Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1884-10-16 · Heft 82 (16.10.1884) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 82 (16.10.1884)
Date
1884-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2446951-2449406-2449482--20975-2510539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

1350 ist, dast die Thal in dem Rincr'schen Keller nicht vollbracht werden konnte, und andererseits widerspricht dasselbe dem gesunden Menschenverstände, weil doch Niemand vernünftigerweise glauben wird, dast der Ohegatte seine ganze Familie zur Beseitigung seiner Geliebten und seines Kindes zuziehen werde. Was sonst gegen die Oheleute Ritter vorliegc, beruht ans altem Weibergcschwäv, dessen Grundlosigkeit Bcrthcidiger nachwcist. Redner appellirt an den Verstand, das Her; und das Gewissen der Geschworenen und bittet um Freisprechung. Zeitnngsttachrichte» und Corrcfpondenzen. Deutschland. Berlin, 1. Oktober. Der durch seine Toleranz in den lucftcftcit Kreisen rühmlichst bekannte Direktor des Friedrichs-Gymnasiums, Prof. Dr. Kemps, hat, da nach dem Abgänge der Abiturienten in der Oberprima der genannten Anstalt nur 6 jüdische und 3 christliche Schüler verblieben, den Unterricht am Rosch-Haschonoh und Jom Kippur ausfallen lassen. Natürlich hat diese rücksichtsvolle Maßregel in einer der letzten antisemitischen Versammlungen zu eknerJnterpellatkon und gehässigen Besprechung seitens des Herrn Pickenbach und seiner Hetzkompagnie geführt. Diese Leute sind durchaus nicht über den Ausfall des Unterrichtes entrüstet, sie bersten vielmehr vor Aerger, das; im Hauptquartier des Judenhasses die Oberprima eines preußischen Gymnasiums 6 Juden und 3 Christen aufweisen soll. Nun, gönnen wir ihnen diesen Verdruß! In derselben Versammlung tischte Herr Pickenbach seinen beifallsjohlenden Zuhörern die schon tausendmal widerlegte Lüge auf, daß Cremieux 1870 einen Preis auf das Haupt des deutschen Kaisers und Kronprinzen gesetzt, sowie daß Baron Rothschild die jüdischen Soldaten veranlaßt hätte, aus der preußischen Armee zu treten. Wenn man bedenkt, mit welcher grenzenlosen Perfidie diese imfamen Lügen gefliffentlich verbreitet und wie durch ähnliche Schlagwörter die leicht erregbaren Pöbelhaufen entzündet werden, der muß vor einer Wahltaktik, die mit solchen vergifteten Waffen gegen den Feind vorgeht, allerdings bewundernd still stehen. Aurich, 3. Oktober. Wer den Besten seiner Zeit genug gethan. Der hat gelebt für alle Zeiten. An dieses schöne Wort des Dichters dachte ich, als ich mich mit tiefem Weh im Herzen auschickte. Ihnen, geehrter Herr Redactellr, eine Trauerbotschaft mitzutheilen. die gewiß nicht verfehlen wird, selbst in weitester Ferne schmerzliche Theilnahme hcrvorznrufen. — Iren *\ov 2in unc ist todtN Den Umfang und die Bedeutung dieses Schmerzensrufes kann nur der in seiner ganzen Tragweite erfassen, der jemals Gelegenheit hatte, in das Leben und Wirken dieses Mannes und in die Verhältnisse unserer Gemeinde einen tieferen Einblick zu thu». Denn, was er uns war, das war uns keiner und kann uns keiner nach ihm werden: er war unser Leiter und Führer, unser Vater und Berather, 7p 182' vd 7j>i 18L' TD; denn wir durften uns getrost seiner Führung anvertranen. Als darum am vergailgenen mw re*? um die Mittagstunde der obige Schreckensruf die ganze Stadt durchzktterte, da fühlten Alle, Arm und Reich, Jung und Alt, Jude und Christ, 701 Jnxi ir e, daß der Besten Einer geendet. Doch nicht allein unsere Stadt und Heimath verlieren in dem Verblichenen, den edlen Menschenfreund, den stets bereitwilligen Helfer ans Noth und Bekümmerniß, sondern auch viele Bewohner des Auslandes und anderer Erdtheile verlieren durch sein Hinscheiden eine wirksame Stutze für ihre Pläne. Die drei Grundsäulen, die nach Ansicht 7"m den Bestand der Welt sichern, min DHon rnirp, bildeten die Richtschnur für das Leben unseres geliebten Meisters. — 7"t spv ei wurde km Jahre 1812 zu Aurich geboren, wo sein Vater ''7k ei, derber dem damal. Präfecten und bei den späteren hannöv. hohen und höchsten Beamten seiner Klugheit, seiner Rechtschaffenheit und seines Biedersinnes wegen in großem Ansehen stand, ein bcgüteter Kaufmann war. Dieser gottessürchtige Mann kannte keinen großem Wunsch, als sein einziges Kind für das Studium der Thora zu gewinnen. Mit großen Opfern sorgte er deßhalb im Verein mit seiner edlen Gattin n"p für die Heranziehung von D'crn 'Tn7n, (die seknen^Sohn für niD begeistern sollten), was in der damaligen Zeit für unfern von der großen Verkehrsstraße so weit entlegnen Winkel keine Kleinigkeit war. Doch die Blühe war nicht vergebens, denn der Vater hatte die Freude zu sehen, daß sein Sohn sich mit einem wahren Feuereifer auf das Studium der Thora warf. In den Jahren, in welchen andere Kinder noch spielen und an eine emste Beschäftigung nicht denken, war der Verstorbene schon ruir&n nnre 'ps er ist diesem Studium tteu geblieben, und wenn einer, so hat er n7'7i ddy» e prim erfüllt. Um den Fortgang des Geschäftes hat er sich bei Lebzeiten seines Vaters so gut wie gar nicht, gekümmert, ihm blieb nur Zeit für min und rnon. Hatte der Verstorbene morgens ettva um 10 Uhr das Gotteshaus verlassen, wo er neben dem Gebete für sich und die Gemeinde auch noch Kr die vort

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.