Hinsichtlich der übrigen zahlreichen Angeklagten wurde das Nrtheil der unteren Instanzen bestätigt. Preßburg, 2. Oct. Am 30. September und 1. Oktober fand die Schlußverhandlung, bezüglich der am 30. April v. I. in Gr.-Mageudorf (Preßburger Com.) vorgefallenen antisemitischen Cravallen, statt. Vorgeladen waren 81 Zeugen. Da l Zeuge bereits gestorben und 3 andere mittlerweile im Militärsverbande aufgenommen wurden, waren blos 77 Zeugen erschienen. — Auf die Anklage des k. Staatsanwaltes, welcher auf die Verletzung der 88 175 u. 176 hinwies^ verurtheilte der k. Gerichtshof, nach 11/2 ständiger Berathnng, 31 Individuen auf 3 Monate bis l Jahr Kerker. 9 Angeklagte wurden freigesprochen und gegen, anderen 2 Angeklagten wurde das Nrtheil in Schwebe gelassen. Wie alljährlich wurden auch Heuer sämmtliche Soldaten an den 2 Neujahrs- und am Versöhnungstage vom Dienste befreit. Frankreich. Paris. Es dürste unfern Lesern noch erinnerlich sein, das; dahier eine Zeitlang eine antisemitische Zeitung unter dem Titel „rAntisömitique“ erschienen ist. Als Redacteure zeichneten die Brüder Claude und Jules Morel. Der Antisemitismus scheint indeß nur eine Nebenbeschäftigung dieser Herren gewesen zu sein; denn erst kürzlich hatten sie sich vor dem hiesigen Polizeigerichte gegen die Anklage der Erpressung, die sie an dein Grafen Victor de Nöllar begangen haben, zu vertheidigen. Die Sache hat ein böses Ende für sie genommen. Es stellte sich nämlich während der Verhandlung heraus, das; Claude Morel, der sich hier Vevollmächtiger rumänischer Minister nennen ließ, ein ganz gemeiner, rumänischer Schwindler ist, der bereits fünfmal fallirt hat und sechsmal abgestraft war. Sein Bruder Jules ist nur fünfmal abgestraft; der Mann ist übrigens noch jung und kann seinen Bruder noch erreichen. Claude wurde zu l1/* Jahre Zuchthaus, sein Bruder Jules zu acht Monaten Gcfängniß verurtheilt. Engla n d. London, 8. Oktober. Als Präsident der hiesigen jüdischen Armencommission halte ich es für meine Pflicht, vermittelst Ihres weitverbreiteten /Organes einen eindringlichen Warnungsruf an unsere Glaubensbrüder in Deutschland, Rußland und Oesterreich ergehen zu lassen, um ihnen uo« einer Einwanderung nach hier, in der Erwartung entweder hier ein Lebensunterhalt zu finden oder von hier zur Weiteremigration nach Amerika assistirt zu werde», auf das Allerentschiedenste abzurathen. Ich fühle mich zu diesem Mahnruf gedrnngen, da es zu meiner Keuntniß gekommen ist, daß continentale Comites keine Bedenken hegen, viele der m-thleidenden Brüder zur Reife nach England zu überreden, und ihnen zu diesem Zwecke nur gerade genug Mittel geben, um London zu erreichen. Sämmtliche Zweige der Industrie, des Handels und Gewerbes sind hier zu Lande mehr als überfüllt, täglich stößt man auf Hunderte von Beschäftigungslosen, die gern irgend welche Arbeit verrichten würden, wenn sie solche nur finden könnten. Die russischen Verfolgungen und die bedauernswerthen religiös socialen Reibungen auf dem Continent während der letzten drei Jahre, haben seitdem die Reihen unserer hiesigen Unterstützungsbedürftigen bedeutend verstärkt, und wenn es Diesen, die, nachdem sie hier schon angesiedelt, und mit unserer Sprache, Miseren Sttten und Gebräuchen einigermaßen vertrant sind, schwer fällt einen Lebensunterhalt zu finden, wie kann es da erst den Neuankommenden ergehen! Früher war es uns ermöglicht, die durch den Zufluß der fremden Armen entstehenden Schwierigkeiten zu überkommen, indem wir einem Theil derselben zur Weiteremigraüon nach den Vereinigten Staaten behülfiich waren; aber dieser Ausweg steht uns nicht mehr offen; die amerikanischen Behörden haben uns eindringlich gewarnt, daß sie nur rüstigen und wirklich arbeitsfähigen Emigranten das Landen gestatten, und daß selbst solche etwas eigene Mittel besitzen müpen. Manche der Emigranten, die diesen Anforderungen nicht entsprechen konnten, sind wieder nach Europa verschifft worden, und abgesehen von dem auf solche Weise unnütz verschwendeten Gelde sind diese Armen dadurch großer Roth und Entbehrung ausgesetzt gewesen. Wir waren stets gern' bereit, unseren vom Continent konnnenden Brüdern,' soweit es unsere Mittel erlaubten, hükfleistende Hand' zu reichen, und mit gerechtem Stolz können die Juden Englands aus^ihre Bemühungen in; dieser Hinsicht deuten, die es Tausenden von deutschen und russischen Glaubensbrüdern ermöglichten, sich erfolgreich in Amerika und den Colonien niederzulassen oder hier zu Lande einen — wenn auch weniger sicheren — Lebensunterhalt zu finden. Wie die Verhältnisse aber jetzt liegen — außergewöhnliche Leblosigkeit in Handel und Gewerbe hier, und außergewöhnliche Beschränkungen für Einwanderer in Amerika, —