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Der Israelit · 1884-10-02 · Heft 79-80 (2.10.1884) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 79-80 (2.10.1884)
Date
1884-10-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1312 tet, die Quelle ist, aus welcher die ewig unverlierbare jüdische Heiterkeit strömt, das; er nur die Wurzel ist, dessen heitere Blüthen er in seinem Feststranß verkörpert in Händen hält, diese concrete und. daher nicht wcgzuleugnende Thatsache macht den Lulab znm^Dorn im Auge des Verführers. Der Verführung und dem großen Troß, der ihr Heeresfolge leistet, ist das Judenthum in Wirklichkeit ja nicht zu wenig ästhetisch, sondern zu wenig praktisch nnd'weltklug, zu wenig bequem und vortheilhaft, im trivialen, materiellen Sinne des Wortes. Seine Sabbat- und Feiertaggesetzc stören das athemlos ringende Streben nach Erwerb, seine Zinsgesetze, seine Pflichten der Wohlthätigkeit und Menschenliebe beeinträchtigen den Besitz, seine Speise- und Kcnschhcitsgesetze beschränken den ungezügelten Genuß, alle zusammen lassen sie die Eigenart des Gottcsgcsetzes inmitten der erwerbenden, besitzenden und genießenden nichtjüdischcn Welt als jüdische Eigenart erscheinen, das ist es, was man mit vermeintlichen Forderungen der Aesthetik verbrämt, weil man doch eine Ahnung von der Schmach hat, welche das ungeschminkte Bekenntniß der Wahrheit für die Bekenner bedeutete. Man fürchtet von den Schofartönen nicht so sehr, daß sie das jüdische Ohr verletzen, als daß sie ans der „Judenschul" hinaus ans die Gasse dringen und die Passanten erinnern könnten, wie ungebildet doch die Inden noch sind, die statt in taumelndem Sylvesterransch, ein trunkenes Prosit- Neujahr dem konnnenden Jahre entgegenzulallen, es vorziehen dem alten Dreiklang ihres Vätersignals zu lauschen. Und nun gar Mizwath Lulab! Für vieles Geld sich aus weiter Ferne die tropischen Pflanzen zu verschaffen, sie am Hellen, lichten Tage über die Straße zu tragen, und mit diesen Erzeugnissen des Orients sich wieder als Orientale öffentlich zu docnmentiren, sie nach sännntlicheu Richtungen der Windrose vor allen im Gotteshause versammelten Brüdern und Schwestern zu heben und zu senken, mit ihnen die Umzüge zu halten und damit die Thora als den Mittelpunkt zu feiern, nm welchen sie alle Bewegungen vollziehen, das ist für ein ästhetisches Gemüth zu viel. Diese Aesthetik gipfelt ja in der Anschauung, daß das alte Judenthum eine orientalische Institution ist, welche für die mit Europens Höflichkeit übcrtünchten Kinder des 19. Jahrhunderts längst veraltet gilt. Und da wagt es der Pflanzenbundalljährlich allen über das weite Erdenrund zer-- streuten Bekennern des Judenthums nicht nur Grüße! aus dem Orient zu bringen, sondern die Thatsache! zn constatiren, wie die Erzeugnisse! des Orients! und Occidents sich in der jüdischen Hand Hannonisch zu einem Feststrauß vereinigen, der wie ein Zauberftab die Freude, die Freude vor Gottes Antlitz weckt, und sie jedem Juden als unverlierbares göttliches Angebinde mit hinaus ins -Lebe» gibt! Was bleibt der Verfiihrung noch übrig, wenn sie sieht, wie die Freuden, die sie ihren Opfern nur versprich t, den treuen Anhängern des Judenthums in einer von ihr unerreichbaren Weise, bereits gewährt sind! DieVeführung sucht dasJudenthum lächerlich und unmöglich erscheinen zn laffen, indem sie auf die Entsagung hinweist, welches es seinen Bekennern auferlegt, wie es der Habsucht und dem ungehemmten Genießen mit seinen ernsten Gesetzen entgegeutritt, und da steht der Jude mit seinem Feststrauß thei rnpn dr'IM yhyo und weiht tut Gegensatz zu den überall giltigen Gesetzen des Egoismus, der immer erst an sich und nur an sich, und in zweiter, dritter und zehnter Reihe erst an Andere denkt, die Früchte und. Güter in seiner Hand, erst der Welt und datm erst sich, erst dem Himmel und dann erst der Erde, und findet in dieser Haltdlungsweise die reine nicht zu trübende Freude vor Gottes Antlitz, wo das grobsinnliche Auge seiner Verführer nur Versagen und Verzichteit sieht! Das Judenthum, gesteht der Verführer großmüthig zu, hat in den Zeiten mittelalterlichen DruM und Elends seine Berechtigung und Bedetttung gehabt, aber heute, wo der Jude den Besitz aller Güter und Rechte hat, deren sich alle anderen Menschen auch erfretten, hat es seine Daseinsberechtigung eingebüßt; und der Jude mit den schönsten und vollendetsten Gaben der Gottesnatur . in den Händen, feiert allen diesen Einflüsterungen zum Trotz die Thora als den Mittelpunkt, um . den er sich mit den ihm von Gott beschiedeuen Gaben bewegt; erklären diese wenigen Züge aus Mizwath Lulab iticht hinlänglich den Dorn, zu dem sie im Auge aller Verführer wird?! ,, ...... Wer durchdrungen von dem Geiste dieser Mtzwah sie au der Schwelle des neuen Jahre« mtz der ganzen von Gott gebotenen Innigkeit übt, und aus ihr die Lebensfreude gewinnt, die Gott an ihre gewissenhafte Erfüllung geknüpft hat, der ist gefeit gegen alle Bedenken und Versuchungen, ‘ mit denenT Selbstsucht und Lebeusgemächlichkeit die Erfüllung unserer Pflichten zu erschweren sucht. ..Den», die Freude, die ans Mizwath Lulab erblüht, bekämpft jede Verführung sovollständig mit ihren. -eigenen Waffen, daß sie selber daran verzweifelt wypv pni%> rvcao Vij; unser Pflichtbewußtseinwankend zu machen. * *';? -* Nicht umsonst hat wohl das jüdifcheGesetz die Erfüllung dieser Pflicht aus. die .ersten Tage, des

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