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Der Israelit · 1884-10-13 · Heft 81 (13.10.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 81 (13.10.1884)
Date
1884-10-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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134-1 n die bald die ganze Hanfgasse anfüllcndcn Passanten, das; ein Ghristcnknabe voll einem indischen Hadcrnhändlcr behufs Blutabzapfung geschlachtet lvorden sei. „Das ist ja entsetzlich!" hörte man die Weiber rnfen, während die Männer meinten, man muffe die Polizei holen, damit man den rituellen Mörder verhafte. Inzwischen war die Bram zum. Hausmeister Ladislaus Rainck, dem Gatten ihrer Freundin, gegangen, der im Korridor.mit einer Arbeit beschäftigt war. „Ich bitf Sie, Herr Ramek," sagte sie, am ganzen Leibe zitternd, „gehen Sic schnell hinein zu dem Juden Holländer, und durchsuchen Sie seine Wohnung, vielleicht finden Sie noch den Leichnam von meinem Neffen!" Der erwähnte HanÄneister, ein aufgeklärter Mann antwortete: „Aber Frau Bram! Schämen Sie sich nicht? Wie können Sie denn einen solchen llnsinn zusammen reden! Die Inden brauchen doch lein Christenblut, das pfeifen heut' schon die Spatzen am Dach!" „Wenn Sie cs nicht glauben," entgegnete im schreienden Tone die Bram, „ich glaube cs. Daruln bitt' ich Sie nochmals, gehen' Sie hinein zu diesem Juden!" „Dazu habe ich kein Recht, meine liebe Frau Bram", sagte hierauf der Hausmeister, „gehen Sic zu ihm, wenn Sie. wollen, aber mich lassen Sie mit Ihrer Dummheit endlich in Ruh'!" Und er lehrte ihr geärgert den Rücken. Mittlereweile waren schon die Leute in die Flur des Hauses gedrungen; ihnen folgten wieder Andere, so das; der Hausmeister, dem die Geschichte schon zil bullt wurde, herzucilte und schleunig das Thor versperrte. Bon den im Flur befindlichen Personen riefen einige; „Gehen wir hinein zum Juden! Gr muß die Leiche heransgebcn!" „Das thuu wir auch!" rief die Bram und unter ihrer Führung drangen sic in die Wohnung Hallünders. Letzterer war nicht zu Hanse. Seine Gattin wich bestürzt zurück und ries: „Wie können Sie nur so etwas von uns glauben! Wir haben kein fremdes Kind und wollen auch keines!" „Das glaube, wer will!" antwortete die Bram und schritt mit den übrigen Personen ins Zimmer. Nun wurde eine Hausdurchsuchung abgehalten, wie wenn eine polizeiliche Kommission im Gemache wäre. Altes wurde von unterst zu oberst gekehrt. Die Betten lvarf man zur Erde und Durchschnitt die ^trohsäckc, die man sorgfältig visitirtc, ob nicht etwa im Stroh der Kindesleichnam versteckt sei; allein nirgends war eine Spur des vermißten Kindes zu entdecken. Nun gingen die Leute, die Frau Bram als Führerin überall voran, ins Vorzimmer, wo mehrere Ballen init Hadern standen. Auch diese wurden durchschnitten und der Inhalt auf's peinlichste durchstöbert. Aber auch hier war der Leichnam nicht zu finden. Nun ging man in die Küche. Auf dem Herde stand ein großer Topf, der mit einem Blcchdcckcl zugedcckt war. Die Bram hob den Deckel empor und blickte hinein. Plötzlich schrie sie: „Heiliger Himmel! Da drinnen ist der kleine Göza! Die Juden haben ihm den Kopf abgeschlagen, und der Körper kocht bereits im Wasser!" „Aber, um'S Himmels Willen!" rief Frau Holländer, die überall dabei war, und wehrlos Zusehen mußte, wie man ihr (5'igcnthum zerstörte, „ttm's Himmels willen! Da drin» ist kein Kind, das ist ja mein Fleisch, das ich heute in der Orthodoxeufleischbank in der Trommclgasse gelaust habe!" „Sieben Sie nicht!" herrschte mau sic an, „das werden wir schon selber bcurthcilcn!" Man zog das Fleisch ans dem Topfe heraus. Cs waren drei große Stücke. Frau Bram lamentirte: „Ja" das ist der Körper des Kindes! Man hat ihn in drei Thcile zerschnitten!" Sodann goß sie das Wasser aus, im Glauben, daß am Boden des Topfes vielleicht der Kopf ihres Neffen zu finden sei. Das war aber nicht der Fall. Nun verlangte man kategorisch von der Frau Holländer, sie möge den Kopf herausgeben, da es ihr sonst schlecht ergehen würde. Die Hadernhändlerin schwor hoch und thcuer, sie habe keinen Kopf, sic habe kein Kind, und das, was man ihr weguehme, sei ganz gewöhnliches Rindfleisch. Während sich dies iu der Holländcr'schcn Wohnung zutrug, kamen von der Iosefstädter Stadthauptmannschaft, welche davon verständigt worden war, daß sich ein Menscheuzttsammenlauf in der Hanfgasse gebildet hat, zwei Konstabler. Cs kostete denselben keine geringe Mühe, sich durch die Menge hindurchzuarbeitcn. Die Leute riefen: „Arretirt den Inden, der ein Christenkind umgebracht hat!" Bor dem Hause Nr. 3 angelangt, mußten sie eine geraume Weile parlameutireu, bis man endlich das Thor öffnete und sie einlicß. Die Konstabler betraten sofort die Wohnung des Hadernhaudlers, wo dessen Frau ihnen weinend und jammernd das Unrecht klagte, das man ihr angethan. Frau Bram rief wieder, man möge die Jüdin verhaften, denn sie selbst habe den Leichnam zerschnitten und gekocht. Selbstverständlich glaubten die Konstabler letztere Anschuldigung nicht. Aber merkwürdigerweise fanden sich unter den im Thor stehenden Leuten gleich sechs Personen, die erklärten, Zeugenschaft bei Gericht ablegen zu wollen, das; sie mit ihren eigenen Augen

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