Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 82 (16.10.1884)
- Date
- 1884-10-16
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1352 rathung zurück, welche eine Stunde wahrte. Um 6 Uhr Abends wurde das Verdick verkündet, wonach die Jury die drei Hauptfragen einstimmig bejahte. Auf Grund dieses Vcrdictes wurden Moses und Gittel Ritter, sowie Marcelin Stochlinski vom Gerichtshöfe zum Tode durch den Strang vernrtheilt, und zwar soll die Todesstrafe zuerst an (Mittel, daun an Moses Ritter und zuletzt an Stochlinski vollzogen werden. — Gegen die Verurthcilnng haben die Bcrtheidiger die Nichtigkeitsbeschwerde angemcldct. England. London, 2. Oct. Die Herren Benjamin L. Eohen, Samuel Montagne und A. Asher, haben dem Mansion Honsc Eomitc zur Unterstützung russischer Juden einen Bericht über ihre Wahrnehmungen bei einem Besuche der russisch-jüdischen Kolonien'in den Ber. Staaten und Eanada zugeftcllt, aus welchem hervorgcht, das; jene Eolouien sich in verhältnißmäßig günstiger Lage befinden. Die Eolonic von Pointed Woods, 50 Am. von der schnellaufblühenden Stadt Bismarck (in Dakota) entfernt, umfaßt 50, meist aus Odessa stammende Familien, von denen jede 160 Acres erhalten hat. Hiervon waren bereits 10 bis 25 Acres kultivirt und wenn die Leute so fort arbeiten, wird jedes Familienhaupt nach 3 Jahren 160 Acres als volles Eigenthnm besitzen. Die Kolonisten waren mit ihrem Loose zufrieden. Die Kolonie in Lincland. Ncw-Jerscy, ist 25 Km. von Philadephia entfernt und umfaßt 70 Familien, welche sich den Umständen entsprechend mehr mit Gemüsebau und Eigarrenfabrikation als mit Ackerbau beschäftigen. Auch die von Sir A. Golt in Moosemin (Eanada) gegründete Kolonie ist als ein vollständiger Erfolg anznsehen. R u m ä it t e li. Jassy, 8. Oct. Die hiesige korporative Ausstellung hat, wie selbst die antisemitische Wochenschrift „Revista^ nona“ eingcstehen muß, Fiasko gemacht; indem sie von den Rumänen nur sehr schwach, von den Juden aber g a r n i ch t besucht wird. Rußland. Petersburg, I.Okt. Durch deutsche Blätter ging in letzter Zeit wieder einmal die Nachricht, daß die Kommission zu Berathung der Judenfrage ihre Arbeiten demnächst beendigen werde und . daß die Frage dann in absehbarer Zeit erledigt werde dürste. Die „Nowojc Wremja^ ist iu der Lage, diese Nachricht, die übrigens von sehr unkundiger Seite verbreitet sein muß, dahin zu berichtigen, daß die Kommission noch nicht einmal weiß, wann sie sich wird zu einer Plenarsitzung vereinigen können. Die einzelnen Mitglieder sind demnach zur Zeit noch mit der aufreibenden Arbeit beschäftigt, Material" zu sammeln. Wie viel Judenhetzen noch ftattsindcn müssen,-um dieses Material zn vervollständigen oder das Sammeln desselben in ein etwas beschleunigtes Tempo zu bringen, ist schwer zu beurtheilen, aber bis zur Regelung dieser Frage, die einen Theil russischer Staatsangehöriger in dauernder Unsicherheit schweben läßt, dürste noch eine lange Zeit vergehen. Bis dahin müssen sich die Juden in Rußland mit einer möglichst loyalen Handhabung der vorhandenen Bestimmungen begnügen, wie sie unter dem Ministerium Tolstoi ja auch bisher geübt worden ist. Leider kommen aber viele Dinge, die sich die Polizei besonders im Süden gegen, die Inden erlaubt, gar nicht zur Kenntniß des Ministers. So hat man im verflossenen sowie in diesem Jahre die Juden Seitens der Landpolizei vielfach behelligt, wenn sie im Innern des Reichs bei den Erntearbeiten als Taglöhner beschäftigt werden. Bekanntlich ist es ein alter Vorwurf der Antisemiten, daß die Juden zu Feldarbeiten untauglich seien und dazu überhaupt keine Neigung verspürten. In vielen Gegenden Rußlands hat sich aber gerade daSGegentheil gezeigt. Die Juden gingen als Taglöhner 31t den Großgrundbesitzern, von denen sie einigermaßen Schutz erwarten konnten,und zeigten sich diesen Äs tüchtigere Arbeiter als dieRnffen,da sie während der Erntezeit keine Feiertage machten, nüchtern und fleißig waren. Leider wurden sie aber vielfach durch die Polizei behelligt und an der Fortsetzung der Arbeit gehindert. ,!; . Mar 0 k k 0. - Ans Marokko wird berichtet: „Infolge energischer Vorstellungen des italienischen Minister-Residenten in Tanger beim Sultan von Marokko ist der Gouverneur von Dcmnap .abgesetzt und eingekerkert worden und unter der Beschuldigung, eine Anzahl jüdischer Einwohner seines Distrikts gefoltert zu haben.