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Der Israelit · 1884-10-16 · Heft 82 (16.10.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 82 (16.10.1884)
Date
1884-10-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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:l!lj 1357 Majestät, der Kaiser von Oesterreich, die Aufmerksamkeit Ihrer Majestäten, der Kaiser, von Deutschland und Rußland, auf die so sehr bedauerlichen antisemitischen Hetzereien gelenkt habe. Einstimmig sprachen darauf die erhabenen Herrscher ihre Absicht aus, alles Mögliche zu thun, den feindlichen Gefühlen der Bekenner der verschiedenen Religionen gegen einander ernstlichst entgegenzntreten. — Dem entsprechend hat auch Seine Majestätder Kaiser von Oesterreich, bei Eröffnung des ungarischen Landtages hcrvorgehoben, daß er keinen Unterschied zwischen den Bekennern der verschiedenen Religionen anerkenne, daß Er nicht dulden werde, daß eine Klaffe von Bürgern, gegen die andere gehetzt werde. Sollte dies durch staatsmännische Weisheit durchzuführen nicht möglich sein, so bestehlt der Monarch, daß strenge Mittel in Anwendung gebracht werden. Gleiche. Rechte und gleiche Pflichten sgcwähre und verlange Er in Bezug aus alle Staatsbürger. Daran schloß Seine Majestät den Wunsch, daß die Bekenner der verschiedenen Religionen in Frieden mit einander leben und mit vereinter Kraft das Wohl des gemeinsamen Vaterlandes fördern mögen. Berlin, 12. Okt. Die „Demokr. Blätter" veröffentlichen eine Serie von Aufzeichnungen des Schneiders Grnneberg, eines der früheren Jünger Stöckers, die grelle Streiflichter auf die Geschichte und den Charakter der christlich-sozialen vulgo antisemitischen Bewegung fallen lassen. Wir entnehmen diesen Bekenntnissen einer schönen Seele den folgenden „Hödel und Nobiling" nberschriebeuen Passus: „Acht Tage vor dem ersten Attentat auf den .Kaiser kam ein ziemlich anständig gekleideter junger Mann mit einem Brief vom Verleger und Redakteur des Staatssozialisten, Gollombeck, zu mir. In dem Schreiben wurde ich aufgefordert, mich des Neberbringers anzunehmcn, da derselbe für unsere Sache thätig sein sollte. Es war mir bekannt, daß Gollombeck solche Empfehlungen nicht gab, ohne vorher mit Stöcker Rücksprache genommen zu haben. So fügte ich mich denn unbedenklich und beschäftigte den jungen Mann, weil ich augenblicklich eine andere Verwendung für ihn nicht hatte, mit der Verbreitung von Flugblättern. Mit wirklichem Eifer unterzog er sich vier bis fünf Tage hindurch der Arbeit; ließ sich dann aber nicht mehr blicken, erschien jedoch in derselben Woche in der Freitags- Versammlung in Mengers Salon in . der.Frankfurterstraße. Eine vollständige Peründerung seines Aeußern sprang in die Augen, obwohl.'doch.,nur wenige Tage verflossen, seit wir ujis zuletzt geMM. So völlig reduzirt sah er ans, daß ihm sogar der Eintritt in unsere Versannnlnng erschwert wurde. Dann aber wurde ihm ein Platz angewiesen, und man ließ ihm Bier kommen, damit er sich stärken solle, was ihm auch gelang. Als ich Tags darauf die Linden passirte, fand ich Meuschcumässen angesammelt und erfuhr, daß soeben auf den Kaiser geschossen sei. Auf meine Frage nach dem Attentäter sagte man mir, daß es ein Klempner aus Sachsen von magerer Statur sei. Sofort kam ich auf den Gedanken, ob cs nicht Hödel gewesen sein möchte. Eilig sprang ich in eine Droschke und fuhr nach meinem Bureau, wo ich bereits die Kriminalpolizei vorfand, welche sich eingestellt hatte, um mich zum Verhör vor den Landgerichtsrath Joel zu führen. Dort wurde ich mehrere Male verhört und stark angegangen, daß ich Mitthcilungen über die anarchistijche Partei machen sollte. Obwohl ich zehn Jahre der sozialdemokratischen Partei gedient hatte, vermochte ich doch keine andere Auskunft zu geben, als daß ich durch Gollombeck und Stöcker zu diesem Menschen gekommen sei. Herr Stöcker war natür-' lich sehr entrüstet über diese Mitgliedschaft, ließ den Namen sofort streichen und niahnte zur Vorsicht bei der Aufnahme. Wie aber hätte ich Vorsicht üben sollen? War doch Herr Stöcker umgeben von einer Schaar schiffbrüchiger Existenzen, Studirender, Doktoren und zweifelhafter Größen aller Art. Solche Leute erschienen dann bei mir und verlangten im Namen Stöckers Ausnahme in die Partei. So ging es auch mit Nobiling. Nobiling war ebenfalls Mitglied der christlich-sozialen Partei und die christlich - soziale Partei kann nur Gott danken, daß die Mitgliedskartenicht wie bei Hödel, so auch bei Nobiling gefunden worden' ist. Ich habe diesen Mann nur einmal gesehen, als er mich nur Aufnahme bat, indem er mir versicherte, schon vorher mit Herrn Hofprediger Stöcker Rücksprache genommen zu haben. So trug ich ihn in die Mitgliederliste ein und habe von ihm nicht eher wieder etwas gehört, als an dem Tage des Attentats. Damals vernichtete ich sofort die alte Mitgliederliste und fertigte eine neue unter Weglassung des Namens Nobeling an. Indes; war die Vorsicht überflüssig; denn die Polizei nahm in diesem Falle Abstand davon, bei uns zu rcchcrchiren. Was die fragwürdigen Existenzen anlaugt, so hat sich die Partei bis. heute nicht gebessert. Denn ich glaube behaupte» zu dürfen, daß General Booth in seiner Heilsarmee nicht solch Gesindel mit sich führt, wie eS sich nm die christlich-soziale Fahne des Hofpredigers Stöcker drängt.'-:- 7: I ■ '7 ",1 •;,<> TI'V.' I:'-

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