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Der Israelit · 1884-10-16 · Heft 82 (16.10.1884) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 82 (16.10.1884)
Date
1884-10-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1349 fall!» «uv, Stochlinski Hobe freiwillig gcftnndcn. Lctztcrck bleibt jedoch dabei, daß ihm gedroht wurde. Krakau, 4. Dekoder. Der Zeuge. Geistlicher Jacob Drzcwicki, Psarrrcr in Lntcza, deponirle, Marianne Biel habe ihm mitgetheilt, daß Franziska Mnich ein intimes Vcrhältniß mit Riticr balle, weßhalb Zeuge letztere ermahnte, dcit Dienst bei Ritter aufzugeben. Schon viele Monate vor dem verschwinden der Mnich munkelte man im Dorfe von diesem unsittlichen Verhältnisse. Der Zeuge behauptet entschieden, daß Franziska Mnich am 4. Dccembcr 1881 verschwand, und begründet diese Behauptung durch verschiedene Daten! Zeuge erfuhr von ihrem Bcrschwindcn im ,vebnt ar 1882 und hat auch gleich Nachforschungen veranlaßt, um sie aufzusindcn. Als inan ihre Weiche gefunden, machte Zeuge die schriftliche Anzeige beim Bezirksgerichte. Zeuge schildert die (Gegend der Schlucht als unwegsam und unzugänglich. Als Franziska Mnich im September 1881 nach Kalwaria kam, bei ihm beichtete und Absolution verlangte, wollte er ihr diese wegen ihres unmoralischen Leben nicht geben. Zeuge hat oft mit Ritter gesprochen und diesen stets für einen braven, ehrlichen Israeliten gehalten. Seine iyrau ist ein braves, ehrliches, arbeitsames Weib. Während der Zeuge dem i'ckiisuxuibcl der Gittcl Ritter dieses Lob spetidete, brach dieselbe in Weinen aus und danltc dem Zeugen. Dagegen tadelte Drzewilki den Lebenswandel des Stochlinski und nannte ihn einen unmoralischen Menschen. Hieraus wurde der Geistliche Johann Drzcwicti lBrudcr des Ersten) als Zeuge ventommen. Derselbe war bei Stanislaw Lukassck. als Gendarmen den Stochlinski in die Wohnung Lukassek's brachten. Zeuge erzählte, daß ans fein Zureden Stochlinski cingestandcn. daß Franziska Mnich int Keller Ritters ermordet tvurdc, woran Stochlinski in der bekannten Weise thcilgcnomntcn. Zeuge deponirt, daß man vor Auffindung der Leiche erzählte, daß Franziska Mnich von Ritter in Hofsnnng war. Aus Befragen seitens des Vorsitzenden, wartttn man die Leiche nicht im Hause Rittcr's gesucht habe, da man schon früher allgemein sagte, Franziska Mnich sei durch die Juden ermordet worden, aittwortete Zeuge, er war dazu nicht berechtigt. Krakau, 6. Cctobcr. Heute wurde bas Zeugcnverhor fortgesetzt. Aus den vielen unwichtigen Aussage» heben wir die der Amme Rider hervor. Dieselbe war anläßlich der Hochzeit der Beile Ritter mit der Bereitung der Fleischspeisen beschäftigt. Befragt, womit sie die Füße von den Kälbern und Gänsen abgehauen, antwortete die Zeugin, daß fie dies mit einer Hacke gcthan hat. Man zeigte ihr nun die im Gcrichtssaalc befindliche kleine Hacke, welche sie als dieselbe agnoscirte, dcrett sic sich dantals bedient halte. Die Zeugin fügte hinzu, fie habe die Hacke nachher unter den Schranken gelegt. Auch Gittcl Ritter habe mit dieser Hacke Gänsefüße abgehauen. — Aus die Frage des Staatsanwaltes, warum die Zeugin dieses nicht in Rzeszow vorgebracht habe, antwortete dieselbe mit Bestimmtheit, sie habe auch damals so ausgesagt. — Der Vorsitzende verlas die vorige Aussage, und da sie mit der jetzigen in manchen Punkten nicht übcrciustintmt, behielt sich der Staatsanwalt vor, gegen die Zeugin wegen falscher Attssage gerichtliche Untersuchungen cinzulciten. Zeuge (ihiel Nenmann, Schwiegervater der Beile Ritter, dcponirte: Moses Ritter sei am Sonntag den 4. Dezember 1881 bei ihm zur Regelung der Mitgist-Angelegenheit seiner dantals mit Ncumanns Sohn verlobten Tochter Beile gewesen. Der Staalsantvalt fragte den Zeugen, woher er genau wisse, daß es der 4. Dezember war, und da derselbe aus mehrere Fragen des Staatsanwaltes bezüglich dieses Datutns erwtcdcrte, daß er sich