Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 83 (20.10.1884)
- Date
- 1884-10-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1366 Beklagenswerth ist das Kind, das die^ Eltern einst auf die trügerischen Welten des Lebens hinausschicken, und sie Haben es nicht gelehrtnach den Sternen zu blicken, um die dunkeln Pfade, der Erdenwelt zu kennen, es wankt in seinem nnsichem Fahrzeuge und zerschellt an den Brandungen des Lebens, wenn der Allgütige nicht Erbarmen fühlte. „Die Eindrücke der Jugend schwinden nie ganz." (Sabbat 20)^ Dr. Grünfeld, Rabbiner. Burghaun, 16. Oktober. Am 6. Tischri starb in Wehrda, einem Dorfe des hiesigen Amtsbezirkes, der Lehrer Ioseph Weinberg, in seinem 72. Lebensjahre, der es wegen seines vierjährigen, segensreichen Wirkens verdient, daß in diesen Blättern seiner Erwähnung geschehe. Als talentvoller Jüngling wurde I. Weinberg von seinem Vater Wolf Weinberg n"y aus Mackenzell bei Hünfeld, schon frühe «dazu bestimmt, sich dem Lehrerfache zu widmen und wurde er zu diesem Zwecke auf der damaligen nw nach Gelnhausen gebracht. Nachdem er eine zeitlang dorten verweilte, setzte er sein Studium bei 7'mn mn Tr ’iyrcnN'n in Michelstadt fort. Als er nun da sicheren Grund zu seinem Berufe als Lehrer gelegt, nahm er, obgleich noch sehr jung, eine Stelle als Lehrer in Lemgo — Lippe-Detmold — an, um sich die Mittel zu seiner weitern Fortbildung zu verschaffen. Er vergaß jedoch dabei keineswegs seines Selbststudiums, er brachte es im Gegentheil durch seinen eisernen Fleiß so weit, daß er schon im Jahre 1836 in das Lehrerseminar zu Cassel aufgen.onnnen wurde. Auch da studirte er mit sehr großem Fleiße »beim sel. Landrabbiner Dr. Romann 7'T und dem Oberlehrer Dr. Büdinger Tr und schon im Jahre 1837 bestand er seine Prüfung als Lehrer. Hierauf nahm W. die Stelle als Lehrer in Wehrda an, die er bis zu seinem Tode bekleidete. Im Jahre 1862 wurde von sämmtlichen Lehrern der Provinz Fulda unter Anführung des sel. Prov.-Rabbiners Dr. Enoch-Fulda sein 25jähriges Dienstjubiläum öffentlich gefeiert. Sein Wirken im Antte fand sowohl bei seiner Gemeinde, wie auch bei seiner Behörde, die größte Anerkennung. Nachdem er 47 Jahre lang auf dieser Stelle segensreich gewirkt, entschlief ersauft zu seinen Vätern und wurde unter großer Betheiligung D2& my ovn zurRuhe bestattet. •; / n"n"2"a"n Aus dem Reichslande. Kürzlich wurden 17 außerordentliche Mitglieder des Oberschulrüths (die, höchste Ilnterrichtsvcrwaltnng der Relchslande> er-! nannt. Nach der Confcssion sind hiervon^ 8 kath., 8 Protest, und einer ist Israelit. Es ist der Großindustrielle Herr -J. Lanz in Mühlhausen rin Mann, der nach allen Richtungen hin zu den hervorragensten Israeliten des Landes zählt. Herr Lanz ist unter Andem auch Präsident des isräel. Consistoriums des Oberelsaß. — Am jüngsten nn spendete Herr Lanz zum Besten derdortigen Synagoge 1000 Frs. : - J/W/ Oesterr.-Ungar. Monarchie^ ': u - Lemberg. Dem „Lemb. Israeli" wird geschrieben : Am 1. dieses Monats begab sich mein I7jähriger Sohn Samuel Moses zum hiesigen Kapellmeister Robert Kirszanek, um von demselben ein kleines Guthaben für eine Kautschukstampiglie einzufordern. Der Schuldner verweigerte jedoch die Zahlung unter dem Vorwände, daß er mit der Stampiglie unzufrieden sei und mein Sohn erzählte mir und seinen Freunden, daß Robert Kirszanek ihm gedroht habe, daß er ihn erschießen werde, sobald er sich unterstehen werde bei ihm nochmals das Geld für die Stampiglie einzumahnen. Ich hielt das freilich für einen Scherz, allein mein Sohn fürchtete sich ernstlich ein zweitesmal hinzugehen. Mn hatte ich aber bei Robert Kirszanek ein Reifekojserl bestellt, dessen Verfertigung er übernahm und hielt diese Gelegenheit für günstig, meinen Sohn zur Abnahme des Kofferl hinzufchicken, wobei er die Gebühr für die Petschaft vom Preise in Abzug nehmen könnte. Obwohl widerwillig befolgte mem Sohn diesen Auftrag und ging noch einmal zu Robert Kirszanek. >: . i .. Eine Stunde später etwa, stürzte Robert Kirszanek auf die Gasse und erzählte den umstehenden Leuten, es sei ein ganz ftemder, ihm unbekannter Jude in seine Wohnung gekommen, hätte seinen (Kirszanek's) Revolver von der Wand heruntergenommen und sich mit derselben erschossen. Zahlreiche Menschen strömten in die Wohnung des Capellmeksters, wo sie in der That an der Schwelle der Ausgangsthür eine von Blut übergoffene Leiche und', aus dem Tische in einer Distanz von etwa iv Schritten einen sechsläusigen Revolver liegen sahen. Im ersten Momente erkannte Memand: die entstellte Leiche und erst später zeigte es sich, daß es mein unglücklicher I7jähriger Sohn Samuel war,ü der offenbar einer ruchlosen That zum Opfer gefallen war^ Denn daß es sich hier um einen Mord und nicht um einen Selbstmord handelte, darüber waren Alle einig und kann' nach den Umständen kaum gezweiselt werden: Die Lage der Leiche/. > die r Wunde - an reiner' Stelle der linken Brustseite, die Lage des Revolvers und