Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 79-80 (2.10.1884)
- Date
- 1884-10-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2446951-2449406-2449480--20929-2510491- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
1314 langer Zeit verurtheilt wurde und trotz alledem mit einem Mandat als Abgeordneter für Czegled betraut wurde. Wer von beiden Theiten bedauernswcrther ist, ob die Wähler, welche einen solchen ehrenhaften Abgeordneten haben wollen, oder oer Abgeordnete, der die Interessen so „ehrgeiziger" Wählerin vertreten hat? Jedenfalls bilden die Ezeglcder Bauern in der Hand des meistervollen Gclduuterschlagcrs den gefügigen Thon, aus dem der schlaue antisemitsche Töpfer Formen bildet, die der Welt zeigen sollen, um wie viele Jahrhunderte die ungarischen Bauern noch zurück sind, solange sie den Aposteln der Zwietracht Gehör schenken! Um unseren Bericht mit freudigeren Mittheilungen zu schließen, erwähnen wir noch, die anr l 8? September erfolgte Einweihung des vom hiesigen Talmud-Thora-Verein erbauten Bethauses in der Leopoldstadt, Salzgasse 16. Das Gebäude ist einfach und geschmackvoll hcrgerichtet und war thatsächlich ein längst gefühltes Bedürsuiß dieses Viertels. Weitere Mittheklnngen über die Einweihung folgen noch. Aus Fogaras (Siebenbürgen) wird uns geschrieben : Am jüngsten Donnerstag wurde das neue isr. Schulhaus, ein stattlicher Bau, eingeweiht. Anwesend waren die städtischen und Komitatsbehörden, der Obergespan, der Schulinspektor, das Honved- Ofsizierscorps, die Geistlichkeit und der Lehrkörper aller Konfessionen und zahlreiche Vertreter der Intelligenz. Die Reden des Gemeinde-Vice-Präses Julius Fleissig, des Schulstuhl-Präses Dr. Hochmann nnd des Schnlinspektors Franz Schreiber uiachten einen sehr guten Eindruck. Feuilleton. Aus dem Lcöeir eines orthodoxen Htaööiners. Skizze von vr. Sta. . . (Fortsetzung.) A 15. Capitel. Zu sp ä ,t. . . r. Es war nnterdeß Nacht geworden. . Aus den nächtlichen Schatten erglänzte der silberhelle Schein des Mondes und belächelte die Thorheiten, die da die Menschenkinder vor seinem Lichte treiben.. . Zwei Pärchen bogen jetzt iu die n Mee, des Parkes eiNi -. - j .«rnr-.l r-t'r „Was meinen Sie, Fräulein Hulda!" — sagte Doktor Priester zu Hulda, an deren Seite er schritt und ergriff ihre Hand — „darf ich ohne jegliches Bedenken auf den Vorschlag des Rcbb Janno eingehend" : . rc ' „Ich weiß ja gar nicht," — erwiderte Hulda, während eine flammende Röthe ihr Gesicht bedeckte, verwirrt, — „wie der Vorschlag dieses sonderbaren Schames lautet?" — „Darf ich ihn wörtlich wiederholen?" frug Dr. Priester schelmisch lächend. — „Es würde mir meine Aufgabe bedeutend erleichtern! Nur dürfen Sie mir Ihre Hand nicht mehr entziehen. Darf ich?" Er ergriff ihre Hand nnd drückte sie und sie entzog dieselbe ihm nicht mehr. „Wenn es Ihnen Freude -macht!" gab sie mit steigender Verlegenheit zurück. — „Warum nicht?" Einige Augenblicke ging Doktor Priester schweigend an ihrer Seite. Es schien ihm doch an Muth zu mangeln, die offene Sprache des Nebb Janno zu wiederholen, zuletzt siegte doch fein Uebermuth und er begann: „A kadowes i) ist Hulda Stein, ein Mab*)", hat Nebb Janno gesagt, oder besser gesagt, geschrieen, und ich fand, daß er noch niemals so vernünftig geredet. „Jeder kann sich glücklich preisen, der sie sich zuul Weibe erwählt!" fuhr Nebb Janno fort. — „Und eine Mischpoche *) a katowes Nebb Lob Stein sichrono liwrochoh? Also kurz und gut, Rebb Doktor Priesterleben, Sie müssen die Hulda heirathen. Ich soll leben, Sie müssen!" „Was meinen Sie, liebe Hulda, zu diesem kategorischen Imperativ, darf ich einem solchen vernünftigen Befehl zuwiderhandeln?" frug Doktor Priester gespannt. Als er aber vergeblich auf eine Antwort gewartet, fuhr er fort: . .. „Aber der Vorschlag des Rebb' Jaüno war ganz überflüssig, denn gleich am ersten..Tage, als ich Sie erblickt habe, nahmen Sie''mein 'Herz gefangen und jeder Tag lehrte mich mehr,, wie innig ich Sie liebe. Wollen Sie also, liebe Hlüdg,-. mich glücklich machen? Wollen Sie mein Weih werden?" Wie ein leiser Hauch tönte es zwischen den Lippen des Mädchens „lieber Karl!" — ' Dieses eine Wort dünkte dem Doktor Priester als das süßeste, das er jemals gehört. .- „Laß uns jetzt nach Hause eilen, liebes Mädchen"— sagte Dr. Priester —^ „und uns vir» Deiner und meiner Mrtter segnen!" . „He da, gestrenger Herr Rabbiner,"- — rief Doktor Priester Doktor Stein zu, der eine kurze j \ " ■ - •' " ,,r,"!V«W Kleinigkeit. 2) Mädchen, jüdisch polnisch. *) Familie.