nicht erinnern könne, beantragte der Staatsanwalt die Verhaftung des Zeugen und die Eiitleitung der Untcrsnchung wegen fatschen Eides. Bcrthcidigcr Dr. Machaiski sprach cnergisch dagcgcn. rügte dcn Vorgang des Staats, anwalles in dieser Verhandlung, welcher bereits einige Zengen. die;» Gunsten des Angeklagten aus'sagten. zu verhafte» beantragte: dadurch werden die Zeugen abgeschreckt. Dr. Machalski legte dar, daß der Zeuge nicht falsch ausgesagt habe. Ebenso bekämpfte Bcrthcidigcr Tr. Rosenblatt den Antrag des Staatsanwaltes. Zeuge Simon Felder dcpouirte, daß Moses Ritter bei ihm am Sonntag des Advents war (er könne sich nicht erinnern, ob cs der erste oder zweite Advcntsonntag war) uttd ihn bat mit ihm zu c>hicl Nenmann zu gehen, tun ihm bei Regelung der Mitgift-Angelegenheit behilflich zu sein. Salomon und Hirsch Diamant haben ausgesagt, daß sie am Motttag den .'». Dezember, als Ritter von Rcnmantt kam, und 80t» Gulden bei sich hatte, welche Nenmann als Anzahluttg ans die Mitgift nicht nehmen wollte, von Ritter 200 Gulden sich geliehen haben. ---- Agathe Baranska, früher Magd bei Reumann deponirte ebenfalls, daß sie Ritter an einem Advent soimtage bei Nenmann gesehen habe. Der Antrag zur Berfolgnng Ncumanns wurde vom Gerichtshöfe verworfen. Krakau, 8. Dclobcr. Der Vorsitzende verlas während der Vormittagssitznitg nebst mattttichfachcn Protokollen auch das Gutachten der Krakauer tncdicinischen Facultät über die vom Landcsgerichte an letztere gerichteten vierzehn Fragen über die Todesursache der Mnich. Die Facultät beatuwortctc diese Fragen zwar entsprechend der Dbduction, sonnt im Sinne der Anklage, jedoch nicht mit Bestimmtheit, sondern vornehmlich ans Wahrscheinlichkeilsgrüitdett. Hierauf wird die Entscheidung des Eassationshoscs verlesen, welche die nette Vcrhattdluttg in Kral an anordncte und nach geübter strenger Kritik der Dbdurtion der Leiche mit der Be merkung schließt, daß die Zurückweisung des von der Vcrthcidigttng gestellten Anirags (andere ärztliche Sachverständige zit citireit) sich umsotveniger rechtfertigen läßt, als die Expertise über sattle Leichen, wegen der leichteren Möglichkeit eines Bcobachttittgssehlerü, unbemittelt zu den schwiertgsten Problemen der forensischen Mcdicin gebärt, uttd als andererseits daS s»pponirlc Motiv, auf welches die Verübung der Thal zurücksührt und ans welchem die nach dem gcrichtsärzllichett Befunde angenommene Begehung denselbett erklärt werden will, bei einer vornrthcilsfreieit und nnbesangenen Kritik die Wahrscheinlichkeit gegen sich hat. daher zu einer möglichst genatten und eingehenden Prüfung der Beweis-Materialen heranssordett. Bor Schluß' der hettligen Verhandlung lheille der Vorsitzende mit, daß der Gerichlshoi beschlossen habe, dem Anträge des Vcrthcidigers Dr. Roscnblatt, wonach die Geschwornen sich ttach Lnleza zttr Bcsichligting des Kellers im Hanse Ritters begeben sollen, keine Folgen zu geben. Das Bcwcisvrrsahren wurde für geschlossen erklärt. K rat an, l». Dctobcr. Der Staatsanwalt wiederholt die bereits mitgelheillen Anllagcgründe, die dcrVertheidigcr Dr. Macholski schlagend widerlegt. Atts der Verheidigungsrede des Dr. Roscnblatt theilen wir das ')iachsolgendc mit. Dem vorliegenden Falle, sagte er unter Anderem, wurde ganz ohne eirund so hohe Bedeutung zugeschrieben. Atts der Anklage geaeti l^inzclne wollte man eine Anllage gegen Religion schmieden, welche gerade durch ihre Reinheit Jahrtausende überdauert und die Grundlage aller heule herrschenden Religionen getvörden. Die Aufgabe der Geschworenen soll cs sein, an der Hand des Bcweismatcnals ein unbefangenes, vonirtheilfrcicsUrthcil äbzugeben, dic Hanptgntttdlage, atts welcher die Anllage gegen die 'Eheleute Ritter bemht, ist die Aussage Ltochlinski's. Dieses Geständniß ist aber einerseits höchst unwahrscheinlich, weit nachgewicsen

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