Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 25 (1884)
- Issue
- Heft 79-80 (2.10.1884)
- Date
- 1884-10-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1313 neuen Jahres verwiesen. Es Hai damit den Gedanken an die sittigende, stählende Kraft nahe gelegt, mit welcher die Uebung dieser Mizwah den Juden für alle Pflichten ausstattet, die Gott zahlreich wie die Tage im Jahre und wie die Glieder des menschlichen Körpers mit unscrm Leben verwoben hat. Diese Wahrheit dürste auch dem Worte zu Grunde liegen, mit dem im Midrasch Tanchnma Mizwath Lulab eingeleitet wird: vhm drin ptrtn ovü or1? cnnpbi :miiy psirrO ptwn *on rrin nircn „Nehmt Euch am ersten Tage Palmzweigblätter rc." (3. B. M. 23, 40.) Der erste Tag? Der fünfzehnte ist cs; aber es ist der erste für die Anrechnung jeder Verschuldung. Wird Mizwath Lulab, gewissenhaft geübt, zum Pfeil gegen die Verführung, welche unser im Laufe des langen Jahres wartet, so hat uns Gottes Gnade selber die Mittel zur Bekämpfung aller Einflüsse übergeben, die uns dem Gottesgesetz zu entführen und dem Leichtsinn zu überantworten versuchen. So oft wir auch die Treue brechen, jede Schuld, die wir auf uns laden, die erste Veranlassung dazu wird immer die Vernachlässigung des Talismans bleiben, den uns Gottes Vaterliebe in Mizwath Lulab gereicht. Mit der Freude am Dienste Gottes, die wir uns von der Verführung rauben lassen, entsinkt der zu ihrer Bekämpfung bestimmte Pfeil unseren Händen und richtet sich gegen uns selber. 21L2'! nnDEtt 'N '.H N8 N72Z) «7 IL'dr nnn '/121 nN N-I2Z-1 ,7r 21O 227 Deshalb rief uns der Schofar am Noschhaschana aus der ttüben Gesunkenheit eines gottentfremdeten Lebens hinan zur lichten Höhe des Jom Kippur mit seiner Verzeihung und Versöhnung, und von da zum Gipfelpunkt aller irdischen Seligkeit, zu der Freude vor Gottes Angesicht, die den Fcstsirauf; und die Festhütte überdauert, die ewig unerschöpflich ist, wie die Quelle, ans der sie strömt. "nor-dv p27rv TJö "roc #n .. rciD ... Di'n 72 *,^2 Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Wien, 22. Sept. Wenn das thierische Element im menschlichen Organismus die Oberhand gewinnt, daun treten die guten Geister scheu zurück, sie verlieren ihre Macht und verschliesten ihre heilsamen Kräften! Der Mensch sinkt dann allmählich immer tiefer und tiefer; denn der bestialische Trieb hat ihn ohnmächtig und gefügig gemacht, er gleicht dann einer formlosen Thonmasse, die der willkürlichen Laune eines übermüthigen Töpfers überlassen wurde. Diese Gedanken kamen uns in den Sinn, als wir von dem Blntmärchen aus Czcgled (Ungarn) Kunde erhielten. Jene blutdürstigen Ungeheuer in Menschengestalt, sie vergessen, daß wir im 19. Jahrhunderte sind, sie scheinen zu übersehen, das; die Menschen endlich müde geworden sind, ihre Ammenmärchen anzuhören und ihre Machwerke zu . bewundern. Und wenn der letzte Funke des antisemitischeu Winkelbrandes im Verloschen sein wird, so werden alle Verehrer dieses modernen Götzen ihn zu entfachen beginnen, damit die Welt nur immer noch den faulenden Zankapfel besitze, der beide Thcile zu erdrücken droht. Eine größere Niederlage konnten doch die Antisemiten nicht erlebenals durch die/ rasche Lösung des allerneuestcn Scandals! Höret und staunet! Ein einfacher und fleißiger jüdischer Kaufmann in Czegled, namens I. Hirsch! erhielt am 18. September durch einen Bauernburschen [einen Zettel, auf welchem folgende Worte standen: Wenn Sie einen Liter Ehristcnblut billig kaufen wollen, so folgen Sie dem Ucberreicher dieses Zettels. Nachdem der Kaufmann die Lectüre dieser. spaßigen Einladung beendigt hatte, sah er schon den Ueberreichcr derselben davoneileu. Nasch entschlossen holte er den in seiner nächsten Nähe befindlichen Pandur (nngar. Polizeimann) und folgte eilig dem Bauernjungen nach. Bei einem kleinen Banernhäuschen wurde er endlich eingeholt. Alle 3 traten nun in die Bauernstube und fanden eine alte Bäuerin im Bette liegend, die rechte Hand hing vom Bette herab und war mit Blut überströmt, eine große Blutlache lag vor dem Bette. Man schasste schnell Hilfe und brachte die Bäuerin zu Bewußtsein. Bei vollem Bewußtsein gab sie dann zu Protokoll, daß sie sich selbst die Adern durchschnitten habe, und den Banerujnngen um einen Inden schickte, damit derselbe von dem Blute kaufe oder genieße; wenn ihr Plan gelungen wäre, so wollte sie sofort nach Pesth fahren, um den Beweis zu erbringen, daß die Juden Ehristcnblut gebrauchen. Daß ein solcher Plan nicht allein von der Bäuerin geschmiedet und ausgeführt wurde, ist doch sonnenklar, wenn man bedenkt, daß Ezegled das Jagdrevier des antisemitischen Ritters von der traurigen Gestalt (Verhovay) ist, jenes Helden, der wegen Betrügereien und Geldunterschlagnng erst vor nicht gar