Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1884)
- Date
- 1884-10-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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1373 ist es unsere Pflicht, unscre Brüder dringend darauf aufmerksam zu machen, daß, wenn der Zufluß der Einwanderung wie bisher anhält oder gar größere Dünenstonen annimmt, cs uns absolut unmöglich sein wird, ihnen hier Hülfe zu gewähren und daß sie in ihre Heimath unter schlimmeren Verhältnissen, als sie sie verlassen, zurückkehren müssen. Mein eindringlicher, wohlgemeinter, brüderlicher Mahnruf ergeht daher an alle die Institutionen, deren Aufgabe es ist, der Roth unserer leidenden Brüder abznhclfen, die bisherige Weise, sie einfach nach hier zu schicken, aufzugeben. Mit dem Hicrhcrsendcn ist den Armen nicht geholfen, jm Gcgentheil wird ihr Leiden durch bittere Enttäuschung und zwecklose Hin- und Herfahrt nur unnütz vergrößert. Ich bitte Sie, geehrter Herr Redactcur, mich nt dieser Angelegenheit durch Veröffentlichung dieses Schreibens inJhrcmviclgclesenen Blatte zü unterstützen. Genehmigen Sie, geehrter Herr Redactcur, die Versicherung meiner Hochachtung. Ihr ergebener Lionel L. Cohen. Präsident of tlie Board of the Guardians for the Jewisli Poor. Ramsgate. Nach Beschluß des Stadtraths wird der nächste Geburtstag des Sir Moses Montefiore als allgemeiner Feiertag gehalten und den siädttschen Armen eine besondere Bonisication gewährt werden. SU 11 11! fi lt t t n. In Bukarest wollte eine jüdische Frau ihr in rumänischer Tracht ungezogenes Söhnchcn in die Synagoge führen. Das Kind weinte auf dem Wege und wollte durchaus nicht in den Tempel. Es entstand ein Znsammcnlauf; die Christen schrieen, daß die Jüdin ein christliches Kind zum Schlachten in den Tempel schleppen wolle. Erst als die Polizei sich entmischte, stellte sich heraus, daß der Kleine das eigene Kind der Frau ist —und beschämt stob die Menge auseinander. In Verlad hat ein Bauernbursche einen Juden ermordet. Vergangene Woche fand die Schlußverhandlung statt, bei welcher Gelegenheit der Vcrthcidigcr dcS Mörders, Advocat L. Kosten, den Satz anssprach: Jeder Jude mordet die Seelen einiger Christen; wenn ein Christ also den Körper eines Inden mordet, so kann dies keine Sünde sein. Der Bertheidiger wurde nicht nur nicht zur Ordnung gerufen, sondern die Richter sprachen den Mörder des Juden frei. R u ß l a n d. * Die Nachricht, wonach ein Banquier in Odessa seine in Bessarabien liegenden Besitzungen zu Colonien für russische Inden verwenden wolle, wird demcntirt. - -r . Kiew. Bei Gelegenheit der Jubiläumsfeier der hiesigen Universität spendete Herr L. Brodsky dem Fond der Hochschule 5000 Rubel als Sripendien für israelitische Studirende. Wie dankbar man dem genannten Herrn dafür war,' läßt sich daraus erkennen, daß man im officielten Spendcuverzeichnisse sein Name und seine Gabe nicht ausgefi'lhrt hat. Die zerstreut kn einzelnen Dörfern wohnenden Juden in den Gouvernements Kiew, Wolhin und Bessarabien haben cs an den verflossenen höhen Festtagen nicht gewagt, in die benachbarten Städte zum gemeinsamen Gebet zu gehen, ans Furcht, daß ihnen Seitens der Polizei die Rückkehr in ihre Wohnorte verboten werden möchte. Tschernigow. Der Gouverneur unserer Provinz hat dieser Tage ein Schreiben an die jüdischen Gemeinden gerichtet, in welchem er anordnct, daß fernerhin nur die vom Staate genehmigten Rabbiner die Rabbinatsfuuctionen ausüben dürfen. Wenn dieser Befehl zur Ausführung käme, würde er, da die sogenannten Staatsrabbiner oft unwissend, antireligiös und in fast allen Plätzen von den Gemeinden nicht als Rabbiner anerkannt werden, dazu angethan sein, einen schwerwiegenden Gewissenszwang auf die Glaubensgenossen unserer Provinz auszuüben. Alan hofft, daß die Regierung auf die dagegen erhobenen Beschwerden die Zurücknahme dieser Ordre verfügen wird. In Dünaburg hat der Polizeirath unter Androhung großer Strafen die Juden zur Entlassung ihrer christlichen Dienstboten binnen 14 Tagen aufgefordert. Türkei. In Retymo, auf der Insel Candia, zerstörten Nomaden viele Grabsteine auf dem jüdischen Fried- Hofe. Der Gcneralgouvcrncur Photiades Pascha hat sofort die strenge Bestrafung der Schuldigen angeordnet, und auf Befehl des Divisionsgenerals hat der Oberst der Garnison eine Compagnie Soldaten zur Bewachung des Friedhofs ausgestellt.