Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1884)
- Date
- 1884-10-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1368 Budapest, 15. October. HerrExrabbiner Stereni hat einen neuen Versuch gemach^ für seineunsinnigen! Bestrebungen Anhänger zu erwerben.' Für den 12. October, min nncir, hatte er eins Vorlesung angekündigt.' - "! . lim' 3 Uhr/' Nachmittags, war der große Prachtsaak des evangelischen Gymnasiums mit Zuhörern' gefüllt. Die Hälfte der ungefähr aus 400 Personen bestehenden Versammlung mag aus - Universitätshöhrern bestanden haben, während die andere Hälfte den bessern Bürger- und Kaufmannsklassen angehörte; wir sahen da auch Professoren, Schriftsteller, Aerzte, Advokaten und 5 oder 6 Damen. Unter lautloser Stille betrat der Exrabbiner das Katheder und leitete seine Vorlesung mit folgender Parabel ein: Moses bat den Ewigen, daß die Gesetze, welche er Israel gegeben, nicht „Gesetze Gottes," sondern „Gesetze Moses" genannt werden möchten *). In dieser Parabel, sagte Stereni, ist die Meinung ausgedrückt, daß die Gesetze, auf welchen die Religion der Juden beruht, nicht unveränderlich sind, denn nur, was göttlich ist, das ist unveränderlich, jene Lehren aber, welche den Namen des Reformators (!) Moses führen, können gewiß reformirt oder durch, andere ersetzt werden. „Großartig," rief eine Stimme spöttisch dazwischen, worauf die Zuhörerschaft in ziemlich lautes Lachen ausbrach. Der Rabbi ließ sich indeß nicht stören und erzählte weiter, daß er das Recht, die Pflicht und die Anlage dazu'habe, die Lehre des Judenthums zu reinigen und zu verbessern. Diesen Worten folgte ein ziemlich lautes Zischen und Poltern; der ernstere Theil der Zuhörer blieb jedoch ruhig, denn die Unverschämtheit dieses letzten Ausspruches empörte sie viel zu sehr, als daß sie ihrem Jngrimme durch Zischen Luft hätten machen wollen; so bereitete sich der Sturm .vor, welcher nur den geringsten Anlaß abwartete, um losbrechcn zu können; dieser Anlaß sollte sich bald, genug darbieten. Stereni. hätte seine Vorlesung trotz mehrfacher kleinerer Störungen beenden können, wenn er nicht den unglücklichen. Gedanken gehabt hätte, an die Sitzung zu erinnern, welche vor kurzer Zeit in seiner Wohnung stattgefunden, und welche ein für ihn so unangenehmes Ende genommen. Stereni sagte nämlich, nachdem. er. 10—12 Minuten gesprochen hatte: Ich bin kein Prophet. „So ist's, das wissen wir," schallte es' gus den-Reihen, der. Zuhörer, — und auch nicht der Sohn eines Propheten, fuhr Stereni nchig ^fort,: ober..sch., weiß, es, *) Sinnt. des (Korrespondenten: Ist nalürlich zncht-'loah'r! daß, wenn selbst jener Herr, der vor drei Wochen so empört darüber war, daß ich die veralteten und moderigen Gesetze und Gebräuche des Judenthums anzutasten wage, wenn dieser Herr mich inmeknenGarten begleiten würde . . . Ich werde auch dahin kommen, . schallte jetzt die Stirnme des Herrn Max Scabolcsi da- . zwischen, der sich von seinem Sitze erhoben hatte. Mehr konnten weder Stereni noch Scabolcsi sprechen; sämmtliche Zuhörer sprangen von ihren Sitzen auf, und wie Meeresbrausen ertönte es im' Saale 8M.do1ea-it.^ Scabolcsi beachtete jedoch diese Rufe nicht, denn er setzte sich wieder nieder; dies schien das Publikum eher zu erbittern als zu beruhigen, denn die „RaUjick^-Rufe wurden wo möglich noch stürmischer, so daß der Polizeikanzelist Karatschoni erschreckt in den Saal eilte. Erbemühte sich vergebens, die aufgeregte Menge znm Schweigen Zn bringen ^seinen Versuchen antworteten Hunderte von Stimmen. „Scaboltsci wollen wir hören". — „Hier darsiuür der Vorleser sprechen" gab Karatschoni Bescheid, worauf der Lärm noch mächtiger rmd betäubeuder wurde. Die Situation wurde immer bedenklicher. Scabolsci wurde von den wlldestenSchreiern nmriugt., die.leideuschaftlich gestekulirten; ja, einige schrieen,- er muffe sprechen, mid hoben ihn Ms einen Stuhl: -Hören wir früher den Herrn Rabbiner ruhig zu Ende; wenn es dann möglich sein wird, werde ich sprechen, schrie Scaboltsci aus voller Kehle. Fort mit Stereni, donnerte es dem Sprecher entgegen. — Scabolcsi mag vor ernsten Ausbrüchen gefürchtet haben, denn er rief bald darauf ein lautes NenjuoL „Gehen wir!" in die Versammlnug hinein, und wollte dem Ausgange Zueilen. Er wurde jedoch von Mchreren ergriffen, in die Höhe gehoben, und über die Köpfe der Leute unter lautem EAnrufen aus dem Saale getragen. Während dem hatte dev zu Todeer-' schrockene Reformator das Katheder verlassen, von welchem der Polizeibeamte vor den wenigen Zurück-l geblieben verkündete, daß er im Namen des Gesetzes die Vorlesung sistire. — - u. -ur-suhi^ .rL >««.•» S ch w e l MÜ rr:-r Hv! nhtS .iV Basel. Der Schulräth hat all alle Directören der Schulen ein Circular gerichtetnt Mlchem' tr ' dieselben anffordert, daraufzuachken,daK'ünter den Schülern der verschicdmen Religiousbekcünknifi^ -keinerlei Unterschied gemacht werde/ Jut-GesänK-- Unterricht sei die Wahl der Lieder derart zU' trefftzN,' ' daßdke Gefühleder isrl Schüler dädürch lnM MlWi i'ltffl umi U'VjL •;»*?[. <?HU .Ml.' rrrrbütt::-.-. iuiiuljuV'