Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 82 (16.10.1884)
- Date
- 1884-10-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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1856 fltitaltft sich immer lebhafter. Zur heutige» Verhandlung hat sich eine zahlreiche Zuhörerschaft anS allen hiesigen Gejellschastslreisen eingesunden, darunter hohe Genchtsbeamte, die Präsidcnttii deS Landes- und LtrasgerichtcS und mehrere Stabsoffiziere. Bemerlenäwenh ist die Thalsache, daß — wahrscheinlich in Folge der;nr Erörtenmg gelangenden heilten Fragen — bis Heute im 'Auditorium kein Frauenzimmer wahrgenoinmen wurde. - Was das Verhör der Angeklagten betrifft, so ist es unleugbar, daß die Verantwortung der Eheleute Moses und (bittet Nittel einen gü,urigen Eindruck »»acht. Auch tvareu die Aussagen mehrerer der heule vernommenen Zeugen geeignet, die Grundlagen der Anklage beträchtlich zu erschüttern. Die Verhandlung nahm folgenden Verlauf: Nach Moses Ritter wurde dessen Frau Gittel verhört. Sie sprach ruhig, aber mit einer (Entschiedenheit, die man diesem einfältig saussehenden Frauenzinnner gar nicht zugcmuthet hätte und die auch den Eindruck der Glaubwürdigkeit hervorrics. Sie begann mit der resignatiousvol- Icü Bemerkung, daß ne in Gottes Hand stehe und bereit sei, die schwerste Strafe zu. tragen, wenn sie schuldig befunden lverden sollte. Aber sie weiß von nichts. „Warum", ries sic, in Weinen ausbrechend, „sollten wir die arme Franziska Mnich erinorden, die bei uns zehn Jahre gedient hat und die wir so gern hatten?" Präs.: Wann war Franziska Mnich das letztemal bei Euch? — Angekl.: Einige Wochen nach unserem Laubhüttenfeste, es mar an einem Mittwoch. Präs.: Zeugen haben ausgesagt, daß sie an einem Sonntag, demselben Tage, an. dem sie verschwunden ist, bei Euch war, um von Euch Milch zu holen: seitdem hat sie Niemand mehr gesehen. — Angell.: Das ist nicht wahr, sie war seit jenem Mittwoch nicht mehr bei uns. An einem Sonntag, es war der erste Sonntag des Advents, ging meine Tochter Beile;u der Franziska Mnich, die bei Salomea Stochlinski war, um ihr eine Dienststelle in: Hofe anzutragen. Franziska wollte die Stelle nicht annehnlkn. Präs.: Woher wißt Ihr, daß der erste Sonntag des Advents war? — Angekl.: Ich habe gesehen, daß die Landleute ganz früh in die Kirche gingen, uub auf meine Fragen nach der Ursache dieses zeitigen Kirchcnbesuches sagte man mir, daß es der erste Sonntag des Advents war. Präs.: Habt Ihr gehört, daß es im. Dorfe geheißen hat, die Franziska Mnich war von Ihrem Alaune in gesegneten Umständen?' — Angekl.: Mein Mann hat mir erzählt, daß ihm das zuerst der Geistliche Drzewicki mitgetheilt hat (Sensation); ich habe gelacht. Mein Mann ist ein frommer Mann, er hat Weib und Kind, er hat nie mit einem andern Frauenzimmer ein Verhältniß gehabt, am wenigsten mit Franziska Mnich. Präs.: Habt Ihr viel Kartoffeln im Keller gehabt zur Zeit, als Franziska Mnich verschwunden war? — Angekl.: Ich glaube, es waren damals 75 Korctz im Keller. Präs.: In der vorigen Verhandlung habt Ihr gesagt, es waren nur 45 Koreh. Zeigt mir hier auf diesem Plane vom innerst Raume des Kellers, wo die Kartossekn gelegen haben. Der Vorsitzende hat den Plan auf dem Gerichtstisch, zu dem sich die Geschwornen, .Staatsanwalt und Perlheidiger begeben. Gtttel Ritter zeigte die Stellen, wo die Kartoffeln sich befanden, und suchte zu beweisen, daß damals im Keller kein Platz für einige Personen war: " Präs.: Die Eommission hat nach der Auffindung derbeiche derMnich eine Revision im Keller, vorgcnommen und dort eilte Stelle frisch gereinigt gesunden. Das war verdächtig.'