Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1884)
- Date
- 1884-10-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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136? das zerschlagene Antlitz und alle erzählten Neben-j umstände weisen darauf hin, daß hier eine Gewalt^ that begangen wurde. Die Ortsgemeinde wollte «die! - Verhaftung des Robert Kirszanek verfügen; glleist der Gensdarmeriepostenführer nahm i. dieselbe uich^ vor, sondern meinte, cs kann dem Capellmeifter gan nichts, geschehen- und es drohe ihm höchstens eine! Arreststrafe von 7 bis 14 Tage. In- Gegenwart der blutenden Leiche wurde gescherzt und der Großvater des Ermordeten, ein 75jährigcr Greis, Lemel' Moses, welcher sich herangedrängt hatte, mit Rippen-! stößen zur Thüre hinausgeworfen. . Derselbe begab sich ins Gericht, um daselbst die Vcrhaftung des muthmaßlichen Mörders zu erwirken, Mein auch hier wurde er abgeschoben. Nun telegraphirten wir an die Staatsanwaltschaft nach Przemysl; worauf erst die Seccirrmg vorgenommen, und vom k. k. Bezirkgerichtsadjnnkten die Untersuchung begonnen wurde. .. . .! Herr Robert Kirszanek aber wird von derselben' sehr wenig behelligt. Er befindet sich weiter auf: freiem Fuße und: spielt allabendlich im Casino und' alle Honoratioren tanzten luftig bei seiner Musik, als ob nichts vorgefallen wäre. Die Folge davon ist, daß die hiesigen Bauern und Städter schon laut darüber discutiren, daß es nichts bedeute,, wenn man emen Juden erschlägt, und daß man eigentlich eine Prämie verdiene. : Ich bitte diese wahrheitsgetreue Darstellung des Vorfalles in Ihr geschätztes Blatt aufzunehmen, vielleicht wird diese Veröffentlichung.dazu beitragen, den Gang der Gerechtigkeit zu beschleunigen. Rymanow, 15. September 1884. «vH v' * : Jakob Moses. . Vom Cultusgemeinde-Vorstande in Rymanow wird-die Wahrheit bestätigt. (L. 8.) ': Prag, 17. Okt. Palacky brachte heute eine Eingabe, der Repräsentanz der Landes-Judenschaft im Landtag ein, mit km Petitum, daß von dem mit 160,000 fl. votirten Fonds für religiöse Zwecke in den^ Gemeinden auch die Judcngemeiuden bedacht und der Fonds dem entsprechend erhöht werde, nachdem durch Entscheidung des Verwaltungs-Gerichtshofs, wonach ein Jude zur Bcitragsleistung an seine Rcligionsgemeinde nicht gesetzlich gezwungen werden kannfast alle 400 Judengemeinden Böhmens nothleidend gewordenseien. Diese Votirung soll so lange, dauern, bisder Reichsrath: das Rechtsverhältnis; der Judengemeinden festgesteflt haben, würde. Gleichzeitig - wird behufs Einbringung' der betreffenden Reichsrathsvorlage eine Petition an die Negierung --gerichtet uni.y.:«»; r4 « ■ )i: r Austerlitz. Unsere Cnltnsgemeiuder hat vor wenigen .! Tage» einen höchst schmerzlichen Verlust .erlitten, Herr- Ignaz Karitschae, der. in unsereriGemeinde durch 23. Jahre die.Stelle Zeines jnm bekleidete, wurde plötzlich vom Tok hinwcggerafft. Am i"V 2^ ging er in's Gotteshaus, woselbst er noch das Minchagebet vor dem -JQincb , rccitirte. Kaum hatte er auf seinem Sitz. das, Stcrbeklcid angezogenwurde er unwohl — er fiel zu Boden und mußte in den Vorh'f des Tempels getragen werden, woselbst er sofort den Geist aufgah, wiewohl der herbeigeeilte Arzt allerlei. Belebungsversuche austellte. Ein Herzschlag hatte seinem Leben ein Ende gemacht. Er starb auf der Stätte, wo er so gerne weilte. Die nii2j) fand am 30. Sept. statt. Dem Leichenzuge schlossen sich an. — die Vertretung der Cultus- und politischen Gemeinde, Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Löwi aus Butchowitz und Herr Rabbiner S. Hahn aus Dambowitz — die Herren Lehrer sammt Schuljugend — ferner.die einzelnen Mitglieder der Jsraelitengemeinde .—.viele Bürger aus. der Stadt — endlich wäge noch zu erwähnen, als Depuiirtcr der nahegelegcnen Butschowitz Herr S. Jellinek., dortselbst. Der Verblichene wurde vom Wohnhaus.ins .Gotteshaus getragen, woselbst Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Löwi und Herr. Oberlehrer S. Diamant von hier eine schwungvolle , und. einem solch' erschütternden Falle angemessene Reden hielten.. Nach Gebühr wurden in denselben.die vortrefflichen Eigenschaften des Verblichenen und die Verdienste hesporgehoben, die er sich während seiner 27jährigcn Anitsthätigkeit in unserer Gemeinde erworben,. und das traurige Ereignis; war den- Anwesenden noch zu gegenwärtig, als daß sie den Tribut der Theilnahme versagt hätten. . . . . ,,. . v ., . Um ihn trauern nicht nur eine Wittwe und 4 Söhne, sondern auch Alle, die ihn gekannt, Alle, die Gelegenheit hatten, seinen biederen Charakter, seine aufrichtige Frömmigkeit, seine ungeheuchclte Nächstenliebe und sein segensreiches Wirken zu beobachten. Auch in außerjüdischen Kreisen hatte der Verstorbene zahlreiche Freunde, wovon die christliche» Mitbürger, die sich dein Leichenzug angeschlossen hatten, beredtes Zeugnis; ablegten.-- y.; Möge der Allmächtige Trost spenden — der Wittwe, deren Kindern und all' Denen, die den Heimgang des Verblichenen bedauern. - Du aber treuer Anhänger Israels, möge Dein Schlummer, süß sein, mögest Du uh. ewigen Lebell jenen Lohn empfangen, den der Allbarmherzige seinen Frommen und Gerechten verheißen.: - -; «i '; ■ J^'M.. Austerlitz.-..