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Der Israelit · 1884-09-25 · Heft 77-78 (25.9.1884) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
25 (1884)
Issue
Heft 77-78 (25.9.1884)
Date
1884-09-25
Page
– (sequence 19)
Language
German
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[l 1293 Nußlan d. Wie das St. Petersburger Blatt „Echo" aus sicherer Quelle erfährt, hat die unter dem Vorsitz des Grafen Pahlen zur Berathung der russische» Judenfrage eingesetzte Kommission ihre Arbeiten beendigt und wird die Resultate derselben in nächster Zeit dem Minister des Innern, Grafen Tolstoi, zur Begutachtung übergeben. Nach der Begutachtung seitens des Ministers des Innern wird die Frage dann dem Neichsrath vorgelegt werden. Kischeuew. Eine christliche Frau stürzte sich in sclbstntörderischer Absicht in den offenen, im Hofe des hiesigen Bcth Hamidrasch sich befindlichen Brunnen, wurde aber glücklicherweise von einigen Männern, die gerade vorüberkamen, wieder gerettet. Welche Folgen der Fall, wenn die Frau ihre Absicht hätte ausfiihrcn können, gehabt hätte, ist nicht zu ermessen. Jnl höchsten Grade unverantwortlich ist es, daß die Verwaltung des Bcth Hamidrasch den Brunnen offen stehen läßt. Hoffentlich wird man nunmehr Hier wie anderwärts, wo ähnliche Verhältnisse vorherrschen, durch dieses Ereignis; eines Bessern belehrt sein. Samuschtsch. Der von der Regierung ernannte Rabbiner Murlik aus Dubna wollte sein Söhnchen in' das hiesige Gymnasium aufnchmcn lasten. Die Anfnahmsprüfungen begannen am Samstag. Als der Dircctor des Gymnasiums an den Rabbiner die Frage stellte, wieso er als Rabbiner fein Kind au diesem Tage, wo nur schriftliche Aufgaben gestellt werden, zur Prüfung bringen könne, antwortete er: Mein Kind schreibt auch zu Hause am Samstag. Darüber war beim Lehrerpersonal allgemeines Erstaunen. Die Folgen dieser Aeußernug ließen nicht lange auf sich warten. Das Directorimn verordnete, daß, da der Rabbiner das Schreiben für keine Sabbatverletznug halte, alle das Gymnasium besuchende jüdische Kinder zum Schreiben an diesem Tage gezwungen werden sollten. Es bedurfte der eindringlichen Vorstellung einiger Hochangesehener Juden, welche dem Direktor nachwicscn, daß sein Befehl mit der im Jahre 1882 erschienenen Verordnung des .Unterrichtsminifters, welche erlaubt, daß auf Wunsch der Eltern jüdische Schüler am Samstag vom Schreiben dispensirt werden, in Widerspruch stehe, mit eine vorläufige Zurücknahme dieses Beschlusses zu erwirken. ii's'i'r: '. (Hamelitz). ’ A m e r i k a. Wie amerikanische Zeitungen berichten, sind an den Dnrchstechungsarbeiten der Landenge Panama (Panamacaua!) 2000 Inden aus Rordafrika beschäftigt. F e n i l l e t o n. Die Kunst- und Hewerveschnle jn Ktraßl'iirg i. K. Wir hatten die ehemalige Reichsstadt nach allen Seiten hin durchwandert und unter den großartigsten Kunstwerken die Meisterstücke eines Meybaums und Schwilque als unvergleichbar gefunden! Rach dem Schönen sollte das Gute und Edle sich nnscrin Auge darbictcn. In der Halbmondstraße gelangten wir durch eine große Pforte in einen sehr geräumigen Hof und vor uns steht die Kunst- und Gewerbeschule, die zu Gunsten der unbcinittclten Israeliten des Nicderrheins im Jahre 1842 gegründet worden ist. In einem Seitengebäude wohnt der Oeconomicverwalter, der auch den Namen „Hausvater" mit Recht trägt. — Parterre befinden sich der Speise- und der Schnlsaal, ebenso die Küchenrüume; im 2. und 3. Stockwerke sind die Schlafsäle. Wir befinden nnS in einer Anstalt, in der keine Zöglinge sind; doch bald hören wir von den Thnrmen die Mittagsstunde verkünden, und in Gruppen kommen die Zöglinge, ans den Werkstätten und Ateliers der Stadt in die Anstalt. Rothwangige Jünglinge, die von Gesundheit strotzen, tragen das Bild einer guten Pflege. Es sind Kinder armer Leute, unter diesen eine Anzahl Waisen, alle aus dem Bezirk Unterclsaß, die als Handwerker oder Künstler aller Art ganz nnentgeltlich hcrangebildct werden. Sic sind streng bewacht, so daß keiner von ihnen einen Umweg von oder zur Wcrkstättc cinschlagcn kann; auch dem Meister ist es zur strengen Pflicht gemacht, daß nicht die geringste Versäumnis; vorksmmt. Männer, die zu den Notabcln der Stadt gezählt werden, gehören dem Vcrwaltnngs-Eomitb an und erfüllen ihre Pflichten mit der peinlichsten Gewissenhaftigkeit. Die Zahl der Zöglinge beträgt r>7, auch sind einige externe, die nur den Unterricht frei genießen. An den Abenden wird der Unterricht sowohl im Französischen, als in. den Realien ertheilt, am Samstag wird Religion gelehrt. . Das; die Zöglinge mit Beginn des Sah- ■

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