— Angekl. : Ich lasse jedes Jahr, zu derselben Zeit den Keller reinigen, därai; ist gar nichts Auszallendes. t- •••*.> "r Befragt in Bettess der unter dem Schranke gefundenen Hacke, antwortete Gittel »oie ihr Mann, daß die Hacke vor den kleinen Kindern versteckt wurde, und fügte hinzu, daß mit dieser Hacke gelegentlich der Hochzeit der Tochter Beile die Schnäbel :mfo die Füße der geschlachteten Gänse abgehauen wurde». - Präs.: Als Ihr beim Aufsinden der Leiche der Franziska Mnich zugegen wäret und diese gesehen habt, .habt Ihr ausgerufen: „Ach, die Franziska ist geschlacht worden!" Warum habt gerade Ihr das gesagt? — Angekl.: Ich habe großes Mitleid» gehabt. Ich weiß nicht, ob ich so gesagt habe-.-- — Der Präsident fragt die Angeklagte, ob sich ihr Mann wegen der Hochzeit ihrer Tochter Beile oft zu ihrem Schwiegervater Nenmann Legeben habe. Gittel besaht dies mit der Bemerkmg» daß ihr Mann in dieser Sache zu -Nenmann an einem Sonntage sich begab, welcher, wie es sich zeigt, der-4. Tecember war. Präf.: Warum habt Ihr dies in der vorigen Verhandlung nicht gesagt? — Angekl.: Man hat mich darüber nicht geftagt. Bertheidiger Docent Rosenblatt: Man hat in der vorigen Verhandlung die Angeklagte darüber ganz einfach aus dem Grunde nicht gefragt, weil damals der 27. November als der Tag des Verschwindens der Franziska Mnich angenommen wurde, während die jetzige Anklage behauptet, es war der 4. December. Hierauf folgte die Einvernahme der Zeugen. Sophie Stochlinska deponirt, daß sie die Franziska Mnich das letztemal am ersten Sonntag des Advents gesehen hat. Aus die Frage, öd sie gehört habe, Franziska Mnich wäre vvn Ritter in anderen Umständen gewesen und ermordet worden, antwortete Zeugin, sie habe davon im Dorfe erzählen hören. Sie sagt ferner» sie wisse nicht, daß man gesagt habe, die Franziska Mnich hätte ein Berhältniß mit Franciszek Biel. Zeugin erwähnt, daß Franziska Mnich bei der Familie Ritter zn übernachten pflegte. Regina Mnich (Schwester der Franziska Mnich) schildert die Anhäitglichkeit der Letzteren an die Familie Ritter. Sie sagt, daß allgemein behauptet wurde, Franziska Mnich sei von dem Juden Ritter ermordet worden. Joseph Mnich (Verwandter der Franziska Mnich) war mit derselben aus einen Ablaß in Kalwaria. Franziska Mnich war sehr traurig^ Zeuge kennt die Gegend der Schluchr und behauptet, daß dorthin kein Weg führt. Ter Ort ist verlassen. Franziska Mnich ist dorthin nicht gegangen. Saloinca Stochlinsky (Frau des Marcelin Stochlinski) deponirte, sie habe nie gehört, daß die FranziskaMnich in der Hoffnung war, und hat es auch nicht bemerkt. Ihr Mann sagt ihr, daß er das Geld, das er hatte, ans einem Iahmarkte verdient habe. Marianna Stochlinska (Stiefmutter des Angeklagten) depo' nirt, daß sie die Franziska Mnich am ersten Sonntag des Ad- . vents, fünf Wochen vor Neujahr (somit am 27. November 188t), das letztemal gesehen hat. Ebenso deponirte Marianne Biel und Franciszek Biel. Zeugin Franziska Teleszowa sagt aus, daß Fraziska Mnich vom Geistlichen keine Msölutiön erhielt, weil sie ein Verhältnis mit einem Ehemanne hatte. .Franziska Mnich hat der Zeugin gesagt, daß dieser Ehemann Marcrli» Stochlinski war. (Sensation.) ,\.!f (Siehe den Schluß in dem Hauptbogeu dieserNummer ) Zeiturrgsuachrichten und Correspondenzen.; ellt schMnL A/M ■; Mainz, 13. Okt. Die zu London erschekrieMe Zeitschrift „TheJewish Chrönicte > theilt m&; vertrauenswürdiger (reliable) Quelle mit, daß bei der Dreikaiserzusammenklinft ' m : Skiernevice Seine